Montag, 11. Dezember 2017

28. Oktober 2017 07:00 Uhr

Illertissen

Wie der Handel in der Innenstadt florieren könnte

Wie soll sich die Geschäftswelt in Illertissen entwickeln? Ein Experte gibt dazu Tipps – er hat auch den Marktplatz im Blick.

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„Ein toter Platz“: So wird der Marktplatz in Illertissen von Kritikern gesehen. Das soll sich ändern – durch Veranstaltungen. Und neue Geschäfte.
Foto: Felix Oechsler

Die Trends machen vor Illertissen nicht Halt: Die Menschen kaufen per Mausklick und im Shoppingcenter statt in kleinen Läden. Inhaber von Fachgeschäften suchen vergebens nach Nachfolgern. Immobilien in bester Lage drohen leerzustehen. Diese Probleme hat Stefan Holl, Geschäftsführer der Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung, dem Stadtrat aufgezeigt – und auch, wo sich noch Potenzial ausschöpfen lässt. „Illertissen geht es noch sehr gut. Sie haben viel Geld in die Hand genommen in den letzten Jahren. Aber wenn Sie sich nur gelegentlich mit dem Handel beschäftigen, drohen Verluste in der Stellung als Anlauf- und Einkaufsstadt“, appellierte er.

Branchenmix: Laut Bericht hat Illertissen derzeit ausreichend Fachgeschäfte und einen guten Branchenmix. Von rund 100 Betrieben widme sich ein Drittel den Lebens- und Genussmitteln. Damit sei die Nahversorgung gesichert, sowohl in der Kernstadt als auch in den Ortsteilen. „Potenzial gibt es bei Bio-Lebensmitteln“, sagte Holl. Zudem sieht er Entwicklungsmöglichkeiten im Bereich Sport, Schuhe und Elektronik, weniger bei Bekleidung. Um ein breites Angebot zu sichern, rät Holl den Stadträten eine „Illertisser Liste“ zu beschließen, welche Bedarf und Sortiment festlegt.

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Ebenso solle die Stadt den Trend zum Essen außer Haus nutzen und neue (Außen-)Gastronomie anwerben: „Heutzutage geht es nicht darum, Hungrige satt, sondern Satte hungrig zu machen. Wir brauchen mehr Erlebnis.“

Nachfolge und Leerstände: Einzelhändler, die in den Ruhestand gehen wollen, haben Schwierigkeiten, einen Nachfolger zu finden – und sind teils gezwungen zu schließen. Stadtrat Ansgar Batzner (Freie Wähler) fragte, was die Stadt proaktiv dagegen tun könne. „Setzen Sie ein Signal, dass es sich lohnt, zu investieren“, sagte Holl. Er rät, Erfolgsbeispiele zu zeigen, etwa den türkischen Lebensmittelmarkt in der Innenstadt.

Zudem könne die Stadt gerade kleine Unternehmen im Umgang mit Neuen Medien unterstützen, da viele in diesem Bereich unsicher seien. Illertissen könne mit seiner Wirtschaftsförderung helfen, zusätzliche Kanäle zu erschließen. „So schaffen sie eine andere Wahrnehmung beim Kunden. Illertissen kann sich hier als Modellort profilieren“, sagte Holl. Zudem sei es eine Möglichkeit, geeignete Einzelhändler in Nachbarstädten zu fragen, ob sie eine Filiale in Illertissen aufmachen würden. Hier könne Henning Tatje, Leiter des Stadtmarketings, aktiv werden. Konzerne wie H&M jedoch träfen Entscheidungen eher auf Basis eigener Standortanalysen.

Auf Zustimmung stieß ein Vorschlag von Stadtrat Andreas Lanwehr (Freie Wähler), der selbst Unternehmer ist: eine Gründungsförderung. Wenn zum Beispiel eine junge Frau an der Übernahme eines Modegeschäfts interessiert sei, habe diese Probleme, einen Kredit von der Bank zu bekommen, argumentierte er. Hier könne die Stadt finanziell unterstützen.

Wettbewerb in der Region: Ein Blick in die Umgebung zeigt: „Illertissen hat eine Sandwich-Lage.“ Darin sieht Holl einen Vorteil, denn die Zentren Ulm, Neu-Ulm und Memmingen lägen entfernt genug. Näherer Konkurrent sei etwa Senden. Zudem sagte er: „Wegen IKEA in Memmingen braucht sich Illertissen keine Sorgen machen. Die Warengruppe betrifft Sie nicht so.“

Marktplatz: Der Handel konzentriert sich auf die Achse zwischen Bahnhof und Rathaus. Ansgar Bauer (FW) bemängelte: „Der Marktplatz ist ein toter Platz.“ Dem stimmte Holl zu. Der Marktplatz habe viel Potenzial, etwa für Gastronomie. „Das ist aber eine Langzeitaufgabe.“ Susanne Kränzle-Riedl (CSU) wollte wissen, wie sinnvoll es für die Innenstadt sei, dass Immobilien in guter Lage als Büro- statt als Handelsräume genutzt werden. Holl antwortete: „Jeder, der in Illertissen arbeitet, ist gut. Man kann ihnen auf einem Flyer zeigen, wo es einen Mittagstisch gibt und sie so zu Konsum und Verzehr bringen.“ So könne man Verflechtung nutzen.

Verkehr und Erreichbarkeit: Rund 75000 Kunden, kaufen regelmäßig in Illertissen ein – hauptsächlich aus der Stadt, den Ortsteilen und der näheren Umgebung. Durch die Autobahn und den Bahnhof ist die Stadt gut zu erreichen. Jedoch beschäftigt die Räte seit Langem, wie sie den Verkehr künftig regeln wollen – etwa, was die viel befahrene Hauptstraße und Parkplätze anbelangt. Rat Wilhelm Fischer (CSU) sagte: „Als wir überlegt haben, die Innenstadt autofrei zu machen, ist uns der Einzelhandel teilweise aufs Dach gestiegen.“ Viele Menschen würden werktags durch Illertissen fahren, das Angebot der Geschäfte sehen und dann am Wochenende zum Einkaufen wiederkommen, hieß es. Kompromiss ist die Tempo-20-Zone. Aktuell hat Tatje Fragebögen an Anwohner und Betriebe am Marktplatz verteilt. Sie sollen ihre Meinung zu den Marktplatzsperrungen an Wochenenden während der Sommermonate kundtun. Der Stadtrat wird sich im November mit den Ergebnissen befassen.

In Bezug auf die Parkplatzsituation sagte Holl: „Man muss das auch mal psychologisch sehen: Wenn der Stadtrat dauernd darüber diskutiert und das in der Presse steht, sind die Leute von außerhalb abgeschreckt, nach Illertissen zu fahren.“ Uwe Bolkart (CSU) fragte, ob es sich lohne, die Erreichbarkeit für (Elektro-)Fahrräder zu verbessern. Lanwehr schlug vor, Ladestationen für E-Autos zu berücksichtigen, um als Stadt zukunftsträchtig zu agieren. Bürgermeister Eisen verwies auf eine kommende Bauausschusssitzung, bei welcher der ADFC zu Wort kommen soll. In Sachen E-Mobilität lasse sich noch schwer abschätzen, welche Technologie sich durchsetzen wird.

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Ein Artikel von
Sabrina Schatz

Günter Holland Journalistenschule
Ressort: Volontärin

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