Samstag, 23. September 2017

Landsberg

01. Juni 2016 00:34 Uhr

Ausstellung

Berührung mit einer neuen Dimension

Zwei Werke von Leonhard Schlögel sind erstmals im öffentlichen Raum in Wessobrunn zu sehen. Warum der Bildhauer auch Köpfe als Thema hat Von Andreas Frey

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Genau 365 Zentimeter misst die Statue „Scala“, für jeden Tag im Jahr einen. „Eigentlich Zufall“, bekennt Bildhauer Leonhard Schlögel. Andererseits ist der Wessobrunner geneigt, an die Magie der Koinzidenz zu glauben, denn viele seiner Figuren sind mit einer Aura des Spirituellen umgeben. Jetzt zieren zwei von ihnen erstmals in den öffentlichen Raum in Wessobrunn.

Man kennt Schlögels Statuen vielleicht aus dem Schacky-Park in Dießen, wo sie 2015 in einer viel beachteten Ausstellung zu sehen waren und wo ein riesiger Steinkopf weiterhin wacht. Nun befinden sich zwei Werke erstmals auf öffentlichem Grund in Wessobrunn. „Sie beziehen sich auf den Gründungsmythos des Ortes“, erläuterte Schlögel vor ein paar Tagen vor knapp 40 Interessierten. „Herzog Tassilo III. träumte von einer Himmelsleiter, die an einer Stelle beginnt, wo man drei Quellen findet.“ Mindestens das Wasser wurde Realität.

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In Hörweite zu diesem Quellentrio – beim Brunnhaus östlich des Klosters – steht nun die „Scala“ von 2013 und scheint in Richtung Herzogstand zu blicken. „Bis Anfang April stand sie noch im Schacky-Park“, sagt Schlögel und freut sich über das magische Zeichen, dass beide seiner Anfragen um Aufstellung positiv beschieden wurden. Auch der Gemeinderat und Bürgermeister Helmut Dinter gaben ihr Placet, und daher steht nun noch eine zweite, etwas jüngere „Scala“ beim „Gasthaus Post“.

Die Schwesterfiguren unterscheiden sich kaum: Überhoch, elegant verjüngt sich der strahlend helle Laaser Marmor, bildet schließlich eine Schulterpartie aus und darüber einen langen, schlanken Hals. Aus dem Kinnvorsprung jedoch wächst die Treppe oder Himmelsleiter, je nach Lesart. Besonders beziehungsreich ist, dass die „Scala“ am Lindenplatz exakt die Wallfahrtskirche am Hohenpeißenberg in den Blick nimmt und dadurch einen weiteren spirituell wichtigen Ort mit Wessobrunn in Beziehung setzt.

Das zweite Element von Schlögels Kunstspaziergang war die Betrachtung einer brandneuen Figur vor dem Atelier im Klostergut. Dort wurde „Das Portal“ vorgestellt, eine begehbare Skulptur aus zwei weißen Stelen. Ähnlich wie die Bugspitzen venezianischer Gondeln drehen sie ihre „Schneiden“ auf denjenigen zu, der das angedeutete Tor zu durchschreiten sucht, zugleich aber sind die Dimensionen der Plastik sehr großzügig. Somit gerät das Spitzige der Stelen nicht bedrohlich, sondern konzentrationsfördernd. „Es soll angedeutet werden, dass man hier mit einer neuen Dimension in Berührung kommt“, meinte Schlögel. Speziell die weiblichen Besucher probierten das Durchqueren des Portals gerne aus. Viele blieben lange in dem Pylon stehen und berichteten von einem Gefühl der Erhabenheit.

Daneben zeigte der gebürtige Peitinger Bildhauer neue Variationen seiner Kopf-Thematik: „Herr Architekt“ und „Der Konstrukteur“ heißen die beiden Figuren im Inneren des Ateliers. Aus den gegenständlichen Gesichtspartien kragt der Marmorblock weit hinaus: In Dreiecksform nach vorne und nach oben wächst der Stein beim „Architekten“ als Mixtur aus kühnem Napoleon-Dreispitz und Walmdach. Noch extremer zeigt sich der Steinschädel beim „Konstrukteur“: Die marmorne (Gedanken-)Last scheint auf eine Seite kippen zu wollen und ist zusätzlich durch verschiedene Metallmechanismen auseinander zu klappen.

Wie fast immer sind Schlögels Figuren auf irritierende Art faszinierend, denn sie sind stets potenziell mehrdeutig. Während „Konstrukteur“ und „Architekt“ einerseits das Kreative feiern, deuten sie zugleich auch auf die Übertreibung des Tuns. Hingegen balancieren „Scala“ und „Portal“ zwischen Christentum und Esoterik sowie zwischen unbelebter Geometrie und einem doch subtil körperhaft proportionierten Stein, der aussieht, als könne er jeden Moment ins Leben treten.

Die Scala-Figuren bleiben voraussichtlich bis Herbst im Ort aufgestellt. Atelier-Führungen (im Klostergut am Ortseingang von Rott) sind nach Vereinbarung unter Telefon 01520/ 6287640 möglich.

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