Krumbach - "Ossis sind Ossis und bleiben Ossis (für immer)", schreibt ein Zwölfjähriger der Krumbacher Realschule. Was wissen Schüler über die deutsche Wiedervereinigung und den Tag der Deutschen Einheit?



Wir sind zu Gast in einer 7. Klasse der Krumbacher Realschule. Die Schüler füllen einen Fragebogen aus. Gefragt wird unter anderem: Was war die DDR?, wann wurde die Mauer gebaut und warum fiel sie? Und: Was wird am 3. Oktober gefeiert? In der Klasse wurde dann über diese Themen diskutiert, zu sehen war auch ein Filmausschnitt über den Fall der Mauer 1989.
Was ist der 3. Oktober? Viele wissen es, beinahe alle Finger schnellen flink in die Höhe: "Am Freitag ist der Tag der Deutschen Einheit!" Aber es gab auch Antworten wie "Reformationstag", "Vereinigung von Bayern" oder "Tag der deutschen Ernte".
"Wir feiern die Wiedervereinigung", ruft ein Schüler aus der letzten Reihe. Und siehe da - selbst Geschichtslehrerin Brigitte Pöschl war überrascht: "Da haben wir ja Spezialisten entdeckt!"
Der Fall der "Grenze zwischen Wessis und Ossis", wie einer die "Berliner Mauer" erklärte, ist einigen Schülern ein Begriff. Binnen kürzester Zeit fällt das alles entscheidende Jahr "1989". Die meisten der 29 Siebtklässler wissen auch, wo die "Mauer" stand. Wann und aus welchem Grund sie gebaut wurde, ist allerdings eine schwer zu beantwortende Frage. Nur wenige können sich zu einer Antwort durchringen: "Zur Rassentrennung 1939" vermutet ein 12-Jähriger, "als Trennung zwischen DDR und Berlin", glaubt ein anderer Junge. Ein 13-Jähriger schreibt "wegen des Zweiten Weltkrieges, 1961".
Frühes Mittelalter
Geschichtslehrerin Brigitte Pöschl bringt er damit zum Staunen: "Eigentlich ist das erst Stoff der zehnten Klassen", sagt sie. Momentan bespreche man das frühe Mittelalter mit Karl dem Großen. Weiter sei man in der Geschichte noch nicht gekommen. Warum die Mauer gefallen ist, weiß ein 12-jähriges Mädchen ganz genau. "Die Bewohner haben so lange gestreikt und geschrien", notiert sie auf ihren Fragebogen. "Man hat sie eingerissen", schreibt ein weiterer Siebtklässler zum Fall der Mauer. Oder war es eher ein "Aufstand? - das glaub ich zumindest", schreibt ein 12-jähriger Krumbacher.
Die DDR, die ein Schüler als "Deutsches Diktator Reich" bezeichnet, scheint den Teenagern tendenziell eher Angst zu machen. In beinahe mitleidigem Ton betitelt ein Siebtklässler Ostdeutsche als "arme Schweine". Er sieht in dem ehemaligen deutschen Staat eine beständige "Gefangenschaft".
"Auf die Freiheit" hätte er sich beim Mauerfall am meisten gefreut, wäre er in der DDR aufgewachsen. Mit dieser Ansicht steht er nicht allein.
Die "schlechten Bedingungen", die "Soldaten überall" und die "Trennung von Familie und Freunden" bemängeln die Teenager. Die Aussage einer 12-Jährigen: Als die Mauer fiel, hätte ich mich am meisten darauf gefreut, "dass wieder alle an einem Strang ziehen".
Mucksmäuschenstill ist es im Klassenzimmer. Zweiter Weltkrieg, Besatzungszonen und vor allem die DDR scheinen das Interesse der Jugend geweckt zu haben. Dem kurzen Videoausschnitt über die jubelnden Menschen am Brandenburger Tor in der Nacht des 9. November 1989 folgen sie jedenfalls gespannt. Brigitte Pöschl erläutert, dass sie das Thema Einheit und DDR bislang noch nie in einer 7. Klasse behandelt hat.
Die Unterrichtsstunde mit dem Ausfüllen des Fragebogens sei auch für sie eine interessante Erfahrung gewesen.
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