Mit wie viel Spannung die erste Sonderausstellung im Neuen Stadtmuseum in Landsberg unter der Regie der neuen Museumsleiterin Dr. Margarete Meggle-Freund, erwartet worden war, bewies die eindrucksvolle Besucherschar, die sich zur feierlichen Eröffnung im ersten Stock des Museums eingefunden hatte.

Dr. Meggle-Freund begrüßte die zahlreichen Gäste und stellte einleitend fest, dass es sich "um zwei Ausstellungen in einer handle, was eine sehr dichte Ausstellungsbreite mit eigenem Profil zur Folge habe". So werden unter dem Titel "Christkind - Englein - Rehlein" die populären Bildwelten des Memminger Malers Josef Madlener (1881-1967) gezeigt, denen mit "Bild und Schatten" Bildhauerarbeiten des in Hohenfurch lebenden und bei der Eröffnung ebenfalls anwesenden Künstlers Egon Stöckle (geb. 1936), gegenübergestellt werden.
Oberbürgermeister Lehmann betonte in seiner Eröffnungsansprache die dadurch entstandene doppelte Ausrichtung der Ausstellung, nämlich zum einen mit Madlener in Richtung Kulturgeschichte, zum anderen mit den Werken von Stöckle in Richtung Kunst. Die große Anzahl der Anwesenden wertete er als gutes Zeichen "sowohl für das Museum als auch für die neue Museumsleiterin". Es folgten je ein kurzer Vortrag der Kunsthistorikerin und Leihgeberin Constanze Lindner-Haigis zu Leben und Werk Madleners und des Leihgebers Dr. Alois Epple, bevor Dr. Meggle-Freund die Besucher dazu einlud, sich selbst ein Bild zu machen.
Große Hunde mit Schatten
Zu sehen ist eine komplexe, komprimierte und eindrucksvolle Ausstellung, die ihre Spannung nicht nur der Gegenüberstellung von populärer Kunst und Moderne sondern auch der sehr überlegten Stellung der Objekte im Museum verdankt.
Die Werke des vor allem durch seine stimmungsvollen Darstellungen der Weihnachtsgeschichte und Andachtsbilder bekannten Madlener und die mit dem Schatten spielenden Darstellungen von Mensch und Tier des Bildhauers Stöckle bilden dabei einen ausdrucksvollen Kontrast, stehen jedoch gleichzeitig im Dialog miteinander. Dies wird vor allem in den Räumen im Erdgeschoss deutlich, wo unter anderem die Musterbücher Madleners mehreren Bozetti aus der Hand Stöckles gegenüberstehen.
Wirkungskräftig auch die Idee, alle Andachtsbilder Madleners wie ein Dekorband umlaufend an den Wänden des Raums anzubringen, in dem "Große Hunde mit Schatten" von Stöckle die Konzentration des Künstlers auf das Wesentliche belegen. Dass Madlener zu Unrecht auf den "schwäbischen Weihnachtsmaler" reduziert wird, zeigen seine großformatigen Ölbilder, die die Auseinandersetzung des Künstlers mit Stilelementen des Jugendstils und gar des Pointillismus erkennen lassen.
Nachdenklich stimmen den Betrachter drei Heilige des Bildhauers Stöckle, die im Raum für mittelalterliche Skulptur im ersten Stock zu Gast sind.
Aber auch seine kleinen Kreuze und das Wandkreuz wirken im Raum für Sepulkralkultur perfekt integriert. Nicht zuletzt seine Arbeiten aus Lechsteinen und Bronze, die der Künstler selbst als "Bronzezeit trifft Steinzeit" bezeichnet, zeugen von der hohen Kreativität Stöckles wie von seiner Fähigkeit der Reduktion.
In nur fünf Wochen ist Dr. Meggle-Freund und ihren vielen haupt- und ehrenamtlichen Helfern die Konzeption einer bemerkenswerten Ausstellung gelungen, der viele Besucher zu wünschen sind und die auf die weitere Arbeit der Museumsleiterin neugierig macht.
Das umfangreiche Begleitprogramm zur Ausstellung bietet Lesungen, Konzerte und Führungen, hält aber auch museumspädagogische Angebote für Erwachsene, Kinder und Schulklassen bereit, so unter anderem den Bau einer Madlener Papierkrippe unter Anleitung von Mitgliedern der Landsberger Krippenfreunde.
Die Weihnachtsausstellung ist bis zum 1. Februar zu den üblichen Zeiten dienstags bis sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet; an Heiligabend und Silvester bleibt das Museum geschlossen.
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