Berlin/Ettenbeuren "Wir haben es satt" - unter diesem Motto fand am Samstag in Berlin anlässlich der Grünen Woche eine Demonstration gegen Massentierhaltung, Gentechnik und Dumping-Exporte statt (wir berichteten). Die Demonstranten forderten als Konsequenz aus dem jüngsten Dioxin-Skandal, statt mit Subventionen von EU und Bundesregierung Agrarfabriken zu fördern, die bäuerliche Landwirtschaft zu stützen. Mittendrin war auch der Ettenbeurer Biolandwirt Hubert Krimbacher, der zusammen mit drei weiteren Landwirten aus dem Landkreis Günzburg im Bus nach Berlin gefahren war. Wir sprachen mit ihm über seine Eindrücke vom Protest der Landwirte und Verbraucher.



Welche Eindrücke bringen Sie von der Demonstration mit?
Krimbacher: Die Stimmung war gigantisch. Es waren wohl 30 000 Teilnehmer, wie mir der Bundesvorsitzende des Bund Naturschutz, Hubert Weiger, in einem Gespräch gesagt hat, nicht wie berichtet 15 000. Für mich war diese Demo der Anfang vom Ausstieg aus dieser Art von Landwirtschaft.
Sehen das ihre bayerischen Berufskollegen auch so?
Krimbacher: Hier im Süden betrifft uns diese Art der Massentierhaltung nicht so sehr - das gibt es hauptsächlich in Norddeutschland, wo die Landwirte Probleme mit den dortigen Agrarfabriken haben. Aber das Thema ist bundesweit im Gespräch, und vor allem die Verbraucher sind jetzt aufgerüttelt.
Wie hat sich der Protest der Verbraucher in Berlin geäußert?
Krimbacher: Es waren sehr viele Verbraucher mit dabei, um zu demonstrieren - dazu die unterschiedlichsten Gruppen wie Veganer und Tierschützer. Der Protest hat eine andere Qualität bekommen. Eine große Menge Menschen hat sich grundsätzlich gegen den Fleischkonsum ausgesprochen.
Glauben Sie, dass der Protest diesmal anhaltende Veränderungen schaffen wird?
Krimbacher: Wir hatten schon früher Lebensmittelskandale, die kurz hochgekocht und dann im Sande verlaufen sind. Jetzt ist das anders. Die Verbraucher glauben nichts mehr, was man ihnen verspricht. Da kann die Politik noch so viele Kontrollen fordern - tatsächlich ändern die Menschen ihre Lebensgewohnheiten, hinterfragen mehr, woher das Essen kommt.
Das bedeutet also, kurze, transparente Vermarktungswege wären die Lösung, die Landwirten und Verbrauchern am meisten hilft.
Krimbacher: Ja, aber das ist leider nicht so einfach. Wir machen unsere Landwirtschaft ja selbst kaputt. Kleinere Mengen kann man am Markt fast nicht mehr verkaufen, wenn man als Landwirt auf die Großstrukturen angewiesen ist. Wir haben nur eine Chance, und das ist die Erzeugung und Vermarktung in der Region. Aber solange der Kostendruck so hoch bleibt, ist auch das schwierig. Ich habe mal ausgerechnet, dass ein Betrieb in Ostdeutschland im Schnitt zwischen 100 000 und 110 000 Euro pro Arbeitskraft subventioniert wird - weil Subventionen an die Größe der Flächen gekoppelt sind. Bei uns sind es dagegen gerade einmal 10 000 Euro. Die Politik fördert so die Zerstörung der Kleinstrukturen - und damit die Massentierhaltung, gegen die wir am Samstag protestiert haben. Interview: Rebekka Jakob
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