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07. Oktober 2009 05:51 Uhr

Gemeinsam an der eigenen Persönlichkeit arbeiten

Ursberg Keine Weichbodenmatte, keine Hanteln oder Gewichte, um die Muckis zu quälen: Im Trainingsraum des privaten Sonderpädagogischen Förderzentrums Ursberg stehen nur Bücher. In Raum 25 geht es nicht um Sport, sondern um Prävention. Auf den gut zwölf Quadratmetern der Schulbibliothek mit Blick auf eine grüne Wiese können sich Lehrer und Schüler unter vier Augen austauschen. Sie trainieren. Ihr Ziel: ein störungsfreier Unterricht.

Gemeinsam wird ein Plan erarbeitet, wie der Schüler in Zukunft ohne zu stören am Unterricht teilnehmen kann. Er muss zunächst auf einem bildhaften Protokoll festhalten, was er ausgefressen hat. Die Frage, gegen welche Regeln er konkret verstoßen hat, gipfelt in der Feststellung: "Ich will mein Verhalten ändern." Allerdings gibt es an dieser Stelle noch die Möglichkeit, das traurig dreinschauende Gesicht anzukreuzen. Doch das wird sich kaum ein Schüler trauen, schließlich sitzt er einem Pädagogen gegenüber, der sich nur um ihn kümmert. Mit der Präventions-Methode soll der Schüler sein Fehlverhalten einsehen und selbst überlegen, wie er sich bessern kann. Er entwickelt ein Gespür für Selbstverantwortung und eigenverantwortliches Handeln. Und: Kinder und Jugendliche lernen so, auch zu Hause und in der Freizeit soziale Probleme besser zu bewältigen.

Zeigt der Besuch keine Früchte, dann geht es erneut in den Trainingsraum. Nach drei Sitzungen erhalten die Eltern eine schriftliche Mitteilung, nach fünf werden Eltern und Schüler vor den Disziplinarausschuss geladen. Dort wird über Ordnungsmaßnahmen wie eine Versetzung in eine andere Klasse oder gar den Ausschluss vom Unterricht beraten. Doch so weit soll es gar nicht kommen, was die Erfahrung bestätigt: "Sobald die Schüler aus dem Klassenumfeld sind, sind sie zugänglich und einsichtig", sagt Schulleiter Dr. Wolfgang Schrader. Genau im Ortswechsel liegt die große Chance des Trainingsraums, der keine Strafaktion sein soll. Anders ist das freilich bei konventionellen Strafaufgaben, wenn beispielsweise monoton die Hausordnung abgeschrieben werden muss. "Dabei baut sich Frust und eine Blockadehaltung auf", sagt Michaela Klampfl. Weil die Schüler selbst überlegen und die Weichen für sich stellen müssen, sehen sie sich nicht als Opfer einer Sanktionsmaßnahme. "Der Schüler ist nicht der Abgestrafte, der Verlierer. Er erkennt die Chance, sein Fehlverhalten in etwas Positives umzuwandeln", sagt Klampfl. Beispielsweise geht es im Einzelgespräch darum, wie einem beleidigten Mitschüler etwas Gutes getan werden kann. Oder wie man sich am besten entschuldigt. Wer aufgebraust in den Trainingsraum stürmt, gehe ruhiger, gelassener und vielleicht auch zufriedener wieder hinaus, weiß die neue Sozialpädagogin, die zusammen mit Dr. Gundula Nath und Gabriele Tuchel den Trainingsraum betreut.

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Klampfl (43), die ein eigenes Büro in der Schule des Dominikus-Ringeisen-Werks bezogen hat, wirkt unter anderem an der Krisenintervention, Lehrerfortbildung oder Schüler-Projekten mit. Zum Beispiel steigt sie aktuell in der Oberstufe in die Sexualerziehung ein. Mädchen können sich ohne Scheu mit der Pädagogin unterhalten. Das ist auch im Trainingsraum wichtig: Die Schüler können Dampf ablassen und auch einmal über ihren Lehrer schimpfen, wenn es sein muss.

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