Krumbach Der Krumbacher Andreas Demel wird am Sonntag, 28. Juni, um 14.30 Uhr im Augsburger Dom zum Priester geweiht. Eine Woche später, am Sonntag, 5. Juli, feiert er in seiner Heimatstadt in der Pfarrkirche Maria Hilf um 9.30 Uhr die Primiz - die zum Festtag für die ganze Stadt werden soll. Wir stellten dem Jungpriester einige Fragen. Das Gespräch führte Hans Bosch.



Warum wird ein junger Mensch heute Priester?
Demel: Warum nicht? Keiner fragt, warum der eine Arzt, der andere Lehrer oder Metzger wird. Jeder muss seine Berufung entdecken und ihr im Leben folgen. Priester ist für mich einerseits ein Beruf wie jeder andere, andererseits eine besondere Berufung in die Nachfolge Christi. Für einen Priester steht nicht die Arbeit und das Geldverdienen im Vordergrund. Als Priester entscheidet man sich dazu, mit seinem ganzen Leben - mit allen Fähigkeiten und Schwächen - Gott zur Verfügung zu stehen und die Menschen zu ihm zu führen. Wie bei jeder Entscheidung die Zukunft betrifft, muss man letztlich auf Gottes Hilfe und Führung vertrauen.
Was war dafür das entscheidende Erlebnis?
Demel: Ein besonderes Berufungserlebnis gab es in meinem Leben nicht. In der Rückschau entdecke ich heute viele kleine Begebenheiten, die mich auf meinem Lebensweg fast unbemerkt begleitet haben. Vor der Entscheidung zum Priesterberuf stand ein langes Überlegen und Hinhören: Was ist mir im Leben wirklich wichtig?
Begonnen hat es vielleicht schon als Kind. Im Urlaub erlebte ich im Pfarrhof meines Großonkels in Niederösterreich den Alltag eines Pfarrers. Als Kommunionkind von St. Michael war ich vor 25 Jahren bei der Primiz von Michael Saurler dabei und durfte ein Gedicht aufsagen. Besonders wichtig war sicherlich die Zeit als Ministrant in St. Michael und im Münchener Dom. Mein Engagement in der Katholischen Deutschen Studentenverbindung Tuiskonia in München war auch ein Stein in meinem "Berufungsmosaik". Glaube, Kirche und Pfarrei waren mir immer ein Stück Heimat.
Sehen Sie sich als konservativer oder progressiver Priester?
Demel: Vor 20 Jahren mag das eine Frage gewesen sein, für mich heute nicht mehr. Ich sehe mich als Priester der Mitte, der die Vorschriften und Anordnungen Roms treu befolgen will. In erster Linie möchte ich dabei "Seelsorger für Menschen" sein. Was auch immer man unter konservativ oder progressiv verstehen möchte, ich will den Menschen auf Augenhöhe begegnen, bei ihnen sein, egal ob am Sterbebett oder am Stammtisch und ein Ohr dafür haben, wo sie der Schuh drückt. Mit einem Wort, ich möchte "Priester für alle" sein.
Wie wollen Sie die Jugend mehr in die Kirche bringen?
Demel: Dafür gibt es kein einfaches Rezept. Die Jugend ist die Zukunft der Kirche. Daher ist es wichtig, ein Ohr für die Jugendlichen zu haben. Ich habe mir vorgenommen, viel Zeit in die Jugendarbeit zu investieren. Die Jugendlichen müssen merken, dass sie respektiert, in den Alltag der Pfarrei einbezogen und ernst genommen werden. Sie müssen spüren, dass der Pfarrer einer ist, der Interesse an ihnen hat, zu dem sie mit allen Anliegen kommen können. Ich möchte zu den Jugendlichen gehen und für Gespräche zur Verfügung stehen, je nach Bedarf auch spät abends. Mir ist klar, dass Jugendarbeit schwierig ist, aber es ist nicht damit getan, Jugendevents zu veranstalten und zu meinen, dann kommen sie auch zum Gottesdienst. Trotzdem glaube ich, dass die Jugend besser ist als ihr Ruf.
Sind Sie in Bezug auf das II. Vatikanische Konzil für ein "Vorwärts" oder unterstützen sie das "Rückwärts" von Papst Benedikt XVI. mit mehr Latein bei der Messe und weniger Ökumene?
Demel: Papst Benedikt ist sicherlich kein "Rückwärts". Er will die Beschlüsse des zweiten Vatikanischen Konzils umsetzen. Dort wurde Latein als weltweit einheitliche Liturgiesprache nicht abgeschafft, sondern die jeweilige Volkssprache zusätzlich erlaubt. Papst Benedikt ist besorgt um die Einheit der Kirche Jesu Christi. In der Ökumene setzt er mit Erfolg andere Akzente. Noch nie waren wir der Ostkirche so nahe wie heute. Es geht ihm um eine tragfähige Ökumene und nicht um billige Gleichmacherei. Beim Eucharistie- und Abendmahlsverständnis scheinen mir die Unterschiede momentan unüberbrückbar, was besonders für konfessionsverbindende Ehen schmerzlich ist. Der Grund dafür liegt im unterschiedlichen Weihe- und Amtsverständnis der protestantischen Kirchen. Die Spaltung der Christenheit ist eine "schmerzliche Wunde", jedoch sollten wir heute alles gemeinsam tun, was wir gemeinsam tun können. Eine noch viel engere Zusammenarbeit zwischen Katholiken und Protestanten wünsche ich mir im sozialen Bereich, in der Zusammenarbeit von Caritas und Diakonie. Vielleicht wäre ein gemeinsames Hilfswerk denkbar. Ein Zurück in der Ökumene kann und darf es nicht geben.
Liegen ihre Schwerpunkte künftig bei der Seelsorge in einer Pfarrei oder mehr beim weiteren Studium, vielleicht sogar in Rom?
Demel: Ganz eindeutig in der Gemeinde und hier wiederum nicht lediglich als Verwalter einer Pfarrei, sondern als Seelsorger für alle mir anvertrauten Menschen. Die notwendige Verwaltung verschiedener Einrichtungen, wie Kindergärten und Sozialstationen wird sich leider nicht ganz vermeiden lassen. In erster Linie jedoch möchte ich als Priester versuchen, den Anliegen der Pfarreiangehörigen nachzugehen und nicht zu warten, bis die Menschen in den Pfarrhof kommen. Ich möchte dorthin gehen, wo die Menschen arbeiten und leben. Und was die Karriere betrifft: Ich habe jetzt lange genug studiert.
Wie heißt Ihr Leitspruch?
Demel: "Nicht Knechte nenne ich Euch, sondern Freunde." Dieses Jesuswort aus dem Johannesevangelium bringt das Wesen des priesterlichen Dienstes auf den Punkt. Jesus bietet uns seine bedingungslose Freundschaft an. Sie ist der tiefste Grund, der ein priesterliches Leben trägt. Jeder von uns hat sicherlich schon erlebt, was eine gute und verlässliche Freundschaft zwischen Menschen bedeutet. Wie jede menschliche Freundschaft muss auch die zu Christus gepflegt und mit Leben erfüllt werden. Dies geschieht vor allem im Gebet und im Empfang der Sakramente.
Wie reagierten Ihre Eltern auf die Ankündigung, Priester zu werden?
Demel: Meine Eltern waren von meinem Entschluss nicht überrascht, da sie die Überlegungen ja mitbekommen hatten. Sie reagierten mit Wohlwollen und Unterstützung. Allerdings stellten sie mir auch kritische Fragen. Sie wollten wohl sehen, ob ich die Entscheidung wohlüberlegt oder leichtfertig getroffen habe. Jedenfalls darf ich mir aller Unterstützung sicher sein.
Wo wird ihre erste Wirkungsstätte sein?
Demel: Vom Bischof erhielt ich den Auftrag, ab 1. September den Stadtpfarrer von Schrobenhausen als Kaplan in seiner großen Pfarrei zu unterstützen.
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