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Landsberg

17. Februar 2011 01:00 Uhr

Nachruf

Der große Unbekannte der Reklamekunst

Maler und Grafiker Julius Stürmer 95-jährig gestorben

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Julius Stürmer und das Aquarell „Der Mann mit der Stacheldrahtkrone“, das er nach den Eindrücken der Zeit im Straflager in Workuta malte.
Archiv-Foto: G. Modlinger

Geltendorf Geltendorf hat einen prominenten Bürger verloren: Am 7.Februar ist der akademische Maler und Grafiker Julius Stürmer im Alter von 95 Jahren gestorben. Schnelle Autos und bekannte Schauspieler waren die Sujets seiner berühmten Werbegrafiken: Er arbeitete vor und während des Zweiten Weltkriegs unter anderem für die Autounion, BMW, NSU, für die Ufa und die Bavaria Film. Nach der Lagerhaft in der Sowjetunion gelang es ihm in den 1950er-Jahren an die früheren Erfolge anzuknüpfen: Er malte und entwarf Plakate für Audi, Daimler, DKW, Dornier, Opel, Porsche, Shell und Volkswagen.

Stürmer wurde am 22. Mai 1915 in Karansebesch in Österreich-Ungarn, heute Rumänien, als Sohn eines Dekorations- und Kirchenmalers geboren. Er studierte in Temesvar und an der Kunstakademie in Berlin Malerei und Kunsterziehung. Hier setzte auch der Beginn seiner Karriere als Werbegrafiker und -maler an, er arbeitete für die Auto-Union, die Bavaria Film und für die Ufa, war aber auch in Temesvar und in der Niederlausitz als Lehrer tätig. Von 1940 bis 1944 war er Landesbeauftragter für künstlerische Formgebung in der deutschen Volksgruppe in Rumänien.

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15 Jahre im Arbeitslager

1944 wechselte Rumänien die Fronten und schloss sich der Sowjetunion an. Stürmer wollte seine Familie in Sicherheit bringen. Weihnachten 1946 wurde er unter dem Verdacht, amerikanischer Spion zu sein, verhaftet und zu 15 Jahren Arbeitslager verurteilt. Über diese Zeit legte er erst vor einigen Jahren mit der Veröffentlichung „Die eisige Hölle von Workuta“ Zeugnis ab. 1956 war er einer der letzten 29 deutschen Gefangenen, die nach der Moskaureise von Kanzler Konrad Adenauer in Berlin eintrafen.

Dem Künstler gelang es, an seine früheren Erfolge anzuknüpfen, er wurde wieder als Werbegrafiker für die Automobilindustrie tätig und er porträtierte Pioniere der Raumfahrt. Eine Dauerausstellung gibt es im Auto-Museum in Wolfegg im Allgäu zu sehen, dem Stürmer Arbeiten überließ. In der Zeitschrift Motorklassik beschreibt Christian Steiger Julius Stürmer als einen „der großen Unbekannten der Reklamekunst“. Die Darstellungen der Geltendorfer Ortsteile im Rathaus sind auch Werke von Julius Stürmer. Den Geltendorfern brachte eine von der Gemeinde initiierte Ausstellung 2005 zum 90. Geburtstag die Arbeiten des Künstlers näher. Für Bürgermeister Wilhelm Lehmann war es eine „besondere Erfahrung“, den Künstler und auch Zeitzeugen kennenzulernen, „der hier im Verborgenen lebte“. Stürmer zog 1968 mit seiner zweiten Frau Ingrid nach Geltendorf, zwei Töchter aus erster Ehe leben in den USA. (smi)

Trauergottesdienst mit anschließender Urnenbeisetzung ist am Freitag, 18. Februar, ab 14 Uhr in „St. Stephan“ in Geltendorf.

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Schlagworte

Geltendorf | Rumänien | Sowjetunion | Berlin | BMW | NSU | Audi

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