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25. Januar 2010 04:51 Uhr

Bloß kein Gerangel anfangen

Augsburg Wie streiten geht? Das muss Professor Christoph Weller den Kindern im großen Hörsaal I nicht beibringen. Alle Finger gehen in die Höhe bei der Kinderuni des Friedens- und Konfliktforschers am Samstag. Aber die Versöhnung hinterher ist echt schwierig. Weil jeder etwas beigetragen hat zum Streit und ein Wort das andere ergab. "Man muss es richtig genau untersuchen, wieso es zum Streit gekommen ist und wer angefangen hat", sagt ein Bub. Wahrscheinlich hat er schon erlebt, dass der Falsche unter Verdacht geriet.

Bloß kein Gerangel anfangen
Foto: ALFA

Die Kinder sind richtige Experten bei dieser Vorlesung. Eifrig mischen sie sich ein und Professor Weller lässt sie immer wieder zu Wort kommen. Einige sind sogar Streitschlichter an ihrer Schule, sie haben es gelernt, Streithansel wieder zusammen zu bringen. Wenn zwei sich so in die Wolle gekriegt haben, dass sie nicht mehr miteinander reden, dann braucht es einen Dritten, "der jedem sagt, was der andere denkt".

"Aber so ein Vermittler sollte nur helfen, nicht aber den Streit entscheiden", meint Prof. Weller. Und extra den Eltern rät er: "Wenn jemand sich einfach so in einen Streit einmischt, ohne dass er gefragt wurde, geht's meistens schief und der Streit wird noch schlimmer."

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Einmal einen Blick durch die andere Brille werfen

Dann ist es leichter, einen unparteiischen Schiedsrichter zu akzeptieren, auch wenn er manchmal falsch entscheidet. "Das funktioniert, weil es keine Widerrede gibt", weiß ein junger Fußballfan. Aber nicht immer steht ein Schiedsrichter zur Verfügung. Mitten in der Vorlesung kommt auf Prof. Weller ein junger Mann zu, vielleicht sein eigener Sohn, und will sein Laptop mitnehmen, weil er etwas Dringendes zu schreiben hat. Doch der Professor benötigt selber den Computer für die Kinderuni. Beinahe hauen sie sich darum.

"Wir haben uns schon angefasst und dann ist die Gefahr groß, dass der Streit gewalttätig wird", mahnt Weller nach der Szene, die nur ein Spiel zur Veranschaulichung des Themas gewesen ist. Kann man sich irgendwie einigen, wenn zwei Streitende dasselbe beanspruchen? Prof. Weller zieht ein langes Messer heraus - zum Zeichen, dass man sich die Sachen teilen kann und einen Kompromiss schließt.

Schließlich schlägt der Friedensforscher noch vor, die Brille zu wechseln. Also zu versuchen, die strittige Sache wie der andere anzuschauen.

"Zum Streiten gehören immer zwei", bestätigt der Professor die Kinder. Und manchmal entsteht so ein heftiger Streit aus einem ganz läppischen Grund, den am Ende beide vergessen haben, weil sie sich immer mehr wehtun wollen.

Übrigens: Ein Streit, der immer noch nicht ausgestanden ist, hat im Dezember dazu geführt, dass die Kinderuni ausfiel. Die Studenten hatten den Hörsaal I besetzt aus Protest gegen ihre schlechten Studienbedingungen. Jetzt wollen sie mit den Uni-Chefs verhandeln.

Bloß einen Unbelehrbaren gibt es: "Der Räuber Hotzenplotz - da kannst du sagen, was du willst - versucht in jeder Vorstellung, der Großmutter die Kaffeemühle zu klauen", sagt der Kasperl der Puppenkiste am Beginn dieser Kinderuni.

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