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09. Juni 2008 19:00 Uhr

"Eine Reise durch die Hölle"

Ichenhausen (ilor) - 1937 ging Arnold Erlanger als junger Mann zum letzten Mal in die Ichenhauser Synagoge zum Beten. Wenig später ereilten ihn die Grausamkeiten der Nationalsozialisten. Buchenwald, Ommen, Westerbork und schließlich Auschwitz - in seinen Lebenserinnerungen spricht Erlanger von "meiner Reise durch die Hölle". Woher nahm er die Kraft, später zu Besuch nach Ichenhausen zu kommen, dort Erinnerungen zu suchen, Freundschaft zu schließen?

In schlichten Worten, die vielleicht gerade deshalb beeindruckten, zeichnete Gernot Römer das Bild eines Menschen, der Unmenschliches ertragen musste und es mit einer schier unglaublichen menschlichen Größe erwiderte. Noch heute stockt der Atem bei den Erniedrigungen, die Erlanger und mit ihm unzählige Juden erlitten haben. Und dennoch: Arnold Erlanger blieb trotz aller Demütigungen ein mutiger, aufrechter Mensch.

Als er sich im Arbeitslager Buna in Monowitz, einer Außenstelle des Vernichtungslagers Auschwitz, die rechte Hand brach und mit ihr nicht einmal mehr einen Löffel halten konnte, arbeitete er weiter. Erlanger wusste: Es ging um Leben oder Tod. In seiner Not- es war streng verboten - sprach er den Lagerarzt Josef Mengele an und versicherte, dass er bald wieder arbeiten könne. Eins der vielen Wunder in Erlangers Leben geschah: Der Lagerarzt sortierte den Verletzten nicht wie üblich für die Gaskammer aus. "Ich kann mir heute gar nicht mehr vorstellen, wie ich den Mut aufbrachte, Mengele anzusprechen", schreibt Erlanger in seiner von Gernot Römer herausgegebenen Lebenserinnerung.

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Aus KZ Flossenbürg befreit

Mut und eine unvorstellbare Kraft und Zähigkeit brauchte der gebürtige Ichenhauser noch oft in seinem Leben. Als 29-Jähriger erlebte er die Befreiung aus dem oberpfälzischen Konzentrationslager Flossenbürg und so nach und nach schien sich das Leben, von außen betrachtet, zu normalisieren.

In Holland geheiratet

Erlanger ging nach Holland und heiratete dort 1947 eine jüdische Witwe mit zwei Töchtern. Eine kleine Altmetallfirma wurde wirtschaftliche Basis für die Familie, die 1949 um ein weiteres Mädchen wuchs. Dennoch war das Leben Erlangers alles andere als heil: "Die Nächte in Holland waren furchtbar", sagte sein Freund und Biograf Gernot Römer in der ehemaligen Synagoge, "Nacht für Nacht erlebte er das Schreckliche nochmals".

Erlanger floh so weit wie möglich von Deutschland, ging mit seiner Familie nach Australien, baute sich in der Bekleidungsindustrie eine Existenz auf, übernahm Ämter in der jüdischen Gemeinde, pflegte das Familienleben. Er brachte es schließlich sogar fertig, über seine Leiden zu sprechen, antwortete Reportern, sprach im Rundfunk und, das war ihm ein besonderes Anliegen, vor Schulklassen.

Nachdem er 1948 nur kurz nach Ichenhausen gekommen war, vor allem um das Grab seiner Mutter zu besuchen, reiste Erlanger 1981 wieder nach Ichenhausen, freundete sich im folgenden Jahr mit dem Ichenhauser Moritz Schmid an und blieb fortan mit ihm in Kontakt.

1990, drei Jahre nach der Eröffnung der restaurierten Synagoge als Haus der Begegnung, besuchte er das ehemalige Gebetshaus. "Es ist ihm schwer gefallen, das Wiedersehen mit diesem Haus", sagte Gernot Römer. Mit seiner Frau Zet nahm Erlanger 1991 an der Eröffnung der Ausstellung "Juden auf dem Lande" teil, 1993 war das Ehepaar bei der Einweihung der Gedenktafeln für die Opfer des Holocaust zugegen.

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