Donnerstag, 24. August 2017

Landsberg

03. Mai 2014 00:59 Uhr

Lesung

Die Lyrik an den letzten Montagen

Die Kulturreihe von Sebastian Goy besteht seit zehn Jahren Von Andreas Frey

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„All on Stage“ sind (von links): Claus-Peter Lieckfeld, Thomas Raff, Sebastian Goy, Peter Becher, Katja Huber, Elisabeth Günther und Egon Günther.
Foto: Andreas Frey

So eng war es selten bei „Goys letzte Montage“. Die Veranstaltung am letzten Aprilmontag trug allerdings auch ein besonderes Signum: Sie markierte das zehnjährige Bestehen der Kulturreihe. Dazu hatte Sebastian Goy sechs Protagonisten geladen, die der örtlichen Kunst verpflichtet sind und bereits öfter aufgetreten waren.

Als Vorsitzender des Dießener Heimatvereins – einer Organisation, welche die „Letzten Montage“ vereinsrechtlich unter ihre Fittiche genommen hat – versuchte Thomas Raff eine Klärung, was diese Veranstaltungsserie eigentlich ausmacht. „Wie das Amen in der Kirche treffen sich an den letzten Montagen eines Monats manche und solche, um manches zu hören und zu erfahren, bis hin zur Demontage“, sagte der Kunsthistoriker in einem viel beschmunzelten Wortspiel. Letztlich ähnle das Treffen einem literarischen Salon, nur, dass es in Dießen weniger mondän zugehe als in einer Großstadt. Die gängigen „Auftrittsplatzhirsche“ würden nie eingeladen, und mit seiner individuellen Auswahl sei Sebastian Goy auch „kein Salonlöwe, sondern eher eine Salondame.“ Nach dem Dank an den „Monteur“ für das zehnjährige Durchhalten folgten die kurzen Lesungen.

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Der Lyrik verpflichtet war Elisabeth Günther. In stakkatoschnellem Vortrag las sie den eigenen Text „Mischwesen“. Inhaltlich ging’s um die Apokalypse einer brennenden Stadt, die durch panisch rennende Tiere in einer Art Anti-Arche-Noah-Szenerie kulminierte: „In blanker Pein und wilder Wut, unaufhaltsam und unerzwinglich, wuchtet sich der horrende Pulk vorbei, eine vielgestaltige Schrecklichkeit...“ Der Eindruck dieser gewaltigen Bilder kam einem Krimi gleich.

Ebenfalls die Lyrik bediente Egon Günther, nicht verwandt mit seiner Vorrednerin. Der Riederauer wurde in seinen Zeilen eher nachdenklich. Die Kurzprosa zu einer „Landpartie“ demaskierte die heile Welt der Vorgärten: „Unheil-Hecken / in verschwiegener Zwietracht.“ Begeistert lauschte das große Publikum im voll besetzten Tonnengewölbe des Maurerhansl den leiseren Tönen, die Claus-Peter Lieckfeld anschlug. Mit dem Windacher sinnierte man gern über die kauzige Perspektive des Dachses „Earl Grey“ im Münchner Englischen Garten: „Regenwürmer sind nicht immer zu haben, nur in taufeuchten Noch-Nächten…“

Da konnte dann auch Sebastian Goy selber nicht zurückstehen. Eines seiner Gedichte schien eine versteckte Hommage an Dießen: „Über dem Kirchenschiff / die Heißluft-Bicyclette / weit unten bewegt sich das Schilfrohr / er / wirft Anker am Wetterhahn.“

Goy – eigentlich ein selbstironischer Künstlername, der im Jiddischen einen unverständigen Nichteingeweihten meint – kam 1957 erstmals nach Dießen, als seine Familie im Haus der Großeltern Aufnahme fand. Nach auswärtigen Wohnorten folgten Stationen in Utting, Thaining und Schondorf, bis Sebastian Goy 1991 endgültig in Dießen Wurzeln schlug. Seine „Letzten Montage“ entstanden, als die Künstler-Initiative im ehemaligen Dießener Krankenhaus, dem „K 7“, aufblühte: „Ich weiß gar nicht mehr, ob die Idee durch mich oder durch Alexander Netschajew geboren wurde, dass ich zum K7 auch etwas beitragen könnte...“

Der dicht gepackte Jubiläumsabend umfasste auch Prosa, herausragend vertreten durch die Radio-Stimme von Peter Becher. Der präsentierte einen Auszug aus einem gerade entstehenden Roman, worin ein Böhmerwald-Bub sich noch einmal ins bereits weitgehend verfallene Elternhaus schleicht. Hierzu fand der Münchner Literat ungemein intensive Sinneseindrücke und Rückblenden.

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