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18. November 2008 20:45 Uhr

Türkisches Gericht

Ulmer Terrorverdächtiger bald wieder in Deutschland

Der mutmaßliche Terrorhelfer Atilla S. soll demnächst von der Türkei nach Deutschland ausgeliefert werden. Das bestätigte Oberstaatsanwalt Frank Wallenta, Pressesprecher der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe. Wann genau der Ulmer nach Deutschland gebracht wird, sagte Wallenta nicht. Von Michael Ruddigkeit

Der türkischstämmige Bundesbürger Atilla S. war vor über einem Jahr in der Türkei festgenommen worden. Er soll als Helfer der sogenannten Sauerlandzelle um den Ulmer Fritz G. an der Planung verheerender Anschläge auf amerikanische Einrichtungen beteiligt gewesen sein. Er steht im Verdacht, die Zünder für die Sprengsätze beschafft zu haben, mit denen die mutmaßlichen Terroristen auf Flughäfen, in Diskotheken und Kneipen vor allem möglichst viele US-Bürger in den Tod reißen wollten. Außerdem soll er sich vor zwei Jahren in einem Terrorcamp der Islamischen Jihad Union (IJU) in Pakistan aufgehalten haben.

In der hiesigen Islamistenszene sind S. und G. mehrfach im berüchtigten Neu-Ulmer Multi-Kultur-Haus zu Gast gewesen. Weil sich dort radikale Islamisten die Klinke in die Hand gaben und in Hasspredigten zu Gewalt aufriefen, wurde der Treffpunkt Ende 2005 vom Innenministerium geschlossen. Später soll sich Attila S. regelmäßig im Islamischen Informationszentrum (I.I.Z.) in Ulm aufgehalten haben. Dieses geriet ebenfalls ins Visier der Behörden und wurde ebenfalls geschlossen.

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Laut Bundesanwaltschaft soll der Ulmer zum Jahreswechsel 2006/2007 gemeinsam mit seinen Komplizen versucht haben, zwei amerikanische Kasernengelände in Hanau (Hessen) für Anschläge auszuspähen. Zur Vorbereitung der Attentate sollen sich Fritz G., Adem Y. und Daniel S. 730 Kilogramm 35-prozentiges Wasserstoffperoxid als Grundlage für hochexplosiven Sprengstoff besorgt haben. Bevor die mutmaßlichen Attentäter zuschlagen konnten, wurden sie am 4. September 2007 in einer Ferienwohnung in Nordrhein-Westfalen festgenommen. Zwei Tage später wurde Attila S. aufgrund eines Festnahmeersuchens der Bundesanwaltschaft in Konya (Türkei) von türkischen Sicherheitskräften festgenommen.

Das Auslieferungsverfahren hat sich deshalb so lange hingezogen, weil sich Attila S. juristisch gegen seine Auslieferung wehrte. In erster Instanz war die Auslieferung vom Gericht bewilligt worden. "Der türkische Kassationsgerichtshof hat das Urteil des Gerichts von Konya bestätigt. Damit ist es rechtskräftig", sagte Oberstaatsanwalt Frank Wallenta. Sobald S. in Deutschland eintreffe, werde ein Haftbefehl gegen ihn eröffnet, außerdem würden die Ermittlungen fortgeführt. Wann Anklage erhoben wird, steht noch nicht fest.

Gegen seine mutmaßlichen Komplizen Fritz G., Daniel S. und Adem Y. hat die Bundesanwaltschaft vor zwei Monaten Anklage erhoben. Das Trio muss sich unter anderem wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung sowie wegen der Verabredung eines Mordes und eines Sprengstoffverbrechens verantworten. Der Prozess werde "nicht vor Frühjahr nächsten Jahres" beginnen, sagte gestern eine Sprecherin des Oberlandesgerichtes Düsseldorf.

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