Augsburg/Thannhausen Es läuft die letzte Spielminute in der Viertelfinal-Partie der Schwäbischen Endrunde im Hallenfußball zwischen der TSG Thannhausen und dem Kissinger SC. Der krasse Außenseiter führt gegen den Bayernligisten völlig verdient mit 2:1. Es sind noch elf Sekunden zu spielen, da schnappt sich TSG-Kapitän Marian Dischl das Leder und drischt es aus elf Metern unhaltbar unter die Latte. Der Wendepunkt der Partie und am Ende auch für das gesamte Turnier der TSG. Von Patrick Gilg



Denn was so mühsam gegen einen Bezirksligisten begann, wurde am Ende der vierte Triumph des mittelschwäbischen Traditionsvereins in der Augsburger Sporthalle seit 2003. Ein Einstand nach Maß für den neuen Trainer Uwe Neunsinger: "Ich bin natürlich überglücklich, dass ich jetzt auch einmal in dieser Halle etwas gewinnen konnte", sagte der TSG-Coach nach dem Abpfiff. Bisher hatte er nämlich in der Augsburger Sporthalle nur einen einzigen Auftritt und dabei eine Niederlage kassieren müssen. Bei der Bayerischen Meisterschaft 1989. Damals noch als Trainer von Quelle Fürth.
Doch es war beileibe kein Budenzauber, den die TSG auf das Parkett legte. Dafür fehlten auch die spielerischen Mittel. Ein Stefan Selig ist eben auch für die überragende schwäbische Hallenmannschaft der vergangenen Jahre nicht zu ersetzen. "Man hat aber heute gesehen, was man alles mit einer taktisch engagierten Leistung erreichen kann", freute sich Neunsinger dann auch über den am Ende verdienten Triumph.
Dabei fing das Turnier alles andere als gut für die TSG an. Erst im Siebenmeterschießen bezwang der Bayernligist die drei Klassen niedriger spielenden Gastgeber. Wilson Onyemaeke brachte Thannhausen zwar früh in Führung, doch innerhalb einer Minute drehte der KSC das Spiel. Von nun an rannte die TSG einem Rückstand hinterher - oftmals planlos. Bezeichnend für das Spiel: Die meisten Torschüsse auf den gegnerischen Kasten feuerte Torhüter Sebastian Steidle ab. Ohne Erfolg. Dann kam der große Auftritt von Marian Dischl, der am Ende des Turniers völlig verdient zum besten Spieler des Turniers gewählt wurde. Im Siebenmeterschießen war die TSG dann der Glücklichere.
Es folgte der emotionale Höhepunkt der Endrunde. Das Halbfinale gegen die zweite Mannschaft des FC Augsburg. Ein Spiel, das alles bot, was Hallenfans sich wünschen. Spannung, Tore, Hektik, Emotionen - und ein glückliches Ende für die TSG. "Wir wollten hinten gut stehen. Das ist uns gelungen", so Uwe Neunsinger. "Ich denke, der Sieg war verdient." Das war er auch. Denn Neunsinger reagierte auf die schwache Vorstellung im Viertelfinale und beorderte Volkan Cantürk zurück auf eine Halbposition. "Im Sturm kam Volkan einfach nicht richtig in Tritt. Da musste ich reagieren", so Neunsinger.
Ein Wechsel, der von Erfolg gekrönt war. Die Defensive stand besser und Cantürk avancierte von dieser Position aus zum besten Turnier-Torschützen. Er war es auch, der die Rot-Schwarzen mit 1:0 in Führung schoss. David Balogh erhöhte mit seinen beiden Treffern auf 3:0. Das Spiel schien entschieden. Doch die FCA-Reserve kämpfte, kam durch zwei schnelle Treffer auf 2:3 heran und drückte auf den Ausgleich. Nur gut, dass die TSG einen Sebastian Steidle zwischen den Pfosten hatte. Er verdiente sich Bestnoten. "Gott sei Dank brannten dem FCA dann ein paar Sicherungen durch", freute sich Neunsinger nach der Schlusssirene. "Das hätte nämlich noch mal richtig knapp werden können." Mit zwei Zeitstrafen binnen weniger Sekunden brachte sich die Zweitliga-Reserve aber selbst um den Lohn einer tollen Aufholjagd. Schade, dass auch einige FCA-Fans nach dem Ausscheiden ihres Teams die Nerven verloren. Auf den Rängen kam es zu Tumulten, wobei wohl auch einige TSG-Anhänger ihren Teil dazu beitrugen.
Das Finale selbst war eine klare Sache. 7:3 bezwang die TSG den ASV Fellheim, der sich zuvor sensationell gegen den TSV Aindling und den TSV Nördlingen durchsetzte. "Das war bis dahin die beste Turniermannschaft", freute sich Neunsinger über die Leistungssteigerung seiner Mannschaft. "Gerade die jungen Spieler haben ihre Sache gut gemacht. Ich hoffe, wir können aus diesem Erfolg auch Selbstbewusstsein für die schwierige Rückrunde ziehen." Daran dachten die Spieler nach der Schlusssirene allerdings nicht. Sie ließen ihrer Freude freien Lauf: "Jetzt wird erst einmal richtig gefeiert", prophezeite Kapitän Marian Dischl mit dem Pokal in der Hand. Sie haben es sich verdient.
So spielte die TSG Thannhausen: Steidle, Amann - Dischl, Berchthold - Balogh, Gauder, Onyemaeke, Winzig, Babutzka - Cantürk, Lux.
Eine Bildergalerie von der Schwäbischen Meisterschaft gibt es unter mittelschwaebische-nachrichten.de
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