Illertissen Der "Internationale Erziehungs- und Elternverein Illertissen" (I.E.E.) veranstaltet am kommenden Samstag in der Bischof-Ulrich-Schule ein "türkisches Kinderfest". Die Begleitumstände dieses Festes haben beim Lehrkörper der Schule für Erstaunen und Irritationen gesorgt. Denn in der Einladung heißt es, dass am 25. April während des Festes ein "Vortrag zur Beschneidung" stattfindet. Von Wolfgang Kahler
Eine Lehrkraft der Schule empfindet diese Kombination unserer Zeitung gegenüber als äußerst "mysteriös" und bezeichnet sie zumindest als "unpassend". Noch weit größere Bedenken hat Rektor Eduard Ohm. Schon mehrfach habe er sich in dieser Angelegenheit an die Illertisser Stadtverwaltung gewendet, die als Eigentümer des Schulgebäudes Hausherr ist. Entscheidender Grund seiner Bedenken: Ihm ist nicht ganz klar, wer hinter dem Veranstalter steckt. Vor allem deshalb, weil er es nicht gut findet, dass ein Verein, den er nicht kennt, eine Veranstaltung in der Schule macht, von der er nicht weiß, was dort passiert: "Mir gefällt das nicht."
Der Rektor hat die Verwaltung aber auch darauf hingewiesen, dass der I.E.E. vom bayerischen Verfassungsschutz zumindest beobachtet wird. Nach Recherchen unserer Zeitung vom vergangenen Jahr rechnet der Verfassungsschutz den Eltern- und Erziehungsverein der radikalislamischen Organisation "Milli Görüs" (Neue Weltsicht) zu.
Bei der Stadt Illertissen sind diese Bedenken seitens der Schulleitung durchaus bekannt. Aber "der Verein ist nicht verboten", so Martina Matzner vom Liegenschaftsamt: "Er muss daher ganz normal behandelt werden, wie jeder Verein." Der I.E.E. hat bei der Stadt in der Aula der Bischof-Ulrich-Schule ein "Kinderfest mit Vortrag" beantragt, bestätigte die Rathaus-Mitarbeiterin. Da der Vortrag nur eine untergeordnete Rolle spiele, sei dieser Punkt nicht ausschlaggebend für die Genehmigung gewesen. Daher bestehe seitens der Stadt "weder die Voraussetzung noch die Notwendigkeit für Handlungsbedarf". Im Übrigen, so Martina Matzner, finde die Veranstaltung in Absprache mit der Schulleitung statt, die zwar Bedenken geäußert habe, aber keine konkrete Ablehnung.
Als höchst eigenartig stuft der türkische Integrationsbeauftragte die Kombination des Vortrags über die Beschneidung im Zusammenhang mit dem Kinderfest ein. Kasim Kocakaplan glaubt, das der I.E.E. das Kinderfest nutzen will, um verstärkt Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben. Die Organisatoren des Kinderfestes hatten die Veranstaltung übrigens auf Türkisch ankündigen wollen - das aber hat die Stadtverwaltung untersagt, weil sie wissen wollte, was in der Ankündigung steht.
Fast zeitgleich
Das Kinderfest in der Bischof-Ulrich-Schule findet übrigens fast zeitgleich mit einem zweiten Kinderfest in der Gemeinschaftshalle Jedesheim statt. Dazu laden türkische Lehrer und Elterngemeinschaften ein und auch das Schulamt ist dort regelmäßig zu Besuch.
"An der Bischof-Ulrich-Schule wird die Integration ausländischer Kinder sehr gefördert", betont Rektor Eduard Ohm, eine solche Veranstaltung wie die des I.E.E. würde aber derartige Bemühungen eher untergraben.
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