Sonntag, 22. Oktober 2017

28. Juli 2017 05:30 Uhr

Krumbach

Jugendliche „fit“ machen für die Demokratie

In Krumbach können Jugendliche unter 18 Jahren vor der Bundestagswahl zur Probe abstimmen. Im Kreis beteiligen sich weitere Schulen an dem Projekt.

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Die Jugend „fit“ machen für die Demokratie: Am 15. September können Jugendliche unter 18 Jahren in Krumbach zur Probe abstimmen. Initiatoren der Aktion in Krumbach sind Quartiersmanagerin und Jugendpflegerin Birgit Baumann und Maximilien Behrends, Jugendreferent des Stadtrats.
Foto: Peter Bauer

Interesse an „Politik“? Auch bei Ihr habe sich das erst allmählich entwickelt, denkt Birgit Baumann zurück. Aber als es dann um die Gestaltung eines Jugendzentrums ging, habe sie sehr schnell gespürt, wie wichtig „Politik“ sei. Im Jugendzentrum (Juze) war sie immer gerne – und dann war sie jahrelang im Vorstand des Juze-Vereins. Unvermittelt ging es um mehr als um Freizeit, Partys und Ähnliches. Ein neues Jugendzentrum? Wenn das zum Thema wird, braucht man „die Politik“. Und dann wird auch sichtbar, wie das konkret aussieht, was oft abstrakt als „demokratischer Entscheidungsprozess“ umschrieben wird. Die 28-jährige Birgit Baumann ist heute Quartiersmanagerin und Jugendpflegerin der Stadt Krumbach. Bei dieser Tätigkeit gibt es viele Schnittstellen zur Kommunalpolitik. Im Krumbacher Jugendzentrum ist Birgit Baumann nach wie vor oft, doch in einer ganz anderen Rolle als früher. Jugendliche mit den demokratischen Spielregeln vertraut zu machen, sie gewissermaßen auch „fit“ zu machen für die Demokratie – das sieht sie als eine ihrer wesentlichen Aufgaben. Zusammen mit Maximilian Behrends, Stadtrat und Krumbacher Jugendreferent, hat sie jetzt das Projekt U-18-Wahl auf den Weg gebracht.

Am Freitag, 15. September können Jugendliche unter 18 Jahren zwischen 8 und 15 Uhr gewissermaßen zur Probe wählen. Wenige Tage später findet dann ja bekanntlich die „richtige“ Bundestagswahl statt. Behrends geht davon aus, dass sich an dem Projekt in Krumbach rund 500 Schüler beteiligen. Es sind drei Klassen des Simpert-Kraemer-Gymnasiums, sechs Klassen der Mittelschule, vier Klassen der Realschule und vier Klassen der Fachakademie für Sozialpädagogik. Die Schüler werden am Tag der Probewahl mit Bussen zum Jugendzentrum gebracht. Auch die Berufsschule in Krumbach ist dabei, wählt aber an diesem 15. September in eigenen Räumen.

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Das Projekt U-18-Wahl gibt es seit 1996, damals fand die Premiere in Berlin statt. Im Vorfeld der Bundestagswahl wird es bundesweit wohl rund 900 Orte geben, an denen Jugendliche zur Probe wählen können. Neben Krumbach soll es nach Auskunft von Birgit Baumann und Maximilian Behrends auch in Leipheim (Mittelschule) eine entsprechende Aktion geben. Am Projekt beteiligen sich im Landkreis ferner die Mittelschule Burgau, die Maria-Theresia-Mittelschule Günzburg, die Grund- und Mittelschule des Günzburger Ortsteils Wasserburg und die Mittelschule Leipheim.

Träger des Projekts U-18-Wahl sind unter anderem der Bundesjugendring und das Deutsche Kinderhilfswerk. Gefördert wird die Aktion vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und der Bundeszentrale für politische Bildung. Auf der Internetseite des Projekts, aber auch beispielsweise bei der Bundeszentrale für politische Bildung gibt es jede Menge Infos rund um das Thema Bundestagswahl. In den teilnehmenden Klassen wird das Thema verstärkt im Vordergrund stehen.

Der 31-jährige Maximilian Behrends unterrichtet seit 2011 an der Mittelschule Krumbach. Dabei spürt er, wie die rasante Veränderung der Medienwelt auch die politische Wahrnehmung von Jugendlichen verändert hat. Die viel zitierte „politische Bildung“ hat sich inzwischen darauf eingestellt, mit Videos, mit „einfacher Sprache“ mit eigener Präsenz in sozialen Medien und und und. Bei Behrends gibt es im Unterricht jeden Morgen die „Tagesschau in 100 Sekunden“ zu sehen. Die Schüler schreiben sich dann drei Nachrichten auf, die für sie wichtig sind, danach wird diskutiert. Politische Bildung im althergebrachten „Paukerstil“, das ist heute chancenlos. Birgit Baumann spürt, dass es schwieriger geworden ist, Jugendliche dazu zu bringen, sich zu engagieren. Warum lässt das Interesse der Jugendlichen an Politik nach? Behrends ist sich sicher, dass nicht nur Entwicklungen der Medienlandschaft dafür verantwortlich sind. Er verweist darauf, dass von den 61,6 Millionen Wahlberechtigten 56,1 Prozent über 50 Jahre alt sind. Nur 15,4 Prozent sind unter 30 Jahre alt, lediglich 4,8 Prozent sind Erstwähler. Angesichts dieser Zahlenverhältnisse würden Jugendthemen in der Politik nur eine untergeordnete Rolle spielen.

Die Jugendlichen würden dies spüren, sie würden sich offensichtlich von der Politik vernachlässigt fühlen. Aber es sei keine Lösung, den Kopf in den Sand zu stecken. Auch in diesem Sinn möchten Birgit Baumann und Maximilian Behrends mit ihrer Aktion U-18-Wahl ein Zeichen setzen.

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Ein Artikel von
Peter Bauer

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Ressort: Lokalnachrichten Krumbach

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