Kötz-Kleinkötz Zuerst ein etwa 30-minütiges, internes Fachgespräch mit den Vorstandsmitgliedern, dann im Eiltempo durch die blitzblank geputzten Produktionshallen der Firma AL-KO in Kleinkötz. Am hinteren Ende der Produktionsanlagen stoppten Bundesverkehrsminister Dr. Peter Ramsauer, CSU-Bundestagsabgeordneter Dr. Georg Nüßlein und Vorstandssprecher Roland Kober, um eine kurze Pressekonferenz abzuhalten. Von Georg Schalk


"Ich habe heute mit AL-KO ein Unternehmen kennengelernt, welches man in jeder Hinsicht als hervorragend, wegweisend und vorbildlich bezeichnen kann", sagte der Minister. "Mich freut es, wenn ein solches Unternehmen mit Optimismus in die Zukunft blickt."
Er, Ramsauer, komme selbst aus einem Familienbetrieb - eine Mühlenwirtschaft. Als gelernter Müllermeister und Betreiber der seit 1553 im Familienbesitz befindlichen Talmühle in Traunwalchen kenne er die Sorgen und Nöte des Mittelstandes. Deshalb fühle er sich bei AL-KO wie zu Hause. "Daheim in der Talmühle hängt immer noch mein Blaumann. Da sind manche überrascht, wenn ich den anziehe und sie mich sehen", so der Minister.
Beim Kurzbesuch beim weltweit tägigen Unternehmen standen branchen- und AL-KO-spezifische Themen auf der Tagesordnung. Dabei zeigte sich Ramsauer offen für die Anliegen der Caravan- und Reisemobilbranche. Bei der Liberalisierung des EU-Führerscheinrechts in Bezug auf das Fahrzeuggespann-Gewicht will er die Bestimmungen für die Erlaubnis zum Fahren mit Anhänger praktikabel und praxisnah umsetzen und so insbesondere jüngeren Menschen den Einstieg in die Caravaning-Welt erleichtern. "Wir wollen Interessenten an Caravan-Gespannen nicht verschrecken, sondern gewinnen. Ich will Mobilität ermöglichen und nicht durch bürokratische Prüfungserfordernisse verhindern", betonte der CSU-Politiker vor zahlreichen Medienvertretern der Tages- und Fachpresse.
Er setzt darauf, den Menschen einerseits größtmögliche individuelle Freiheit zu gewähren und sie andererseits gleichzeitig zu interessieren für mehr Sicherheit, mehr Training und dadurch auch mehr Fähigkeit, ein solches Fahrzeug zu bewegen. Die Politik stehe hier in einem Abwägungsprozess zwischen den notwendigen Sicherheitserfordernissen und den mit Ängsten verbundenen Hürden einer zusätzlichen Schulung mit Prüfungserfordernissen. Beides solle vernünftig miteinander verbunden werden, Gespräche hierzu seien bereits am Laufen. "Wir sind hier auf einem recht pragmatischen Weg", so Ramsauer. Neben der EU-Führerscheinregelung standen beim internen Branchengespräch mit den AL-KO-Vorständen Themen rund um die Verkehrssicherheit und Elektromobilität sowie neueste Innovationen auf dem Programm. Hier zeige sich erneut, was er in vielen Familienunternehmen, gerade in Bayern, immer wieder sehe: Der Mittelstand sei global vernetzt - im Falle von AL-KO mit weltweit 50 Standorten, in zukunftsorientierter Technologie. "Ich habe einige Aufgaben und Denkanstöße mitgenommen, die wir weiter verfolgen werden, gerade auch im Hinblick auf Sicherheitsfragen, Bremsentechnik sowie das Verhältnis zwischen Führerscheinbefähigung und Gespann-Gesamtgewicht. Besuche dieser Art dienen auch der eigenen Wissensauffrischung."
Probleme gibt es immer wieder mit der Bahn
So erfuhr der Minister beim Rundgang von Vorstand Harald Kober, dass AL-KO Probleme mit der Bahnanlieferung habe. Das Unternehmen habe einen Umschlag von dreimal pro Woche, die Bahn liefere Rohstoffe in der Regel aber nur zweimal. "Und das nur, wenn ein Lokführer Zeit hat", so Harald Kober. Somit müsse viel über Lkw abgewickelt werden. AL-KO verarbeitet nach eigenen Angaben 14 000 Tonnen Stahl pro Jahr.
Nüßlein: "Für uns ist es wichtig zu sehen, wie kleine politische Entscheidungen, wie beispielsweise im Bereich des Führerscheinrechts, sich auswirken auf mittelständische Unternehmen - wie hier bei AL-KO. Deshalb ist uns immer daran gelegen, die Rahmenbedingungen so zu setzen, dass ein Unternehmen sich auch so entwickeln kann, wie es erfreulicherweise AL-KO als größter gewerblicher Arbeitgeber im Landkreis Günzburg seit vielen Jahrzehnten vormacht."
AL-KO-Vorstandssprecher Roland Kober dankte dem Minister und dem Abgeordneten für ihren Besuch. "Wir fühlen uns sehr geehrt", betonte er. Anschließend informierte er kurz über die wirtschaftliche Situation des Konzerns. Als großer Lieferant der Caravan- und Reisemobil-Branche sei auch AL-KO im vergangenen Jahr von der Krise nicht ganz unberührt gewesen. "Aber wir sind 2009 ganz gut über die Runden gekommen, weil wir frühzeitig Maßnahmen eingeleitet haben. Als Familienunternehmen sind wir langfristig orientiert. Und die gute Eigenkapitalquote sorgt für finanzielle Stabilität."
Für 2010 zeigte sich Roland Kober optimistisch, auch wenn derzeit keine weitreichenden Prognosen möglich seien: "Das Jahr hat für uns gut begonnen, wir sind seit Jahresbeginn gut ausgelastet - in Kleinkötz wie auch in der AMC-Chassis-Fertigung in Ettenbeuren." Hinzu kämen neue Produkte: "Auch hier erwarten wir uns heuer noch Einiges", sagte Roland Kober.
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