Psychisch Kranker klopfte spätabends mit Sense gegen Wohnzimmerfenster. Jahrelang versetzte er sein Dorf im Landkreis Augsburg in Angst Von Florian Eisele

Landkreis Augsburg Einen Schrecken, der ihnen in die Glieder fuhr, erlitt im vergangenen Sommer ein Ehepaar aus dem westlichen Landkreis Augsburg. Gegen 23 Uhr klingelte es zuerst an der Haustür. Dort traf das Rentnerpaar niemanden an. Ein metallisches Klopfen an der Scheibe zeigte den beiden dann allerdings, wer für die nächtliche Störung verantwortlich war: In ihrem Garten stand ihr Nachbar, in seinen Händen hielt der Mann eine Sense. „Ich bin der Sensenmann! Ich mähe alles nieder!“, rief er den zu Tode erschrockenen Eheleuten zu.
„Dabei hat er das Gesicht gegen die Scheibe gedrückt, wie eine Fratze“, sagte der 65-jährige Bewohner des Hauses am Dienstag vor dem Amtsgericht Augsburg aus. Zusammen mit seiner Frau versteckte er sich daraufhin und rief die Polizei. Die Beamten fanden den 38-Jährigen in dem Haus, in dem er mit seiner Mutter wohnt. Dort hatte sich der stark Betrunkene in einem Zimmer eingesperrt. Nachdem die Polizisten die Tür eingetreten hatten, wehrte sich der Mann mit Händen und Füßen gegen die Festnahme.
Für die Polizisten der Inspektion Zusmarshausen war der Mann schon ein alter Bekannter. Immer wieder fiel der zur Tatzeit stets Betrunkene mit Beleidigungen und Sachbeschädigungen auf. „Es ist schon vorgekommen, dass wir ihn ins Polizeiauto tragen mussten, weil er so betrunken war“, sagte einer der vier als Zeugen geladenen Ordnungshüter.
Aber auch für seine Nachbarn war der Mann alles andere als unbekannt. Immer wieder sei er durch Beleidigungen, Geschrei und Beschädigungen aufgefallen, sagten sie aus. „Zuletzt ist das Ganze aber gefährlicher geworden. Früher hat er sich nicht getraut, auf unser Grundstück zu gehen“, berichtete der Rentner, dem der Mann mit der Sense erschienen war.
So wurde dasselbe Ehepaar kurz nach Weihnachten gegen fünf Uhr von dem Mann geweckt, der sich Zutritt zu ihrer Garage verschafft hatte. Auch dabei bezeichnete er sich als Sensenmann. Bei einer anderen Gelegenheit ging er mit einer langen Holzlatte auf einen Mann zu.
Nahezu alle Vorwürfe räumte der Angeklagte ein. Er betonte aber, niemanden verletzen zu wollen. Mit den meisten seiner Opfer verstehe er sich nüchtern sogar gut. Seine Taten könne er sich oft selbst nicht erklären. Nach einer gegen ihn ausgesprochenen Bewährungsstrafe sei es ihm jedoch gelungen, seinen Alkoholkonsum zu reduzieren.
Eine Erklärung für seine Taten lieferte Gutachter Ralph Schulte, Facharzt für forensische Psychiatrie. Eine bereits im Alter von 17 Jahren diagnostizierte paranoide Schizophrenie sei dank der Medikamente zwar nie vollends ausgebrochen, begünstige aber die Kontrollverluste des Mannes. Schulte empfahl eine Entziehungskur.
Diesem Ratschlag folgte der Strafrichter Thomas Kessler. Er verurteilte den Mann zu einem Jahr und neun Monaten ohne Bewährung. Sechs bis zwölf Monate davon muss der Mann in einer Entziehungsanstalt verbringen.
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