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20. Mai 2008 17:40 Uhr

Wo der Handball noch Kunst ist

Handball in Rumänien, das war über Jahrzehnte weltweit ein Wertbegriff schlechthin, nahmen die Sportler aus dem Banat, aus Siebenbürgen bis hinauf in die Karpaten sowie aus der Hauptstadt Bukarest uneingeschränkt die Führungsrolle des Welthandballs ein. Von Wilfried Läbe

Ein Club war stets mit dabei: der HC Baia Mare, der am Samstag (19.30 Uhr) in der Krumbacher Dreifachturnhalle ein Freundschaftsspiel gegen den Landesligisten TSV Niederraunau bestreitet.

Handball war und ist auch heute noch für die Rumänen Kunst. Viermal, 1961, 1964, 1967 und 1970 waren sie Weltmeister, vielmals standen die beiden Bukarester Klubs Dinamo und Steaua auf dem Gipfel europäischer Vereinswettbewerbe. Handball war eben das Volkstümlichste aller sportlichen Spiele.

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Auch in Baia Mare, wo der HC Minaur in der grauen Trostlosigkeit des kommunistischen Rumäniens für die Bevölkerung der Bergwerkstadt mit einer Macht strahlte, die sich nur mit der ungewöhnlichen Begeisterung des unterdrückten Volkes erklären ließ.

Der Erfolg war da zweitrangig. Musste es sein, weil die Bukarester Vereine landesweit alle Talente für sich vereinnahmten. In der Hauptstadt nämlich wurde das Problem einer angemessenen Bezahlung der Spieler dadurch gelöst, dass man sie zu Offizieren ohne Uniform machte.

Als 1990 das politische Eis des Kommunismus gebrochen war, hatte man auch in Baia Mare die attraktive und tiefe Bedeutung eines sportlichen Erfolges erfasst. Nichts war nämlich für den rumänischen Kohlenpott besser geeignet als Handball, um es jenen in Bukarest endlich einmal zu zeigen. Endlich konnte man den eigenen Verein mit den bislang politverhätschelten Vereinen Dinamo und Steaua auf eine Stufe stellen.

Der HC Baia Mare wurde ein illustrer Vertreter seiner Region, dessen nationales und internationales Ansehen bis heute dem Handball mehr als alles zu verdanken hat.

Der Briefkopf des Vereins vermerkt bis in die Gegenwart viele Erfolge. Die aller Größten waren die Gewinne des europäischen IHF-Cups 1985 und 1988. Zweimal (1998 und 1999) schnappte der HC Minaur denen aus Bukarest und Temeschburg den rumänischen Meistertitel weg.

Fünfmal zwischen 1978 und 1999 wurden die Bergwerksstädter rumänischer Pokalsieger. 1981 - was einen Bezug zum Landkreishandball herstellt - unterlag Baia Mare im Europapokalfinale dem TuS Nettelstedt, der dann wenige Wochen später wegen nur einem einzigen Tor nach zwei Finalen gegen den VfL Günzburg den deutschen Pokal holte.

In der Gegenwart ist man von solchen Erfolgen noch ein Stück entfernt, auch wenn man dabei geblieben ist, Talente im eigenen Land zu suchen. Man kann sich nicht mit so vielen kostspieligen ausländischen Spitzenspielern verstärken wie beispielsweise fast alle Klubs in Deutschland und Spanien. Zudem zieht es immer wieder einmal ein vom Verein geformtes Talent an die Fleischtöpfe westlicher Klubs.

Doch ganz ohne Legionäre geht es auch wiederum nicht, will man zumindest im eigenen Land den Anschluss nicht verlieren. So sind der Torjäger Yan Viszhvovisas aus der Ukraine, der Ungar Tomosy Gyzo und der Sebe Djordje Pesic fremdländische Leistungsträger.

Dass aber auch mit eignen Kräften guter Handball gespielt wird, entspringt dem Hang zur Tradition. "Unser Spielniveau reicht allemal noch zu einem Leistungsstand der europäischen Mittelklasse", kündigen Cheftrainer und Altinternationaler Andrei Avramescu und Co-Trainer Florin Mirones ein Handballfest ihres Teams in Krumbach gegen den Landesligisten TSV Niederraunau an. Sie wecken also mit ihrem Versprechen Neugier und locken mit der Zusage, alle ihre Stars mitzubringen.

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