Erlangen/Thannhausen Ganz ruhig, fast schon arrogant steht TSG-Torhüter Sebastian Steidle zwischen den Pfosten seines Tores. Tief blickt er seinem Kontrahenten Jan-Peter Grunz in die Augen - versucht ihn zu verunsichern. Es ist der zwölfte Siebenmeter des Finales der Bayerischen Meisterschaft im Hallenfußball. Bisher haben alle Schützen getroffen, auch Steidle selbst. Die Ausgangslage ist leicht. Verschießt der Würzburger Keeper, ist Thannhausen Meister. Trifft er, geht es in eine neue Runde. Von Patrick Gilg


Grunz läuft an, versucht Steidle in die falsche Ecke zu locken - ohne Erfolg. Steidle pariert, die TSG ist Bayerischer Hallenmeister. Alles, was jetzt kommt, ist nur noch grenzenloser Jubel. Bei Steidle, bei seinen Teamkameraden, bei Coach Uwe Neunsinger, den Funktionären und natürlich bei den knapp 60 mitgereisten Fans. Alle, die in der Halle rot-schwarz gekleidet sind, liegen sich in den Armen. Es ist der finale Schlusspunkt einer außergewöhnlichen Hallensaison der TSG. Denn nach dem Gewinn der Schwäbischen Meisterschaft Anfang Januar darf sich die TSG nun die beste Hallenmannschaft Bayerns nennen. Wer das Turnier gesehen hat, kommt nicht umhin zu sagen: zu Recht.
Denn im Gegensatz zu dem Turnier in Augsburg, trat der Bayernligist in Erlangen von der ersten Partie an sehr konzentriert und souverän auf: "Wir haben heute verdient gewonnen, weil wir kein Spiel glücklich für uns entschieden haben", urteilte TSG-Coach Uwe Neunsinger nach dem Finale. "Wir standen taktisch viel disziplinierter, als noch bei der Schwäbischen. Das war das Mittel zum Erfolg."
Dabei fing das Turnier für die TSG alles andere als optimal an. Bereits nach zwei Minuten musste Steidle das erste Mal hinter sich greifen. Man befürchtete Schlimmes. Doch für die Mannen um Kapitän Marian Dischl war dieser Gegentreffer wohl eher ein Weckruf. Durch Tore von Stefan Selig (4.), Volkan Cantürk (8.) und Nikolas Berchthold drehten sie das Spiel gegen den Bezirksligisten Detag Weiden. Und es sollte so weiter gehen.
Gegen den Bayernligisten FSV Erlangen-Bruck gab es für die TSG wieder ein 3:1 (Tore: Selig, Winzig, Balogh). Das Halbfinale war so gut wie sicher. Ein Punkt gegen den Bezirksligisten ETSV Landshut würde zum Gruppensieg reichen. So sollte es dann auch kommen. Ein Tor von Ralf Zimmermann reichte Thannhausen zum 1:1-Unentschieden. Platz eins in der Gruppe war sicher.
Marian Dischl erlöst TSG-Fans
"Ich bin jetzt schon zufrieden", sagte Alexander Graf von Schönborn, Ehrenpräsident der TSG, vor dem Halbfinale. "Jetzt wartet mit Unterföhring allerdings eine ganz spielstarke Mannschaft." Schönborn sollte recht behalten. Denn der oberbayerische Vertreter verlangte der TSG alles ab. Erst in der Verlängerung erlöste Kapitän Marian Dischl die lautstarken TSG-Fans mit seinem Treffer zum 3:2. Der dritte Finaleinzug der TSG bei einer Bayerischen Endrunde war perfekt. Und da wartete das nächste Kaliber.
Denn der Würzburger FV war bis dahin ungeschlagen. Warf im Halbfinale den großen Favoriten Erlangen-Bruck souverän mit 3:1 aus dem Turnier. Und auch im Finale zeigte der Landesligist seine ganz Klasse. Zwang Thannhausen bis ins Siebenmeterschießen. Doch da hatte diesmal die TSG das glücklichere Ende auf ihrer Seite.
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