Montag, 27. Februar 2017

15. Juli 2016 19:00 Uhr

Neu-Ulm

Zuhälter-Prozess: Grausame Einblicke in die Welt der Menschenhändler

Vier Männer und eine Frau sollen eine junge Rumänin nach Neu-Ulm gelockt und zur Prostitution gezwungen haben. Es sind grausame Einblicke, die am Gericht gewährt wurden.

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Der Prozess wegen Menschenhandels erregt Aufmerksamkeit.
Foto: Dodel

Es sind grausame Einblicke, die am Freitag am Memminger Landgericht in das Neu-Ulmer Rotlicht-Milieu gewährt wurden: Von ständiger Überwachung der Prostituierten, brutalen Prügelattacken und Zwangsarbeit unter Schmerzen war die Rede. Angeklagt war eine mutmaßliche Menschenhändler-Bande aus Laupheim, die eine 24-jährige Rumänin über Jahre hinweg zum Sex in einem großen Neu-Ulmer Bordell gezwungen haben soll. Vier Männern und einer Frau wird daher schwerer Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung vorgeworfen.

Das mutmaßliche Opfer selbst kam zum Gerichtstermin, um unter Ausschluss der Öffentlichkeit seine Aussagen zum Fall zu machen. Doch lange dauerte die Vernehmung nicht: Wie zu erfahren war, brach die junge Frau während der Befragung im Gerichtssaal zusammen und musste mit dem Rettungswagen in eine Klinik gebracht werden. Welches traurige Schicksal der jungen Frau widerfahren sein muss, wurde vor Gericht deutlich: Nach Angaben der Staatsanwaltschaft haben sich die Angeklagten im Jahr 2014 zu einer Bande zusammengeschlossen – mit dem Ziel, junge rumänische Frauen nach Deutschland zu locken, um sie dort zur Prostitution zu zwingen.

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Kopf der Bande soll verheirateter Familienvater gewesen sein

Kopf der Bande soll der Älteste der Angeklagten – ein 33-jähriger verheirateter Familienvater – gewesen sein, der zusätzlich wegen Körperverletzung in 33 Fällen angeklagt ist. Gemeinsam mit einem „Geschäftspartner“ soll er das mutmaßliche Opfer unter einem Vorwand nach Deutschland gelockt haben: In Spanien hat die 24-Jährige bereits als Prostituierte gearbeitet. Dort ist sie laut Anklage jedoch vor ihrem Zuhälter geflohen – zurück in ihre Heimat nach Rumänien, wo sie glaubte, eine sichere Bleibe zu haben. Zum Schutz vor ihrem spanischen Zuhälter soll ihr dort ein Bewohner derselben Ortschaft einen Urlaub in Deutschland versprochen haben – doch sie bekam die Hölle auf Erden: Anfang 2014 ist die Frau in Neu-Ulm zum Sex mit fremden Männern gezwungen worden.

Als sie sich gesträubt hatte, habe der 33-jährige Banden-Chef ihr gedroht, das Haus ihrer Mutter anzuzünden und ihrer Familie von der Arbeit als Prostituierte zu erzählen. Aus Angst und offenbar aus Finanz-not ist die 24-Jährige ihrer Arbeit im Bordell nachgegangen.

Die Anklage, die am ersten Verhandlungstag am Landgericht verlesen wurde, offenbart weitere tiefe Einblicke ins Rotlicht-Milieu: So soll die einzige Frau auf der Anklagebank als sogenannte „Capo-Prostituierte“ gearbeitet haben, die andere Sex-Arbeiterinnen im Bordell angemeldet, in die Arbeit eingeführt und zugleich überwacht habe. Auch das mutmaßliche Opfer, das innerhalb der Bande „Pitica“ (Zwerg) genannt worden ist, soll sie ständig begleitet haben.

Was Überwachung im Rotlicht-Milieu bedeutet, kam vor Gericht ebenfalls ans Licht: Das Handy der jungen Frau ist regelmäßig kontrolliert worden und an ihrem freien Tag hat sich die 24-Jährige in der Wohnung aufhalten müssen, heißt es in der Anklage. Unter der Woche habe die junge Frau von 14 bis 2 Uhr im Bordell gearbeitet, am Wochenende bis 4 Uhr. Das verdiente Geld hat sie an den 33-Jährigen abgeben müssen. Dieser habe sie immer wieder brutal verprügelt, sobald sie mit weniger als 300 Euro am Tag nach Hause gekommen ist. Einmal habe der Banden-Boss sie besonders grausam attackiert: Er soll die junge Frau mit beiden Händen hochgehoben und gegen die Wand geschleudert haben. Trotz eines Kreuzbein-Bruchs und erheblicher Schmerzen sei sie dennoch dazu gezwungen worden, im Bordell zu arbeiten. Auch in einem Böblinger Etablissement habe sie Sex gegen Geld anbieten müssen.

Das Martyrium der jungen Rumänin hat im Dezember vergangenen Jahres ein Ende genommen: Dann nahm die Polizei die mutmaßlichen Täter bei einer Razzia in deren Wohnung in Laupheim fest. Seither sitzen die fünf in Untersuchungshaft. Wie sehr die 24-Jährige unter den Strapazen gelitten hat, wird auch am drastischen Gewichtsverlust deutlich: Wie die Staatsanwaltschaft mitteilt, wog die 1,50 Meter große Frau 47 Kilo, als sie nach Deutschland kam – nur noch 33 Kilo waren es bei einer Untersuchung im Dezember 2015.

Ob das mutmaßliche Opfer, das innerhalb der zwei Jahre nach einer Flucht in ihr Heimatland freiwillig ins Bordell zurückgekehrt war, aus freien Stücken als Prostituierte arbeitete oder nicht, muss nächsten Freitag, 22. Juli, geklärt werden. Dann wird der Prozess fortgesetzt.

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Ein Artikel von
Katharina Dodel

Neu-Ulmer-Zeitung
Ressort: Lokales

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