Mittwoch, 31. August 2016

15. Februar 2016 10:16 Uhr

Interview

"Endlich wird diskutiert"

Wallfahrtsdirektor Wilhelm Imkamp spricht im Interview über den Zustand unserer Debattenkultur.

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Wallfahrtsdirektor Dr. Wilhelm Imkamp spricht im Interview über den Zustand der Debattenkultur in Deutschland. (Archivbild)
Foto: Fred Schöllhorn

Die Asyl- und Flüchtlingsdebatte wühlt die Menschen auf. Welche Rolle spielt in dieser überhitzten Diskussion noch besonnenes Argumentieren? Dieses Thema steht im Fokus unserer Quergedacht-Folge mit dem Maria Vesperbilder Wallfahrtsdirektor Dr. Wilhelm Imkamp.

Politiker, die sich zum Thema Flüchtlinge äußern, müssen damit rechnen, beschimpft/bedroht zu werden. Wie ist der Zustand unserer Debattenkultur?

Imkamp: Zuerst wurde eine "Willkommenskultur" inszeniert, kritische Fragen sollten nicht gestellt werden und wenn sie gestellt wurden, sahen sich die Fragesteller schnell in eine rechtsextreme Ecke gestellt. Erst nach den Kölner Vorfällen änderte sich etwas. Durch Berichte in Lokalteilen regionaler Zeitungen und durch Sendungen lokaler Fernsehsender, sowie in sozialen Medien wurde die Schweigespirale außer Betrieb gesetzt.

Gerade die Regionalzeitungen haben hier einen großartigen Beitrag geleistet. Regionale und lokale Medien sind unverzichtbar. Das zeigt auch die Augsburger Allgemeine mit den hochdifferenzierten und trotzdem sehr klaren Leitartikeln des Chefredakteurs und dem Abdruck vieler Leserbriefe zum Thema. Ich darf aber auch an unsägliche Politiker-Äußerungen erinnern, wie etwa den Vergleich zwischen den Vorfällen auf der Kölner Domplatte und dem Oktoberfest. Natürlich gibt es auch Querulanten und Provokateure. Aber die gibt es von ganz links bis ganz rechts. Es kann nicht sein, dass Pegida-Demonstranten eine breitere Berichterstattung bekommen, als "begrapschte" Frauen!

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Die Debattenkultur ist durch Ausgrenzung, Schweigespiralen und Diskussionsverbote gekennzeichnet. Öffentlich-rechtliche Fernsehanstalten (zumindest außerhalb Bayerns) erweisen sich als Staats-, bzw. Partei-Sender. Hier geschieht das gleiche, was die Bundesregierung vom moralischen Standpunkt aus in Polen und Ungarn so heftig beklagt. Deutschland soll moralische Großmacht sein, am deutschen Wesen soll die Welt wieder einmal genesen, wenigstens so lange es noch deutsches Wesen gibt.

Ist zu befürchten, dass die Diskussionskultur dauerhaft beschädigt wird?

Imkamp: Vielleicht im Gegenteil: Endlich wird diskutiert! Diskussionskultur kann sich im Rahmen einer alternativlosen "basta"-Politik aber nur schwer entwickeln. Wenn sich die Nöte der Kommunalpolitiker in einem Brief der Regierung eines Bundesstaates an die Bundesregierung niederschlagen und das als "Kasperltheater" abgetan wird, dann haben wir ein Problem. Nur dem Gewissen verantwortete Abgeordnete werden unter sublimen Druck gesetzt. Großjournalisten gerieren sich als moralinsaure Volkserzieher. Es gibt Versuche, Debatten unter dem Plumeau der political correctness zu ersticken. Das Plumeau ist nun ein bisschen gelüftet. Es beginnt eine Debatte, da kann man noch so viele Debattenpartner aus Talkshows ausladen, es lässt sich, derzeit jedenfalls, nicht mehr unter den Teppich kehren. Vertrauen in staatliches Handeln und in die Seriosität unserer Publikationsorgane muss wiederhergestellt werden. Schweigespiralen und soziale Stigmatisierungen müssen abgebaut werden. Erst dann ist eine angstfreie Diskussionskultur möglich.

Von den Kirchen ist in der gegenwärtigen Situation wenig zu hören. Was können Kirche und Glaube in dieser Krise für die Menschen leisten?

Imkamp: Au, das wird aber die Presseapparate von Bischofskonferenz und einigen Bischöfen betrüben, sind doch hohe Funktionsträger in ökumenischer Geschwisterlichkeit an den Begrüßungsshows der Willkommenskultur intensiv beteiligt. Der Erzbischof von München erklärt der CSU-Fraktion, wie großartig die Bundeskanzlerin ist und beim CDU-Jahresempfang in Köln erklärt der ortsansässige Erzbischof, etwas weniger differenziert, das Gleiche. Die Kirchen sind tragender Bestandteil der Willkommenskultur unserer "Basta-Republik". Und auch der materielle Einsatz ist enorm. Und das alles haben Sie nicht zur Kenntnis genommen? Vielleicht liegt das ja daran, dass Anpassung zur Konturlosigkeit führt.

Die Kirchen hätten allerdings hier eine ganz große Chance, ja sogar eine ganz große Pflicht. Früher schickten sie Missionare zu den "Heiden", heute kommen die "Heiden" zu uns, die Missionsaufgabe aber bleibt. Die Kirche hat die Pflicht zur Mission, zur Glaubensvermittlung. Und jeder Mensch hat ein Recht darauf, die frohe Botschaft kennenzulernen. Dazu gehört auch ein Schutz der Christen, die hier angekommen sind. Wenn der Präsident des Deutschen Caritasverbandes sich gegen eine bevorzugte Aufnahme von Christen wendet und kirchliche Funktionäre Schutzräume für christliche Asylanten ablehnen, der Erzbischof von Berlin aber genau ein solches Asylanten-Heim für Lesben und Schwule besucht, dann stellt sich für den bravsten Christen die Frage: Wieso zählt das Schutzbedürfnis eines verprügelten Schwulen mehr, als das eines verprügelten Christen? Weil die einen eine Lobby haben und die andern nicht?

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Peter Bauer

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