Gerade schwitzen wieder Hunderte von Studenten an der Uni über ihren Abschlussprüfungen. Wenn der Prüfungsstress vorbei ist, beginnt für viele das lange Warten. Bis man das offizielle Zeugnis in Händen hält, können gerade in den Geisteswissenschaften Monate ins Land ziehen. Das sorgt für Ärger bei Betroffenen. Ohne Zeugnis können sie sich nicht für einen Job bewerben. Von Katharina Gaugenrieder
Marina Kurz (alle Namen geändert) hatte im November 2008 ihre letzten Prüfungen zum Magisterabschluss. "Erst im April 2009 habe ich dann mein Zeugnis bekommen." Wie oft sie in diesen fünf Monaten beim Prüfungsamt nachgefragt hat, kann sie heute beim besten Willen nicht mehr sagen. Alles hing bei ihr an einer Note, die noch nicht da war. "Als ich dann zum X-ten Mal im Prüfungsamt war, habe ich mir schon gedacht, das kann langsam nicht mehr sein", sagt sie. Vor allem, weil ihre Bewerbungen in dieser Zeit auf Eis lagen.
Marina Kurz ist kein Einzelfall. Auch David Marx hat knapp fünf Monate warten müssen, bis er sein Zeugnis in Händen hielt. "Ich war vier- oder fünfmal im Prüfungsamt, aber da wurde ich immer vertröstet", sagt der frühere Student der Politikwissenschaften. David war bereits vorgewarnt: "Bei meinem Bruder hat es auch Monate gedauert, bis das Zeugnis fertig war."
Doch es klemmt offenbar nicht nur bei den auslaufenden Magister- und Diplomstudiengängen, bei denen die Noten noch händisch und nicht elektronisch verwaltet werden. Hanna Klausner hat im März ihre Bachelorarbeit im Fach Medien- und Kommunikation abgegeben. Erst im Juli hat sie dann ihr Zeugnis bekommen. In der Online-Übersicht für Studenten waren die Noten schon lange eingetragen. "Also hat allein die Verwaltung einige Monate gedauert", ärgert sie sich. Offenbar, so erfuhr Hanna später, habe es in ihrem Fall einen Fehler bei der Berechnung der Leistungspunkte gegeben. "Von allein kam da aber niemand auf mich zu." Für die Studentin war die lange Wartezeit noch kein Problem: Sie macht jetzt den Master an der Uni. "Aber ich mache mir schon Gedanken, wie das wird, wenn ich meine Masterarbeit abgegeben habe und nicht ins Berufsleben starten kann, weil das mit dem Zeugnis so lange dauert", sagt sie.
An der Uni sieht man die Lage weniger dramatisch. "In der Regel werden die Zeugnisse binnen eines Monats nach Eingang der Noten ausgegeben", sagt Pressesprecher Klaus Prem. Lediglich in 20 bis 30 Prozent aller Fälle dauere es länger, bis das Zeugnis fertig ist.
Prüfungsamt ist jetzt personell verstärkt
Davon betroffen sind zumeist Magister- oder auslaufende Diplomstudiengänge. "In Fällen, in denen es zu gravierenderen Verzögerungen kommt, liegt dies in der Regel nicht an den Abläufen im Prüfungsamt, sondern daran, dass die Noten mit Verzögerung mitgeteilt werden", sagt Prem. Oft fehlt am Ende nur noch die Unterschrift.
Offenbar sah man nun aber doch Anlass zum Handeln: Um die Zeugnisse künftig zeitnäher ausgeben zu können, wurde das Prüfungsamt jüngst personell verstärkt. »Meinung
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