Montag, 24. Juli 2017

15. März 2017 14:37 Uhr

Theater

«Nasser #7Leben» am Grips Theater bejubelt

Mit 15 Jahren soll Nasser aus Berlin zwangsverheiratet werden. Er wird von der eigenen Familie entführt und fürchtet um sein Leben. Die Geschichte des jungen schwulen Muslims ist nun Stoff eines Theaterstücks.

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Nasser El-Ahmad 2015 im Rathaus Schöneberg in Berlin.
Foto: Gregor Fischer (dpa)

Am Ende steht der 20-jährige Nasser mit auf der Bühne. Ein bisschen verlegen, aber glücklich verbeugt er sich gemeinsam mit den Schauspielern des Berliner Grips Theaters, die gerade sein Leben erzählt haben. «Nasser #7Leben» heißt das Stück von Susanne Lipp, das am Dienstagabend uraufgeführt wurde.

Mit begeistertem Applaus, aber auch Betroffenheit nahm das Publikum die Inszenierung auf, die die ungewöhnliche Emanzipationsgeschichte eines jungen schwulen Muslims zeigt.

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Nasser El-Ahmad kommt aus einer libanesisch-stämmigen, sehr strengen muslimischen Familie aus Berlin-Neukölln. Schon früh - und lange vor seinem zunächst unfreiwilligen Coming-out - fühlt er sich von den starren Regeln des Vaters eingeengt. Wie viele andere Jugendliche auch rebelliert Nasser gegen den Lebensentwurf der Elterngeneration.

Mit 15 Jahren soll Nasser - auf der Bühne sehr überzeugend von David Brizzi gespielt - zwangsverheiratet werden. Die Eltern können seine Homosexualität nicht akzeptieren. Schließlich wird er von der eigenen Familie betäubt und entführt. Nasser fürchtet um sein Leben. «Ich habe eine Missgeburt auf die Welt gebracht», wird im Stück später Nassers Mutter sagen. «Du bist nicht mehr mein Sohn.»

Das nach intensiven Interviews mit Nasser entstandene Theaterstück erzählt von den dramatischen Wendungen im Leben des jungen Mannes, der heute für die Rechte der Homosexuellen kämpft und ein selbstbestimmtes Leben führt. Der Stücktitel «Nasser #7Leben» spielt auf die sieben Leben an, die die Katzen haben sollen. «Wie oft kann ein Mensch die Mutter verlieren?», heißt es im Theatertext, als Nasser unter dem Verlust und dem Verrat der Mutter leidet, die er so sehr liebt.

Regisseurin Maria Lilith Umbach nutzt für ihre mitreißende Inszenierung geschickt stilistische Reduzierungen und Verfremdungen. Katja Hiller, Jens Mondalski und Öz Kaveller übernehmen jeder gleich mehrere Rollen. Wenn sie als Vater, Mutter und Schwester von Nasser auf der Bühne stehen, dann genügen als Äußerlichkeiten ein umgeschnallter Bauch, Tüllrock und Blumenkranz sowie ein Kuscheltier.

Gleichzeitig spielt Umbach mit den sozialen Medien, die für Nasser auch eine Bühne sind. Hass-Kommentare werden ebenso zitiert wie die Online-Kommentare von Usern, die Nasser bei seinem Befreiungskampf unterstützten. Das Stück solle Mut machen, seinen eigenen Weg zu finden und zu seiner eigenen Identität zu stehen, so das Grips Theater. Der muslimische Glaube von Nassers intoleranter Umgebung spielt im Stück keine allzu große Rolle - Intoleranz gibt es überall. Das Theater empfiehlt «Nasser #7Leben» für Zuschauer ab 13 Jahren. 

Tickets und Infos zum Stück

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Berlin | Lipp