Donnerstag, 17. August 2017

Landsberg

17. November 2016 14:00 Uhr

Landsberg

Detailverliebt oder lieber formenstreng

Ein vielschichtiger Beitrag zum sperrigen Thema Rokoko. Der Regionalverband der Bildenden Künstler in Landsberg zeigt Werke von 30 Künstlern. Von Minka Ruile

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Eine themenbezogene Ausstellung ausgerechnet zum Rokoko. Wie Einführungsrednerin Birgit Kremer anlässlich der Vernissage in der Säulenhalle berichtete, war der Vorschlag von RBK-Vorsitzender Silvia Großkopf, unter dem Titel „Look at Dominikus Zimmermann“ einen Beitrag zum Gedenkjahr anlässlich des 250. Todestages des berühmten Baumeisters und langjährigen Bürgers der Stadt Landsberg zu leisten, bei den wenigsten seiner Mitglieder auf spontane Zustimmung gestoßen. Zu groß die Vorbehalte gegenüber dieser Nachfolgeepoche des Barock, die in der Abgrenzung zu dessen „Gedankenschwere“ mit nur mehr geschmäcklerisch Elegantem nicht selten übers Ziel hinausgeschossen war.

Das Rokoko, detailverliebtheit und voller augenschmeichelnder Oberflächenschönheit, so brachte Kremer die Vorbehalte der Künstler auf den Punkt, „ist in unserer eher nüchternen, zur Formenstrenge neigenden Zeit in Verruf geraten.“

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Immerhin 30 RBK-Mitglieder hatten sich der Herausforderung dann aber doch gestellt. Und nicht nur Dritter Bürgermeister Axel Flörke, in Vertretung seiner Frau, Kulturbürochefin Claudia Flörke, fand es ungemein „spannend, wie Dominikus Zimmermann hier aufgefasst und in die heutige Zeit übersetzt wird“.

In seiner Eröffnungsrede, mit Hinweisen auf die beiden anderen derzeit laufenden Ausstellungen zum Thema im Rathaus und Neuen Stadtmuseum, zeigte sich der Kulturreferent beeindruckt nicht nur von der Vielzahl und Qualität der eingereichten Arbeiten, sondern insbesondere auch von der außerordentlichen kuratorischen Leistung des Vorstands unter der „engagierten Führung“ seiner Vorsitzenden.

„Look at Dominikus Zimmermann“ wollte Silvia Großkopf nicht nur als Aufforderung an die Künstler, sondern ebenso an die Kunstinteressierten verstanden wissen. Während deren Hauptaugenmerk im anfänglich dichten Gedränge erst einmal nur einzelnen Werken gelten konnte, und es Bildhauerisches, Fotografisches wie auch überwiegend Malerei auf nahezu ausnahmslos hohem Niveau zu entdecken galt, zeigte sich die zweite große Stärke der Ausstellung erst, nachdem sich die Reihen etwas gelichtet hatten: Mit sicherem Gespür nicht nur für die Werke selbst, sondern auch deren Wirkung und wechselseitige Beeinflussung im Raum haben die Verantwortlichen eine Hängung besorgt, die in ihrer feinen Abgestimmtheit sowie konzeptionell fast schon künstlerischen Eigenwert besitzt.

Wie Marlen Labus in „Eikona“ in den Konstruktionslinien der Wieskirche eine Figur im Reifrock entdeckt und diese malerisch ins „Stelzer-Kostüm“ ihrer Tochter überführt, ist die Ausstellung insgesamt nach architektonischen Prinzipien „gebaut“. In gedachten Linien, oft quer über den ganzen Raum hinweg, entstehen Sichtbeziehungen, selbst zwischen vermeintlich so verschiedenen Arbeiten wie etwa Margarete Bartschs „Himmlisches Leuchten“ und Klaus Strahlendorffs „Wallfahrt“, in diesem Fall über die Aufnahme eines gemeinsamen Aspekts beider Werke: der dramatischen Inszenierung der Farbe Gelb. Eindrucksvoll auch zwei in ihrer Grundstimmung sehr unterschiedliche Dreiecks-Gruppierungen: die in ihrer farbigen Zurückgenommenheit und Selbstbeschränkung der künstlerischen Mittel wunderbar harmonierenden „Yes“ von Silvia Großkopf, Angelika Waskönigs marmorierte Säulen und weiße Säule sowie Silvia Mühleisens „Barock und Rokoko auf Romanik und Gotik - verwobene Schichtung“ einerseits und auf der anderen Seite Gislinde Schröters „Ornament“ als sanftes Echo auf Bert Praxenthalers üppig ausdekorierten, schrillen „rokokopunkaltar“ und diesem gegenüberstellt Egon Stöckles sakrale Formen aufnehmendes „Altärchen ,O donna’“, deren vordergründig, aber bei Weitem nicht einzig verbindendes Element die Verwendung beinahe des gleichen Rottons für die Gestaltung unterschiedlicher Hintergrundsituationen ist.

„Look at Dominikus Zimmermann“, der Beitrag des RBK zum Gedenkjahr für den berühmten Baumeister und Marmelierer, bildet in seiner facettenreichen Bestandsaufnahme eines viel geschmähten Zeitalters und der gelungenen Übersetzung in die heutige Zeit zweifellos einen Höhepunkt im Rahmenprogramm, und hat eine Besucherin der Vernissage ganz besonders begeistert: Sigrid Knollmüller, frühere Kulturbürgermeisterin der Stadt Landsberg, erklärte sich deshalb spontan bereit, am kommenden Sonntag Interessierte durch die Ausstellung zu führen und einen Vortrag über Dominikus Zimmermann zu halten.

Öffnungszeiten: Montag bis Freitag, 16-20 Uhr, Samstag und Sonntag, 14- 20 Uhr. Vortrag von Sigrid Knollmüller: Sonntag, 20.11., 16 Uhr Säulenhalle am Stadttheater in Landsberg.

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