St. Ottilien Die Leiterin der Arbeitsstelle für Neulatein (= Latein der Neuzeit) an der Universität des Saarlandes, Dr. Sigrid Albert, aus Saarbrücken hat den Lateinunterricht in zwei neunten Klassen am Rhabanus-Maurus-Gymnasium in St. Ottilien besucht. Zu der Begegnung kam es laut Pressemitteilung der Schule, weil die in Fachkreisen weit über die Landesgrenzen hinaus bekannte Wissenschaftlerin in der Erzabtei weilte, um das "Seminarium Latinitatis vivae Ottiliense" vorzubereiten, das vom 5. bis zum 10. Juli nun schon zum zweiten Mal in St. Ottilien stattfinden wird.

Bei den Schülern erzeugte Dr. Albert zunächst einige Verwirrung, da sie ausschließlich Lateinisch sprach, um zu beweisen, dass man Latein wirklich sprechen kann. Sie zeigte sich jeweils 45 Minuten lang offen für alle Fragen der Neuntklässler. In einem ersten Teil wurde nach lateinischen Wörtern beispielsweise für Fahrrad (birota), Computer (ordinatrum), Aufzug (anabathrum), Klimawandel (mutatio climatis), Handy (telephonulum gestabile), Solarium (apparatus solaris), Dreirad (trirota), Motorrad (autobirota), Automobil (autocineto), Beamer (proiectorium ordinatrale), Bierzelt (tentorium cervisiarium), Piercing (pertundiculum), Fernseher (televisiorium).
Kenntnisreich und schlagfertig stand die Wissenschaftlerin den Schülern Rede und Antwort. Diese wollten auch wissen, warum es die Arbeitsstelle für Latein der Neuzeit überhaupt gibt.
Hier erinnerte Dr. Albert an die Basissprache Latein als Kulturträgerin für Europa. Es sei zudem wichtig, die Sprache auch in der Neuzeit weiterzuentwickeln. Anderen modernen gesprochenen Sprachen gegenüber habe Latein der Neuzeit den Vorteil, dass keine dieser Sprachen und damit keine einzelne Nation bevorzugt werde.
Die Weltsprache Englisch gereiche englischsprachigen Nationen zum Vorteil. Kleineren Nationen wird über das Latein der Neuzeit die Kommunikation mit anderen Nationen erleichtert. So kommt es laut Dr. Sigrid Albert nicht von ungefähr, dass ausgerechnet in Finnland Latein vonseiten des dortigen Kultusministeriums sehr unterstützt werde.
Informationen über die eigentliche Aussprache des Lateinischen jenseits jeder Schulaussprache rundeten das Bild ab. Herzlicher Applaus der Schüler war Dr. Albert am Ende der Stunde sicher. Die Zeit verflog in der etwas anderen Lateinstunde wie im Flug, und als Soziologin, als die Sigrid Albert an der Universität des Saarlandes ebenfalls tätig ist, hat sie einmal mehr bewiesen, dass sie trotz oder gerade wegen der Liebe zu Latein mitten im Leben steht, so das Resümee in der Pressemitteilung der Schule. (lt)
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