Burtenbach Ist es jetzt fünf vor zwölf oder bereits eine Minute nach zwölf? Wenn man die Aktivitäten am Standort der Kögel Trailer GmbH in Burtenbach aufmerksam verfolgt, dann ist es bereits eine Minute nach zwölf. Wie unsere Zeitung erfuhr, hat der neue Eigentümer Humbaur (Gersthofen) die ersten Schweißvorrichtungen für die Rahmenfertigung, die aus Tschechien gekommen waren, bereits per Lkw abtransportieren lassen. Sie sollten ursprünglich in Burtenbach fest installiert werden. Von Georg Schalk

Wenn man jedoch die Stimmen derjenigen hört, die tief in der Materie stecken, dann scheint bei der Aufgabe des langjährigen Trailerstandortes das letzte Wort noch nicht gesprochen zu sein. "Wir hoffen doch noch auf eine Einigung. Aber wenn in dieser Woche nichts Entscheidendes passiert, wird sich das Rad wohl nicht mehr zurückdrehen lassen", stellt der Betriebsratsvorsitzende Leo Berger fest.
Heute und am morgigen Mittwoch wird bei Kögel wieder produziert. Die Auslastung im Februar ist relativ gut. Doch die Stimmung ist mies. 441 von ehemals 763 Beschäftigten, die bei der zweiten Insolvenz gerade erst davon gekommen sind, stehen vor einer ungewissen Zukunft. Wo werden sie künftig arbeiten? In Gersthofen oder in Graben kurz vor Landsberg (beide im Landkreis Augsburg)? Oder ganz woanders? Was passiert mit dem Firmengelände in Burtenbach? In drei Wochen soll auf dem 25 Hektar großen Areal Schluss sein. Er wäre dann nicht mehr viel wert.
Genau um das Areal geht es. 15 Millionen Euro soll die Firma Humbaur für Kögel bezahlt haben. Darin enthalten sind offenbar die Rechte sowie die neuen Erweiterungs-, Abstellflächen und Stellplätze in Burtenbach, die die damaligen Kögel Fahrzeugwerke Ende 2007 erworben haben. Doch auf den "Altbestand", insbesondere auf die Produktionsgebäude, hatte der neue Eigentümer keinen Zugriff.
Nach der Insolvenzanmeldung Mitte 2009 seien zwischen der Eigentümerbank Fortis Lease und den Altgesellschaftern Verträge über das Grundstück geschlossen worden, erfuhr unsere Zeitung. "Sie haben zur Folge, dass an den Altgesellschaftern um die Gebrüder Schöller und Graf Metternich niemand vorbei kommt", berichtet ein Insider. Zuletzt sei es um elf Millionen Euro für die Immobilie gegangen. Doch die wollte Unternehmer Ulrich Humbaur wohl nicht auf eigenes Risiko übernehmen. Er soll gefordert haben, dass die staatliche KfW-Bank bei der Finanzierung hilft. "Die ist aber gar nicht dafür zuständig", erklärt Bundestagsabgeordneter Dr. Georg Nüßlein. Der CSU-Mann will sich weiter engagieren: Einerseits will er den Kauf "flankierend begleiten". Nüßlein: "Entscheiden muss die KfW-Bank selbst." Andererseits will er erreichen, dass Kögel eine nochmalige Ausnahmegenehmigung für seine überlangen Lkw bekommt. Wie die Fahrzeuge sich auf deutschen Straßen bewähren, dazu laufen derzeit Versuche. Betriebsratsvorsitzender Berger hält die Kritik von Thomas Heckel, dem Vorsitzenden der Kögel-Geschäftsführung, am Bundestagsabgeordneten und anderen Politikern für nicht nachvollziehbar. "Nüßlein hat sich sehr eingesetzt. Und auch Bürgermeister Kempfle hat uns unterstützt", so Berger.
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