Freitag, 18. August 2017

Landsberg

02. März 2015 14:02 Uhr

Klangvortrag

Der Lech, der wilde Hund

Drei Männer zeigen ihre Liebe zu unserem Heimatfluss auf ganz besondere Art Von Silke Feltes

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Bei der Veranstaltung „Lechliebe: Musik – Bilder – Texte“ gab es Informationen, Geschichten und auch Musik über den Heimatfluss. Im Bild: Hans Schütz, einer der drei Mitwirkenden. 

Früher war er voller Kraft, unbändig und wild. Ein Paradies für Tiere und Pflanzen. Oft auch ein Sorgenkind der Anwohner, wenn er mal wieder über die Ufer trat und Häuser, Schulen und Gärten überschwemmte. Heute ist unser Heimatfluss, der Lech, eingedämmt, krank und kaputt. So erzählt es einer der fundiertesten Kenner der Materie, der Augsburger Eberhard Pfeuffer.

Drei Männer haben sich im Gasthof Happerger in Ludenhausen zusammengefunden. Ihre Liebe zum Lech verbindet sie: der ehemalige Vorsitzende des Naturwissenschaftlichen Vereins Schwaben, Dr. Eberhard Pfeuffer, Autor zweier natur- und kulturgeschichtlicher Lech-Bildbände, der gebürtige Fürstenfeldbrucker Sozialpädagoge und Musiktherapeut Karl Michael Ranftl sowie der Lechbrucker Lehrer und Umweltaktivist Hans Schütz. Ihr Programm „Lechliebe: Musik – Bilder – Texte“ umfasst kulturgeschichtlichen Hintergrund, Bilder, Lyrik und Texte sowie eine sehr ungewöhnliche musikalische Performance mit Lechkieseln.

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Warum sind eigentlich die Lechkiesel so bunt, fragt Pfeuffer und hat gleich die Antwort parat: Die nördlichen Kalkalpen, wo der Lech entspringt, solle man eigentlich nördliche Buntalpen nennen. So nimmt er die Zuschauer mit auf eine Fotoreise der Lechkiesel. Angefangen bei der Quelle des Lechs, „den paar unspektakulären Sumpflöchern“ auf 1840 Meter Höhe, im Vorarlberg bei der Roten Wand gegenüber des Formarinsees. Weiter durch Tirol, durch „die letzte Wildflusslandschaft der nördlichen Alpen, eine Schatzkammer der Natur sondergleichen“, wo die „wilde Kraft des Wassers“ das kantige Gerölle zu schleifen beginnt. In Landsberg da liegen dann schon schön glatte, bunte Kiesel am Ufer.

Die Kiesbänke, so Pfeuffer weiter, sind ein einzigartiger Lebensraum für viele seltene Pflanzen und Tiere, die ohne die Kiesellandschaft nicht überleben könnten. Beispielsweise Kieslaicher-Fische, wie die Eschen und Huchen, oder der Flussregenpfeifer, der seine Eier ohne Nest zwischen die Kiesel legt, perfekt als Stein unter Steinen getarnt. „Bei Regen leuchten die Kiesel besonders schön“, so Pfeuffer weiter, „da ist es gefährlich, am Lech spazieren zu gehen, denn da sind die Hosentaschen immer viel zu klein.“

So begleiten die drei Künstler den nordalpinen Fluss auf seinen 257 Kilometern vom Hochgebirge bis zur Mündung in die Donau. Und sparen dabei nicht mit Kritik an der Zerstörung der Flusslandschaft in Bayern. Nachdem der Lech die Lechschlucht bei Füssen passiert hat, sei nichts mehr so wie früher. Der in den 50er-Jahren angelegte Forggensee und die Lech-Staustufen haben eine „einmalige Landschaft zerstört“, tote Felsen und begradigte Ufer zurückgelassen. Dem Forggensee selbst ist die seinerzeit berühmte Illasbergschlucht bei Rosshaupten zum Opfer gefallen. Lediglich an der Litzauer Schleife, südlich von Schongau, fließe der Fluss noch und die ursprüngliche Lechlandschaft lasse sich noch erahnen.

Dabei haben die drei Lechliebhaber nichts generell gegen Eingriffe in das Fluß- und Landschaftsbild zugunsten der Energiegewinnung, doch solle man zuerst die bestehende Technik, Turbinen aus den 40er-Jahren, erneuern, bevor man mit einem rücksichtslosen Totalverbau weitere Eingriffe plane.

Pfeuffers sowohl liebevoller wie auch informativer, kenntnisreicher Vortrag wird immer wieder untermalt und aufgelockert durch die Texte von Hans Schütz und die ungewöhnliche Steinmusik von Karl Michael Ranftl. Mal benutzt Ranftl die Lechkiesel als eine Art Kastagnette, mal hat er Steine zu einem „Lithofon“, wie er es nennt, arrangiert und spielt „Freude schöner Götterfunken“. Dann wieder nimmt er einen Stein in die Hand und an den Mund und moduliert Töne, indem er seinen Hand- oder Mundraum variiert. Lechsteinemusik. Lechkunst. Lechliebe.

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