Autor Axel Gora erweckt den Stadtwerkmeister Elias Holl wieder zum Leben. Manchem Holl-Bewunderer wird das zu weit gehen - die Grenzen zwischen Wahrheit und Fiktion sind fließend.

Der bekannte Augsburger Stadtwerkermeister Elias Holl (1573 - 1646) steht im Mittelpunkt eines Romanes von Axel Gora. Mit der Grenze zwischen Fakt und Fiktion nimmt er es dabei nicht so genau. «Ich sehe mich in erster Linie als Autor und Künstler und nicht als Historiker», sagt der 49-Jährige. An Holls Seite stellt er eine frei erfundene Muse, in die sich der Stadtwerkmeister Hals über Kopf verliebt und der er in erotischen Tagträumen nachhängt - nichts von ihrem unglaublichen Geheimnis ahnend.
Gora verbindet historisch verbürgte Ereignisse durchaus geschickt mit eigenen Einfällen - aber seine Herangehensweise birgt Zündstoff. «Den Augsburgern ist ihr Holl heilig», sagt Stadtführer Werner Bischler. «Da könnte es sein, dass sich ein paar von ihnen auf den Schlips getreten fühlen.» Denn manche Passage in dem Roman «Die Versuchung des Elias Holl» ist ziemlich deftig.
In dem mehr als 400 Seiten umfassenden Werk liefert sich der Baumeister einen - ebenfalls frei erfundenen - erbitterten Konkurrenzkampf mit dem Architekten Matthias Kager. Beide wollen den Auftrag für den Entwurf eines neuen, epochalen Rathauses bekommen - koste es, was es wolle. Bald drohen sich die Männer in einem Netz aus Lügen und Intrigen zu verfangen. Neben einer interessanten Geschichte erfährt der Leser viel über das Selbstverständnis im Augsburg der Renaissance. Vom «kleinen München» ist die Rede. An Selbstbewusstsein mangelt es auch Goras Holl nicht: «Ich sorge dafür, dass Augsburg mit jedem Bau, den ich vollende, ein neues Meisterwerk erhält und sein reichsstädtisches Antlitz mehr und mehr verschönert.»
Vor dem Roman habe er wenig Ahnung von Augsburg gehabt, gibt Gora freimütig zu. Im Zuge der Recherche habe er das nötige Wissen angehäuft. Dabei leistete er sich den Luxus, nicht alles wissen zu müssen - um sich in seiner schreiberischen Freiheit nicht zu sehr einengen zu lassen, wie er sagt. Auch wenn er viel über das Rathaus gelernt habe, sei es ihm eigentlich um etwas ganz anderes gegangen. «Mein Thema sind interessante Menschen», sagt Gora, der seit mehr als 20 Jahren in Augsburg lebt und neben dem Schreiben eine Fachschule für japanische Kampfkünste betreibt.
Schillernd sei Holl allerdings nicht gewesen. Eher ein Arbeitstier - seine Aufzeichnungen habe der Stadtwerkmeister zum Teil mit ins Bett genommen. «Das war sein Leben, die Baukunst», sagt Gora. Stadtführer Bischler beschreibt Holl als vielbeschäftigten Mann, der stets von einer Baustelle zur nächsten gerannt sei. Einen Langweiler würde er Holl aber nicht nennen. «Der Mann war einfach top - das muss man so sagen», schwärmt er. Wenn man durch die Augsburger Altstadt geht, läuft man ihm alle fünf Minuten über den Weg.» (AZ/dpa/lby)
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