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16. Dezember 2009 05:19 Uhr

Mord: Ermittlungen in Ulm gegen John Demjanjuk

Ulm Die Staatsanwaltschaft Ulm ermittelt wegen Mordes gegen John Demjanjuk. Der mutmaßliche NS-Kriegsverbrecher, dem gerade in München der Prozess gemacht wird, soll 1947 im Raum Ulm einen jüdischen Aktivisten mit einem Lastwagen absichtlich umgefahren und dabei getötet haben. Ausgelöst wurden die Ermittlungen durch Recherchen eines Ulmers, der mit seinen Erkenntnissen zur Polizei gegangen war und Anzeige erstattet hatte. "Wir sind erst vor wenigen Wochen auf diesen Vorgang hingewiesen worden", sagte Leitender Oberstaatsanwalt Dr. Wolfgang Zieher.

Die Behörde hat sich inzwischen an die Zentrale Stelle zur Aufklärung von NS-Verbrechen in Ludwigsburg gewandt, um Informationen über den mehr als 60 Jahre zurückliegenden Fall zu bekommen. Zieher geht jedoch davon aus, dass die Ermittlungen äußerst kompliziert werden. Und selbst wenn feststeht, dass im August 1947 in Ulm ein Mann durch einen Lastwagen getötet wurde, werde es sehr schwierig, einen Vorsatz nachzuweisen. In eine Anklage können die Ermittlungen zudem nur münden, wenn die Staatsanwaltschaft sicher ist, dass es damals kein Unfall war, sondern Mord. Alles andere wäre verjährt, auch Totschlag.

Einen Prozess gegen Demjanjuk in Ulm wird es laut Zieher keinesfalls geben. Sollten die Ermittlungen greifbare Ergebnisse bringen, werde das Verfahren an die Staatsanwaltschaft in München abgegeben.

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Peter Stöferle, früherer Redakteur unserer Zeitung, hat sich ausführlich mit John Demjanjuk und seiner Zeit in Deutschland befasst. Er kommt zu der Erkenntnis: Dass der mutmaßliche Kriegsverbrecher in Ulm war, steht zweifelsfrei fest. Keine hinreichenden Belege fand Stöferle jedoch dafür, dass Demjanjuk an dem Tod eines jüdischen Aktivisten in Ulm beteiligt gewesen sein könnte. Weder in den Akten der Polizei noch in anderen Archiven fand der Journalist Hinweise auf einen möglicherweise fingierten tödlichen Lastwagenunfall im August 1947. Demjanjuk sei zudem nachweislich erst am 12. September 1949 in Ulm gemeldet gewesen.

Es gibt allerdings die Aussage des Sohns des Opfers, der 1947 zwei Ukrainer im Führerhaus des Unfalllastwagens in Ulm gesehen haben will. Einer davon soll Demjanjuk gewesen sein. Der war damals als Fahrer für die US-Armee in Bayern tätig.

Im September 1949 nach Ulm gekommen

Demjanjuk war im Mai 1945 in Landshut in ein Lager für "Displaced Persons" (zu Deutsch etwa: entwurzelte Menschen) gekommen. Nach mehreren Stationen in Bayern kommt er am 14. September 1949 nach Ulm. Dort hält er sich in der Sedan- und in der Wilhelmsburgkaserne auf. Am 7. April 1950 wird seine Tochter Lydia geboren. Wohnsitz laut Geburtsurkunde: "Ulm, Block G in der Sedankaserne". Weitere Unterlagen existieren im Stadtarchiv Ulm nicht.

Nach einem zwischenzeitlichen Aufenthalt in Ellwangen will Demjanjuk im Oktober 1950 auswandern, kehrt aber nach Ulm zurück, wo er der Hindenburgkaserne zugewiesen wird. Am 29. Januar 1952 schifft er sich schließlich in Bremerhaven ein und setzt sich in die USA ab. Dort ändert er seinen Vornamen von Iwan in John und taucht für Jahrzehnte ab.

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