Auf einem Tisch am Eingang liegen die Mittelschwäbischen Nachrichten aus. Und die "Bizim Gazete", was übersetzt "Unsere Zeitung" heißt. In dem türkischen Blatt wird über das Kandidatengerangel um den bayerischen Ministerpräsidenten berichtet. Rasit Araz setzt sich, um einen Augenblick zu verschnaufen: Für die vielen Helfer bleibt nur noch wenig Zeit bis zur Eröffnung der neuen Moschee im Industriegebiet. Am Samstag soll das Gotteshaus der Islamischen Gemeinde mit viel Prominenz gefeiert werden. Von Maximilian Czysz



Damit wird ein Strich unter die turbulenten Jahre gezogen, als sich Widerstand gegen die Pläne einer Moschee mit Minarett regte. Eine Bürgerinitiative gründete sich, am Ende ließ der Islamische Verein von dem Vorhaben ab. Mit dem ehemaligen Fitnessstudio im Gewerbegebiet fanden die Muslime schließlich eine Bleibe: Das Gebäude mit seinen rund 1400 Quadratmetern Fläche wurde zwangsversteigert. Für 268 000 Euro erhielt der Verein mit seinen derzeit rund 190 Mitgliedern den Zuschlag. Fast noch mal so viel Geld musste für die Renovierung aufgebracht werden. Seit Februar 2007 werkeln die Mitglieder.
Der Gebetsraum ist das Prunkstück der Moschee
Tausende freiwillige Arbeitsstunden stecken in dem Gebäude. Der große Gebetsraum im oberen Geschoss ist zu einem Prunkstück geworden. Aus der Türkei wurden eigens über eine Tonne aufwendig gestalteter Kutahya-Fliesen importiert. Der Kronleuchter - der obere Ring hat einen Durchmesser von drei Metern - ist eine Maßanfertigung und wurde von einem Mitglied gespendet. Letzteres gilt auch für die kleine Kuppel, die sich wie ein Himmel über den großen Raum spannt. Dazu gehören die Gebetsnische, die Empore, das Podest sowie die Stelle, an der der Muezzin die Gläubigen zum Gebet ruft.
Dort, wo früher Sportler dem Squashball nachjagten, knien jetzt die Männer nieder und beten. Und das bereits seit einem halben Jahr.
Die Frauen haben auf der verglasten Empore darüber die Gelegenheit zum Gebet. Am Tag vor der Eröffnung bringen sie die Moschee auf Hochglanz - mit und ohne Kopftuch. Das ist kein Problem. Nazim Göze, Vorstandsmitglied des Vereins, stellt klar: Vor Gott sind alle gleich, da spielt die Kopfbedeckung keine Rolle. Und: "Unsere Frauen sind voll ins Geschehen eingebunden. Sie planen alles mit. Ohne sie würden wir untergehen." Ähnlich offen geht Göze mit Besuchern um: "Jeder darf kommen. Das ist ein Haus Gottes. Es gehört jedem."
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