Sonntag, 21. Dezember 2014

10. November 2010 20:05 Uhr

St. Martin: Erst zahlen, dann singen

Landkreis Laterne, Laterne, Sonne, Mond und Sterne - den Text des bekannten Martinlieds können wohl die Meisten mitsingen. Aber dass das auch ziemlich teuer werden kann, wissen wohl die Wenigsten. Die Kindergärten im Landkreis müssen seit Jahresbeginn Gebühren an die GEMA bezahlen, wenn sie Liedtexte oder Noten kopieren. In manchen Einrichtungen sind mehrere Hundert Euro pro Jahr fällig. Da wird ein einfaches Liedblatt beim St.-Martins-Umzug zu einem kleinen Luxusartikel.

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Richtig verärgert ist deshalb Elisabeth Mair, die Leiterin des Städtischen Kindergartens "Sonnenschein" im Ichenhauser Ortsteil Autenried. "Ich sehe keinen Sinn dahinter", sagt sie offen. Alle drei Monate müsse sie melden, wie viele Blätter sie von einem Lied kopiert hat. "Das ist lästig. Alles wird mittlerweile kontrolliert." Außerdem müsse sich der Kindergarten einschränken. "Früher haben wir den Eltern eine Mappe mit Liedtexten mitgegeben", sagt Elisabeth Mair. Damit ist nun Schluss - das würde die Zahl der erlaubten Kopien deutlich übersteigen.

Ähnlich geht es den beiden städtischen Kindergärten in Burgau. Auch sie dürfen nur eine bestimmte Anzahl an Kopien anfertigen - und das ist richtig teuer, wie die Zahlen aus der Stadtverwaltung belegen. Anfang des Jahres hat die Stadt einen Vertrag mit der GEMA abgeschlossen.

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Wie Hauptamtsleiterin Rita Reichel auf Nachfrage mitteilt, darf der Kindergarten "Purzelbaum" in Unterknörigen 1000 Kopien von Liedern machen - das kostet die Stadt jährlich 112 Euro. Der Städtische Kindergarten in Burgau darf 5000 Kopien machen, dafür sind jährlich 555 Euro fällig. "Diese Zahlen sind so bemessen, dass es auch ausreicht und die Kindergärten damit arbeiten können", sagt Reichel.

Der Katholische Kindergarten St. Katharina in Ellzee hat ebenfalls einen Pauschal-Vertrag mit der GEMA geschlossen. Für 56 Euro dürfen jährlich 500 Kopien gemacht werden. 27 Kinder werden nach Angaben von Leiterin Gabi Abt in der Einrichtung betreut. "Dafür reichen die Kopien aus." Bei Gottesdiensten, St. Martins-Umzügen, aber auch zu bestimmten Anlässen wie Fasching, werden für die Kinder Liedermappen zusammengestellt.

Grundsätzlich zeigt Gabi Abt Verständnis: "Ich verstehe das, es geht ja schließlich um das Urheberrecht." Aber der bürokratische Aufwand sei zu hoch. Im Voraus muss Gabi Abt melden, welche Lieder sie wahrscheinlich kopieren wird. Das sei organisatorisch schwierig und kostet viel Zeit. "Das ist ein Aufwand, der nicht sein müsste. Diese Zeit könnten wir im Kindergarten sinnvoller nutzen."

Die GEMA handelt als Inkassounternehmen für die Verwertungsgesellschaft (VG) Musikedition. Diese vertritt Verlage, die Liedbücher veröffentlichen. In einer Mitteilung der GEMA auf ihrer Internetseite heißt es, dass traditionelles Liedgut wie "St. Martins- oder auch Weihnachtslieder" in der Regel nicht mehr urheberrechtlich geschützt sind.

Das Urheberrecht erlischt 70 Jahre nach Tod des Verfassers. Allerdings, sagt Sprecherin Gaby Schilcher auf Nachfrage gibt es auch viele neue Stücke, die gesungen werden, oder ältere Lieder werden umgestaltet - dann fallen sie unter den Urheberrechtsschutz.

Für Schulen zahlt das Kultusministerium zentral

"Natürlich ist die Arbeit mit Musik in den Kindergärten wichtig", betont sie. Doch so ganz kann sie die Aufregung nicht verstehen. "Es ist wichtig, dass die Urheber für ihre Arbeit bezahlt werden", stellt sie klar. Für sie liegt das Problem in einem ganz anderen Punkt: Bei Schulen zum Beispiel werde ein Pauschalbetrag an die GEMA zentral für alle Einrichtungen vom Kultusministerium bezahlt. Bei den Kindergärten, so die Sprecherin weiter, seien sich die Träger nicht einig geworden, deshalb sei nun jede Einrichtung selbst verantwortlich.

Übrigens kostet nur das Fotokopieren etwas - wer den Liedtext und die Noten eigenhändig abschreibt oder abmalt, zahlt nichts.

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