Sonntag, 24. September 2017

08. Juli 2017 09:01 Uhr

Ziemetshausen

Kleine Paradiese in einem Ziemetshauser Garten

Gärtnern ist wieder in. Auf dem Land haben junge Familien aber keine Lust auf die Laube im Schrebergarten. Hier liefert die Oma das Gemüse oder es wächst zuhause im Garten. Von Petra Nelhübel

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Valentina juchzt, als Mama Katharina Lehle das Gartentürchen für den Besucher öffnet. „Die Zuckererbsen sind ja schon reif“, freut sich die Vierjährige. Ein Griff nach der Schote und – haps – ist sie auch schon im Mund verschwunden. Mitsamt der Schale. Schnell noch eine gepflückt für die zweijährige Mathilda, die es auf der Stelle der großen Schwester gleich tut. Nicht schlecht, wenn man vor Augen hat, wie viele Kinder dieses Grünzeug nur als Dosengemüse kennen, welches man beim Mittagessen mit spitzer Gabel an den Tellerrand bugsiert.

Valentina ist so etwas völlig fremd. Schließlich hat sie selbst der Mama mitgeholfen, all die kleinen Setzlinge und Samenkörner in die Erde zu bringen, die jetzt so groß und bilderbuchschön diesen verwunschenen Bauerngarten schmücken. Eine geheime Ordnung scheint hier zu herrschen, die bei aller wuchernden Üppigkeit das Wachsen und Sprießen zu einer harmonischen Komposition vereint. Hier drei Reihen Rote Bete mit den tiefviolett geränderten Blättern, dort ein Büschel krauser Petersilie neben kugelrunden, rot-weißen Radieschen und gleich dahinter die Bohnen, die so sonnenhungrig himmelwärts streben. Fußballgroße Salatköpfe neben einer Menagerie von Blechgießkannen, das fedrige Grün der Karotten und gleich dahinter spitzeln noch ein paar tiefrote Erdbeeren unter ihrem Blätterdach hervor.

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Bewacht wird das Gemüseparadies von fünf wichtig daherwatschelnden Laufenten, die die ganze Pracht schneckenfrei halten, sodass Katharina Lehle nicht zur Giftspritze greifen muss. Allerfeinstes Biogemüse also. In irgendeiner deutschen Großstadt würde Katharina Lehle mit ihren 33 Jahren zu den absoluten Trendsettern gehören. Schaut man nämlich nach Stuttgart, Hamburg, Berlin oder Bochum erobern allüberall junge Familien, studentisches Jungvolk und was sich so zur angesagten Szene zählt, die städtischen Schrebergärten. „Wildkraut“ oder „Kraut und Rüben“ nennen sich die häufig neu entstandenen Areale. Oft ist der Name Programm. Chemischer Pflanzenschutz ist verpönt. Genauso wie allzu exzessives Unkraut jäten oder Panikanfälle angesichts von Blattläusen.

Naturnahes Gärtnern und biologisch einwandfreies Obst und Gemüse ist das Ziel. Platz zum Feiern und Entspannen (neudeutsch: „Chillen“) inklusive. Eigentlich genau das, was auch die Schrebergärten, Krautgärten und Kleingartenvereine bei uns auf dem Land anbieten. Da sind aber richtig junge Leute Fehlanzeige. In Ziemetshausens Krautgärten ist die jüngste Gärtnerin Mitte 40 und auch in Thannhausen weiß Kleingärtnerin Ingeborg Sailer nur von einer jungen Familie, die noch Schulkinder hat, in der großen Anlage.

Ist der Trend also auf dem Land einfach noch nicht angekommen? Barbara Schalk vom Ziemetshauser Obst und Gartenbauverein hat eine Erklärung: „ Hier auf dem Land ist es ja oft noch so, dass die Omas die jungen Familien mit selbst gezogenem Obst und Gemüse mitversorgen.“ Sie könnte sich auch vorstellen, dass die zahlreichen Bestimmungen, Verpflichtungen und Verordnungen, wie sie im Bundeskleingartengesetz stehen, die jungen Leute abschrecken. Dort ist die Höhe der Hecke genauso geregelt, wie die maximale Gartenhäuschengröße oder die Mindestanbaufläche von Gemüse und Zierpflanzen. „Lieber Himmel, wir waren doch auch mal jung und haben nicht alles so akkurat gemacht. Vielleicht müsste Manches einfach lockerer gehandhabt werden“, zeigt Barbara Schalk Verständnis für die jungen Individualisten.

Individualismus ist schön und gut, findet auch Ingeborg Sailer vom Thannhauser Kleingartenverein. Aber nicht, wenn darunter das Erscheinungsbild der gesamten Anlage leidet. Dabei ist das Areal des Thannhauser Kleingartenvereins zumindest optisch ein Traum von heiler Welt und Postkartenidyll. Die Sonne malt Muster auf die baum- und heckenbeschatteten Kieswege. Auf liebevoll bemalten Holzschildchen steht „Blumengasse“ oder „Ahornallee“.

Die Vögel zwitschern und aus der Ferne hört man das regelmäßige plopp-plopp der angrenzenden Tennisanlage. Und dann die Häuschen: rot, grün und blau, mit bunten Fensterläden und Holzveranden. Ein Schaukelstuhl lädt irgendwo zum Sitzen. Ein Teich mit einem winzigen Brücklein. Üppig wuchernde Tomatenstauden spitzeln durch geöffnete Treibhausfenster. Bohnen an langen Stangen, Löwenmäulchen in allen Farben, Kletterrosen ranken und überall schieben kleine Gartenzwerge ihre Schubkarren durch das Grün. Sogar die Menschen, die in den vielen heckenbegrenzten Parzellen säen, umtopfen, schneiden und gießen, sehen in ihrer Geschäftigkeit ein bisschen so aus, wie vergrößerte Abbilder ihrer kleinen Plastikkameraden. Dass diese schier überbordende Putzigkeit eine Menge Arbeit macht, ist für den ahnungslosen Flaneur fast nicht zu glauben. Alles scheint wie ein Kinderspiel. Und genau da liegt der Haken. „Viele Leute“, weiß Ingeborg Sailer, „pachten so einen Garten und merken nach einiger Zeit, dass ihnen die Arbeit zuviel wird. Und dann geben sie wieder auf. Sie wissen nichts über ihre Verpflichtungen. Dabei bräuchten sie nur einmal die Satzung lesen.“

Und auch ein bisschen Gemeinschaftssinn mitbringen. Den vermisst Ingeborg Sailer bei einigen Familien, die auf ihrem Grund hauptsächlich Gemüse anbauen: „Vor einigen Wochen hatten wir ein Grillfest in unserem Vereinsheim. Alle haben eine persönliche Einladung erhalten. Aber dann sitzen genau zu der Zeit, einige in ihrer eigenen Parzelle und grillen alleine für sich. Das finde ich sehr schade. Wie soll man sich da kennenlernen?“

Diese Probleme kennen Valentina, Mathilda und ihre Mutter Katharina natürlich nicht. Sie genießen ihren Garten ganz ohne Vorschriften und Satzung. „Aber ich könnte mir schon vorstellen“, sagt Katharina Lehle, „wenn wir keinen Garten beim Haus hätten, würde ich vielleicht auch einen Schrebergarten bewirtschaften. Mir macht das alles einfach Spaß.“

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