Donnerstag, 22. Februar 2018

21. Juli 2012 12:16 Uhr

Schicksal

Von Forster beschützt

Wie sich der Senator für einen jüdischen Arzt einsetzte

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Illertissen-Au Als Elisabeth Berger in unserer Zeitung von den Deportationen ins KZ Theresienstadt las, die in Bayern vor 70 Jahren begonnen hatten, war sie elektrisiert: In dem Artikel wurde auch das Schicksal des jüdischen Arztes Hans Wienskowitz beschrieben, der noch 1945 von Illertissen aus ins Lager gebracht worden war. Seine Spur habe sich kurz nach dem Ende des Krieges verloren, schrieb Autor Gernot Römer. Doch Elisabeth Berger wusste, was mit Hans Wienskowitz passiert war. Der Arzt war sechs Wochen nach der Befreiung von Theresienstadt durch die Rote Armee an Fleckfieber gestorben.

Diese Informationen wiederum hatte Elisabeth Berger von einer Illertisserin, die Hans Wienskowitz gut kannte. Ihr Name ist Ellen Schaudig-Forster, die Tochter des bekannten Senators Karl August Forster. Der jüdische Arzt aus Dillingen hatte bei Mack/Nachfahren, der Firma ihres Vaters, in Au Unterschlupf gefunden und war von ihm sogar zweimal vor der Deportation bewahrt worden.

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Aufgrund der rassistischen Gesetze des NS-Regimes war es Hans Wienskowitz verboten worden, seinen Arztberuf weiter auszuüben. Doch Senator Forster nahm ihn in seine Firma auf. Wie sich die Tochter erinnert, konnte er dort ohne Judenstern unbehelligt im Kräutergraten arbeiten und stand unter dem Schutz der Familie Forster.

Elisabeth Berger schaffte damals im Vorzimmer des Firmenchefs und erinnert sich gut an den besonderen „Angestellten“. Er habe ebenso wie die Familie Forster in großer Angst gelebt. Bei den Behörden war Wienskowitz allerdings durchaus gemeldet, sodass er zweimal die Aufforderung bekam, sich zur Deportation zu melden. Doch wie sich Ellen Schaudig-Forster erinnert, blockierte ihr Vater beide Male den Abtransport, indem er Hans Wienskowitz als angeblich krank in die Illertisser Klinik einwies.

Bei der dritten Aufforderung jedoch ging der Arzt freiwillig. Er wolle das Versteckspiel beenden, sagte er zu Elisabeth Berger, und sich stellen. Dabei hatte ihm Karl August Forster angeboten, ihn weiterhin bei sich zu behalten und zu schützen. Doch Wienskowitz wollte seine jüdischen Mitbürger nicht alleine lassen und sie in Theresienstadt ärztlich betreuen, wie er sagte.

Im Februar 1945 fuhr er mit dem letzten Transport nach Theresienstadt. Wäre er in Illertissen geblieben, hätte er wohl den Krieg um einiges länger überlebt. Er hinterließ eine Frau und einen Sohn. In Dillingen ist eine Straße nach ihm benannt. Forsters Tochter Ellen studierte nach dem Krieg in Dillingen zwei Semester Medizin und wohnte zeitweilig bei der Witwe Wienskowitz.

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Ein Artikel von
Ronald Hinzpeter

Neu-Ulmer Zeitung
Ressort: Redaktionsleiter

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