Mittwoch, 26. Juli 2017

Landsberg

15. Mai 2017 15:14 Uhr

Ludenhausen

Die Freiheit, sich zu entwickeln

Sudbury Schule Ammersee lud zum Aktionstag und ließ Bildungsexperten zu Wort kommen. Max Uthoff diskutierte mit.

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Sag es mir und ich werde es vergessen. Zeig es mir, und ich werde es vielleicht behalten. Lass es mich tun, und ich werde es können.“ Mit diesem Zitat verdeutlichte Max Uthoff, warum spielerisches Lernen wichtig ist. Ein Auftritt des Kabarettisten („Die Anstalt“) war bei der Benefizveranstaltung zugunsten der Sudbury-Schule, einer demokratischen Schule, eingeplant, doch der Münchner Künstler setzte sich im Verlauf der Podiumsdiskussion lieber selbst als Mitredner auf die Bühne im Saal des Kulturzentrums Happerger in Ludenhausen. Freilich formulierte er auch dort pointiert: „Raten Sie mal, von wem das Zitat ist, von Konfuzius oder von Kultusminister Spänle ...“ Denn vor dem Hintergrund, dass die Schule derzeit vom Kultusministerium nicht genehmigt ist, stand die Diskussion unter der Überschrift „Sudbury Schule Ammersee, eine Chance für Bayern“.

Mit dieser Chance beschäftigte sich eine internationale Runde von Bildungsexperten, allen voran der Entwicklungspsychologe Peter Gray, der am Boston College als Professor gelehrt und sich mit der Bedeutung des Spiels auseinandergesetzt hat. Er sprach von Studien, wonach Depressionen und Narzissmus zu- und Kreativität abnehme. Als mögliche Ursachen führte er an, dass Kinder und Jugendliche immer mehr Zeit in der Schule oder bei nachmittäglichen Sport- oder Musikstunden verbrächten. Sie dürften nicht mehr draußen spielen, ohne dass ein Erwachsener dies überwache. Für ihn ist es bedenklich, „wenn Kinder nicht mehr lernen, ein eigenes Leben zu leben.“ Wie Kinder an einer demokratischen Schule ihr eigenes Leben gestalten können, konnte anhand von Filmen erfahren werden oder im Gespräch mit zwei Absolventen, einer Dänin und einem Israeli, sowie in Diskussionen mit anderen Gästen an den Biertischen im Garten.

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Auf dem Podium berichtete der Niederländer Peter Hartkamp über den eigenen Kampf, Sudbury-Schulen zu gründen. Er ist Ratsmitglied in der European Democratic Education Community (EUDEC), der europäischen Vereinigung demokatischer Schulen. Die Prinzipien ließen sich auch bei Unternehmen einsetzen – mit Erfolg. Hartkamp sieht hierarchische Strukturen „über kurz oder lang aussterben“. Ein Argument, mit dem man bei der Bayerischen Regierung punkten könnte, nannte der israelische Bildungsexperte Yaacov Hecht: 40 Prozent der Absolventen demokratischer Schulen würden sich selbstständig machen. Denn sie seien besser fähig, ihre Kreativität einzubringen. In Israel sind demokratische Schulen im Bildungssystem integriert und bekannt, wie Hecht sagte: „Fragen Sie einen Taxifahrer nach demokratischen Schulen und er wird Ihnen antworten.“ Wie die unter Tony Blair günstige Entwicklung für demokratische Schulen durch die erste PISA-Studie gestoppt wurde, schilderte der Brite Derry Hannam. Er war 21 Jahre Lehrer und Schuldirektor an staatlichen Schulen und zwölf Jahre Schulinspektor. Er ist wissenschaftlicher Beirat der Sudbury Schule Ammersee.

Der Künstler Uthoff ist, wie er dem LT erzählte, über seine Frau, eine Grundschullehrerin, auf das Thema demokratische Schule gestoßen. Offensichtlich ist nicht nur Uthoffs Frau unzufrieden mit den hierarchischen Strukturen im aktuellen Bildungssystem. Auf Nachfrage von Yaacov Hecht, wer denn Pädagoge sei, hatten sich vor der Veranstaltung gleich eine Reihe von Zuschauern erhoben. Neugierig war auch die Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes, Simone Fleischmann. In dieser Funktion und als Mitglied des Forums Bildungspolitik hatte sie 2016 den Schulbetrieb in Ludenhausen, der keinen der Schüler dazu zwingt, etwas zu lernen, besucht. Und sich erst einmal darauf einlassen müssen: „Die Kinder haben mir dann erklärt, wie ihre Schule funktioniert.“

Gerlinde Rüdinger-Wagner erläuterte, wie es zur Schließung der Schule kam. Sie setzt auf positive Gespräche mit den Verantwortlichen im Ministerium. Minister Spänle hätte Moderator Stefan Hief auch gern bei den nächsten „Seegesprächen“, die am 25. Juni im Bürgerstadl Grafrath (ab 12 Uhr) „Neue Schulen braucht das Land“ zum Thema haben.

Ein wenig Kabarett von Max Uthoff – gewohnt bissig gegenüber dem Geschehen in Politik und Gesellschaft – konnten die Zuschauer dann doch erleben, bevor der lange Aktionstag mit der afrikanischen Band Mbollo abschloss.

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Ein Artikel von
Stephanie Millonig

Landsberger Tagblatt
Ressort: Lokalnachrichten Ammersee


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