Sonntag, 26. Mai 2013

27. September 2012 09:02 Uhr

Kinostart: Schutzengel

Til Schweiger wagt sich an ein Action-Drama

Bisher hatte Til Schweiger vor allem mit romantischen Komödien Erfolg. Jetzt wagt sich der Schauspieler an ein Genre, das für Deutsche Filmemacher fast verboten scheint. Von André Wesche

Til Schweiger spielt in seinem neuen Film einen Soldaten, der das Leben eines Kindes schützen soll.
Foto: Warner Bros./dpa

Mit dem Genre-Kino im Allgemeinen und dem Action-Thriller im Besonderen tut man sich hierzulande schwer. Ein Action-Drama erfordert zwingend eine Heldenstruktur. Und deutsche Heldenfiguren, womöglich noch mit der Waffe im Anschlag, werden traditionsgemäß belächelt. Der Freund des gepflegten Feuergefechts aber lässt fast alles durchgehen, was unsere Kinos aus Richtung Amerika, Großbritannien und Frankreich erreicht. Coolness wird bei einem internationalen Reißer vorausgesetzt, nicht infrage gestellt. Wenn es aber um Deutschland geht, wird geflissentlich maßgehalten. Es könnte sich ja jemand aufregen.

Schweiger schickt die Schurken reihenweise in die ewigen Jagdgründe

Til Schweiger hat das kommerzielle einheimische Kino der letzten Jahre als Produzent, Autor, Regisseur und Schauspieler geprägt wie kein Zweiter. Romantische Komödien wie „Keinohrhasen“ oder „Kokowääh“ treffen regelmäßig den Nerv eines Millionenpublikums. Mit diesen Erfolgen im Rücken wagt Schweiger nun einen Vorstoß auf „verbotenes“ Action-Terrain. Das Action-Drama „Schutzengel“ wartet mit überlebensgroßen Zerstörungsorgien auf und schickt die Schurken gleich reihenweise in die ewigen Jagdgründe. Das, so viel sei zumindest versprochen, hat man so noch nicht gesehen.

ANZEIGE
003 Allgemein_300x250_dynamisch

Was als harmloses, hormongesteuertes Abenteuer zweier Jugendlicher beginnt, endet tödlich. Die Waise Nina (Schweiger-Tochter Luna) muss hilflos miterleben, wie ihr Begleiter von einem Geschäftsmann im feinen Zwirn (Heiner Lauterbach) erschossen wird. Dem Mädchen selbst gelingt zwar die Flucht, aber der Waffenhändler setzt alle Hebel in Bewegung, auch die Zeugin mundtot zu machen. Die Staatsanwaltschaft nimmt Nina ins Zeugenschutzprogramm auf. Max (Til Schweiger), ein Kriegsveteran des Kommandos Spezialkräfte, übernimmt mit seinen Leuten den Personenschutz. Wie ernst es die Verfolger meinen, wird beim Überfall einer schwer bewaffneten Gangsterclique auf die vermeintlich sichere Wohnung deutlich. Offensichtlich kann man selbst der Polizei nicht trauen.

Schweiger fährt schwere Geschütze auf

Schweiger fährt die schweren Geschütze auf, er erdet seine Geschichte aber in mehrfacher Hinsicht im deutschen Alltag von 2012. Die Geschichte thematisiert das Trauma der deutschen Kriegsheimkehrer und kritisiert den von Regierungskreisen zumindest geduldeten Waffenhandel mit dubiosen Staaten. Das alles passiert jedoch am Rande, zum politischen Filmemacher ist Schweiger nicht geworden.

Der Schwerpunkt der Story liegt auf der sich zögerlich entwickelnden Beziehung zwischen Nina und ihrem väterlichen Freund Max. Hier kann der Regisseur seine Trumpfkarte ausspielen, wirklich talentierte Kinder zu haben. Magische Momente zwischen Luna Schweiger und ihrem Vater sorgen für einen stimmigen emotionalen Unterbau.

Große Deutsche Schauspieler geben sich die Klinke in die Hand

In „Schutzengel“ geben sich große deutsche Schauspieler die Klinke in Hand. Oft sind auch kleinste Rollen namhaft besetzt. Man hatte offensichtlich Spaß daran, in Berlin und Umland die Fetzen fliegen zu lassen. Die sehr ordentlich choreografierten Kampfszenen verleugnen nicht ihre Vorbilder. Überhaupt wird der Genrefreund zahlreiche Parallelen zu Filmen wie „Auf der Flucht“ sowie zu Tarantinos Werken entdecken – was sicher nicht ehrenrührig ist.

Die Weichen sind gestellt, nun wird sich zeigen, ob das Publikum dazu bereit ist, auf der Action-Schiene „Made in Germany“ mitzufahren. Schweiger geht vorerst auf Nummer sicher, er dreht momentan die Fortsetzung von „Kokowääh“. Es wäre für die aktuelle Kinolandschaft sicher nicht von Nachteil, wenn der Mut zu ein wenig mehr Vielfalt belohnt würde. ***

Filmstart in Aichach, Augsburg, Donauwörth, Füssen, Ingolstadt, Kaufbeuren, Kempten, Königsbrunn, Neuburg, Neu-Ulm, Nördlingen, Ulm

Jetzt bestellen! Das neue iPad inkl. e-Paper.

Artikel kommentieren

Schlagworte

Film | Kino | Till Schweiger