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10. März 2008 18:30 Uhr

Bei Windstärke zehn in der Herrschinger Bucht

Auch oder gerade bei Sturmwarnung zieht es Kite- und Windsurfer hinaus auf den See. Nicht nur aus der Region, auch von weiter her kommen die Sportler vor allem in die Herrschinger Bucht, sobald der Wetterdienst entsprechende Voraussagen macht.

Auch Samstag vor acht Tagen, während des Sturmes Emma, war es so, doch nicht nur die Sportler hatten ihren Spaß bei Böen mit über 100 Stundenkilometern, auch die Wasserwachten mussten in die Herrschinger Bucht ausrücken. Ein Surfer habe sein Brett mit Segel am Ufer liegengelassen, berichtet der technische Leiter der Kreiswasserwacht, Siegfried Dumbsky, gegenüber dem LT. Dies war bemerkt worden und die Rettungskräfte suchten nach dem vermeintlich Vermissten, der jedoch während des Einsatzes zu seinem Surfbrett zurückkehrte.

Für die Rettungskräfte bedeuten derartige Einsätze, dass die Helfer ihren Arbeitsplatz verlassen, das heißt also Lohnausfall, Materialkosten, Treibstoffkosten, und wenn es so stürmt wie bei Emma, möglicherweise auch Gefahr für die eigene Unversehrtheit. "Extremsportler, die ein derartiges Risiko eingehen, beherrschen es auch, aber sie vergessen, dass es auch die Gefahr der Materialermüdung gibt", meint Dumbsky.

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Derartige Sturmeinsätze haben laut Dumbsky zugenommen, mittlerweile würden sich die Wasserwachten auch in ihrer Ausrichtung darauf einstellen, beispielsweise die Schondorfer Wasserwacht mit ihrem neuen Boot.

"Bei einem Sturm wie Emma wäre früher der See leer gewesen, doch heutzutage gibt es viele, die auch noch die letzte Welle abreiten müssen."

Ein Tatbestand, den auch Roland Blaschek, Mitarbeiter des Surfstadls in Andechs und seit 20 Jahren leidenschaftlicher Surfer, bestätigt. Früher hätte schon allein das Material nicht mitgemacht. Im Winter surfen sei erst mit Einführung der Neoprenanzüge möglich. Auch er würde lieber im Sommer surfen, doch die richtigen Windverhältnisse gebe es oft im Winter. Mit den Möglichkeiten des Materials seien auch die sportlichen Fähigkeiten gestiegen. "Unter vier bis fünf Windstärken ist es nicht mehr interessant." Zehn bis elf Windstärken habe Emma seiner Information nach gehabt. Zehn Windstärken, das seien 89 bis 102 Stundenkilometer.

Ein regionales Surfparadies ist die Herrschinger Bucht, da sie nach Westen offen ist und sich laut Blaschek der Wind dort kanalisiert. "Bei Sturm kommt zuerst eine Warmfront, dann eine Kaltfront, der Wind wechselt von Südwest auf West und dann auf Nordwest", schildert Blaschek die Bedingungen, die Surfer von weither an den See ziehen. Der Starnberger See liege in der Senke und Bodensee sowie Chiemsee stärker im Alpenrückstau.

Blaschek sieht die Gefahr bei seinem Sport nicht so groß. Es gebe kaum Verletzungen und der einzige Todesfall, an den er sich erinnern kann, war ein Herzinfarkt. Ein Windsurfer verliere sein Brett nicht und könne sich die 200 Meter in die Bucht treiben lassen. Blaschek bezeichnet das Kitesurfen, also das Surfen mit einem Drachen, als gefährlicher. Ein Kitesurfer könne sein Brett verlieren. Auch in Sachen Naturschutz glaubt Blaschek nicht, dass das Surfen große Beeinträchtigungen hervorruft. Die Schilfbereiche um Herrsching sind seinen Ausführungen nach sportlich nicht interessant und bei solchen Windstärken seien auch keine Wasservögel mehr draußen auf dem See.

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