Die Atemschutzträger der Feuerwehren sollen den Gürtel enger schnallen: Wer einen zu hohen Body-Mass-Index hat, darf nach einer Neuregelung nicht mit zum Einsatz. Feuerwehrleute in der Region reagieren mit Unverständnis.Von Maximilian Czysz Von Maximilian Czysz

Von Maximilian Czysz
Krumbach - Die Atemschutzträger der Feuerwehren sollen den Gürtel enger schnallen: Nach einer Neuregelung ist für einen Einsatz mit Atemschutzmontur untauglich, wer einen zu hohen Body-Mass-Index (BMI) hat. Liegt er über 30, dann darf der Floriansjünger keinen Atemschutz-Einsatz mehr bestreiten.
Das Risiko, wegen einer unentdeckten Erkrankung zu verunfallen, sei zu groß, heißt es bei der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung. Die Feuerwehren hätten dadurch keine Nachteile. Das sehen die freiwilligen Helfer anders.
Fingerspitzengefühl sei gefragt, sagt Kreisbrandrat Robert Spiller aus Burgau. Es gebe auch stämmige Menschen, die beweglich sind und sich das erarbeiteten, was ein Schlanker schafft. Nach dem BMI liegt die Höchstgrenze bei 30. Ein Beispiel: Bei einer Größe von 180 Zentimetern und einem Gewicht von 110 Kilogramm liegt der bei Wert 33,9 - das ist zu viel. Die Körpermassenzahl errechnet sich aus dem Gewicht geteilt durch die Körpergröße im Quadrat.
Für Gerhard Bullinger, den Vizechef des Landesfeuerwehrverbands, ist das alles "Erbsenzählerei". Freilich sei es wichtig, dass Feuerwehr-Mitglieder auf ihre Gesundheit achten. Doch genau die bisherigen regelmäßigen Tests hätten die Vorsorge erfüllt. "Wer den Belastungstest schafft, der ist geeignet", sagt Spiller.
Wer sehr groß oder korpulent sei, habe ohnehin Schwierigkeiten, die Atemschutzstrecke zurückzulegen, sagt Karl Miller, der Vorsitzende des Feuerwehr-Vereins Ziemetshausen. Ein Einsatz mit Atemschutz sei sehr anstrengend. "Ohne Kondition geht das nicht", sagt der Krumbacher Kommandant Wolfgang Hiller. Mit der Neuregelung werde die körperliche Fitness zementiert. "Es geht ganz klar um den Gesundheitsaspekt." Das ist auch Karl Miller klar. Aber: "Man sollte froh sein, wenn man genügend Leute hat."
Den Feuerwehr-Mitgliedern werde ohnehin schon genügend abverlangt. Das bestätigt Wolfgang Seitel. Der Vorsitzende des Feuerwehr-Vereins Münsterhausen ist selbst Atemschutzträger. "Man muss heute froh sein, jemanden zu finden, der das alles mitmacht." Damit gemeint ist auch die Zeit, die die Floriansjünger beispielsweise für Übungen und Lehrgänge verbringen, um am Ende anderen Menschen helfen zu können.
In Bayern gibt es insgesamt rund 64.000 Atemschutzgeräteträger - bei insgesamt 322.000 Floriansjüngern. Bisher hat das Gewicht auch schon eine Rolle bei den arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchungen gespielt. Demnach gilt nach Paul Broca als übergewichtig, wer 30 Prozent über dem Sollgewicht liegt. Der Broca-Index errechnet sich aus der Differenz von der Größe in Zentimetern und der Zahl 100.
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