Sonntag, 19. November 2017

Landsberg

17. Juli 2016 17:46 Uhr

Strandbad Utting

Der Sirch Michl und viele andere Geschichten

Ausstellung zeigt Uttings Sozialisationsecke, die seit Kurzem zum Teil unter Denkmalschutz steht Von Maren Martell

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Er war die Autorität in „tiefbrauner indianischer Lederhaut“, der uneingeschränkte Präsident! Und Bademeister Michael Sirch musste nicht viel dirigieren, seine Anwesenheit genügte. „Beim Michl Sirch habe ich das Schwimmen gelernt. Ich war noch nicht in der Schule, so vielleicht fünf Jahre alt. Er hat immer gesagt: „Jeder, der am Ammersee wohnt, muss schwimmen können.“ So erzählt der Uttinger Josef Ernst. Es ist nur eine der vielen Erinnerungen und Anekdoten, die derzeit in der Ausstellung „Uttinger Strandbadgeschichte(n)“ im Kunstraum Mezzavia nachzulesen sind.

Die mehr als 100 Jahre alte Geschichte des beliebten Bades wird im ehemaligen Stall der Sautermühle, keine 200 Meter entfernt vom Strandbad, mit vielen Fotos, Postkarten, Zeitungsausschnitten, Badeutensilien und Interviews dokumentiert. Zusammengestellt wurde die sehenswerte Sammlung von den Uttinger Strandbadfreunden. Anlass für diese Initiative war eigentlich ein Ärgernis: Als die Debatte über die neue Strandbadmarkise hochkochte, wurde die Idee geboren, die Geschichte dieses einzigartigen Kleinods zusammenzutragen.

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„Das Strandbad ist unsere Sozialisationsecke. Hier habe ich selber als kleiner Junge schwimmen gelernt. Wie viele tausend Sprünge sind schon vom Sprungturm gesprungen worden. Man kann sie gar nicht zählen.“ Auch Bürgermeister Josef Lutzenberger kommt in seiner Eröffnungsansprache ins nostalgische Schwärmen. Regenschauer und für die Jahreszeit viel zu kühle Temperaturen hatten die Uttinger nicht abschrecken können. Zahlreich waren sie zu der Ausstellungseröffnung erschienen. Mit Regenschirmen ausgerüstet trotzten sie dem wenig sommerlichen Wetter.

Der Generalkonservator Professor Egon Johannes Greipl war eigens aus Passau angereist und unternahm einen Streifzug durch die Geschichte der Badehäuser, Strandbäder und Bademoden. Christine Riedel hatte gleich zu Beginn eine frohe Botschaft zu verkünden: Die ältesten Gebäude des Strandbads, die Umkleidekabinen von 1929 sowie der alte Kiosk von 1930, stehen seit dem 8. Juli unter Denkmalschutz. Das habe das Landesamt für Denkmalpflege beschlossen, sagte die Frau des Fotokünstlers Harry Sternberg. „Und der Uttinger Gemeinderat begrüßt das sehr“, betonte Bürgermeister Lutzenberger.

Gut ein halbes Jahr Arbeit stecke in der Ausstellung, zu der jetzt auch ein Katalog veröffentlicht wurde, erläuterte Sternberg. Mehr als ein Dutzend Helfer habe daran mitgewirkt. „Es ist erstaunlich, was der ursprüngliche Ärger über die Strandbadmarkise alles bewirkt hat.“

Bei der „Schatzsuche“ sei man unter anderem im Archiv des Ammerseekuriers fündig geworden. Dort seien viele, viele Berichte über die Geschehnisse in dem gut 100 Jahren alten Bad nachzulesen. Außerdem haben viele Uttinger Erinnerungsstücke zusammengetragen. So ist in der Ausstellung die Original-„Badebux“ eines Bademeisters mit Wasserwachtabzeichen zu sehen. Auch sind alte Holzbierkästen, eine Sonnenliege, Badekappen und vieles mehr ausgestellt. Sehr passend dazu zwei große Bilder der Uttinger Malerin Angelika Böhm-Silberhorn. Auf großen Tafeln wird anhand alter Fotos und Postkarten sowie von Zeitungsberichten und Erzählungen nicht nur die Geschichte des Bades erzählt.

Themen sind auch die Badekabinen, die Entwicklung des Tourismus am Ammersee, der legendäre Sprungturm, die Kiosk- und Strandbadpächter, die wechselnden Bademoden und die berühmten Badezüge, die von Augsburg und München nach Utting „an den Bauernsee“ verkehrten. „Was ist Utting? Kein ‘fashionabler’, kein internationaler Fremdenzentralpunkt mit rauschenden Festen und Festvorstellungen, aber ein den Freunden schöner Natur und idyllischer Behaglichkeit längst sympathischer Begriff und ein von den Gästen aus der weiten Welt von Jahr zu Jahr in wachsender Zahl aufgesuchtes Plätzchen, ein kerniges altbayerisches Dorf im herrlichen Voralpenraum“, so ist beispielsweise in einer Broschüre von 1956 nachzulesen. Die „Uttinger Strandbadgeschichte(n)“ sind im Kunstraum Mezzavia noch bis zum 7. August zu besichtigen. Die Ausstellungsmacher rufen schon jetzt dazu auf, nach weiteren Fotos, Dokumenten und Berichten zu fahnden. „Denn die jetzige Ausstellung dokumentiere nur die Zeit vom Bau des Bades Anfang des vergangenen Jahrhunderts bis in die 1970er-Jahre, betonte Riedel.

Strandbadgeschichte(n), Kunstraum Mezzavia, Mühlstraße 4, Montag, Donnerstag, Freitag von 14 bis 20 Uhr, Samstag, Sonntag und Feiertag von 12 bis 20, bei schönem Wetter täglich.

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