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05. April 2009 18:20 Uhr

3000 Tonnen Kies für eine Kinderstube der Flussfische

Scheuring Fast alle bayerischen Flussfischarten stehen auf der Roten Liste bedrohter Tierarten. Die Fische im Lech machen hier keine Ausnahme. Etwa 90 Prozent der Kieslaicher im Lech sind vom Aussterben bedroht. Grund: Es fehlt den Fischen an Laichplätzen. Im Rahmen der Aktion "Kies für den Lech" ist an der Lechstaustufe 20 bei Scheuring für 20 000 Euro ein Kieslaichplatz geschaffen worden, um den Tieren die Möglichkeit zur natürlichen Vermehrung zu bieten. Von Martin Geier

3000 Tonnen Kies für eine Kinderstube der Flussfische
Foto: ALFA

Am Donnerstag ist diese Stelle am "Äschenplatz" in der Nähe des Zollhauses vorgestellt worden. Nur ein Bagger am Ufer und die aufgewühlte Erde auf der Zufahrt zum Lech lassen darauf schließen, dass hier etwas gebaut worden ist. "Leider ist nur schwer nachzuvollziehen, was für eine riesen Aufgabe das war", sagt der stellvertretende Vorsitzende des Luftwaffenfischereivereins, Thomas Maisterl. Sein Verein bewirtschaftet die Lechstaustufe 20.

Rund 3000 Tonnen Kies sind mit 150 Lkw-Fuhren antransportiert und im Lech verteilt worden. Unter der Wasseroberfläche erstreckt sich nun eine 19 mal 60 Meter große Kiesbank, die den Fischen als Laichplatz dienen soll. "Unser Dank geht dabei an die Bundeswehr, dass sie uns die Anfahrten zu den Bauarbeiten über den Schießplatz ermöglicht hat," sagt Projektkoordinator Johannes Schnell vom Landesfischereiverband. Auf diese Weise hätten die Wege direkt am Lech geschont und Schäden in der Natur vermieden werden können.

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Dem Fluss fehlt das natürliche Geschiebe

Die künstliche Schaffung solcher Stellen ist nötig, da es kaum noch natürlichen Transport von Flusskies im Lech gibt. Schuld sind Querverbauungen, Stauhaltungen und Uferbefestigungen. Dort staut sich Kies, verschlammt und kann vom Gewässer nicht weiter transportiert werden. Folge: Die frühere Kiesauflage ist abgetragen, Nachschub nicht in Sicht. Den Fischen sind die Laichplätze unter den Flossen davon geschwemmt worden.

"Mit dem Projekt ,Kies für den Lech' wollen wir den Tieren wieder Laichplätze schaffen", erklärt Schnell. Die Laichstelle in Scheuring ist Kiesplatz Nummer acht im Lech. 20 000 Euro hat das Projekt gekostet. Die Sparkasse Landsberg-Dießen spendete 2000 Euro. "Das ist gut angelegtes Geld, weil es dem Landkreis dient", sagt Josef Weiß, Marktbereichsleiter der Sparkasse für den Landkreis Nord. Auch die Raiffeisenbank Weil und Umgebung hat sich finanziell beteiligt, wie deren Vorstandsvorsitzender Franz Maisterl erklärt. Der Rest der Kosten verteilt sich auf Eon, den Landesfischereiverband und das Wasserwirtschaftsamt Weilheim.

Gut ein Jahr dauerten die Planungen und Genehmigungen. Günther Glauder, Vorsitzender des Luftwaffenfischereiverbandes, ist glücklich, dass nun alles fertig ist: "Es erfüllt mich mit Stolz, dass die Kiesbank hier drin ist. Hoffen wir, dass die Fische dies so annehmen, wie wir uns das wünschen."

Überprüfen werden das die Mitarbeiter der Technischen Universität München. An ausgewählten Laichplätzen, zu denen der in Scheuring zählt, werden sie Messungen durchführen. Die Auswertungen an anderen Stellen geben Grund zur Hoffnung: "Was Laichaktivitäten und Brut angeht, waren die Ergebnisse sehr positiv", sagt Schnell. Nun liegt es an den Äschen, Nasen, Huchen und anderen Fischen, den Laichplatz anzunehmen. Für die Pflege der Stelle ist künftig der Luftwaffenfischereiverband verantwortlich.

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