Donnerstag, 23. Mai 2013

06. Juli 2012 12:05 Uhr

Professjubiläen

Die Mission blieb ein Traum

In St. Ottilien werden am Samstag langjährige Konventualen gefeiert. Bruder Karl Käßmair ist schon seit 1942 dabei, und er wurde immer in der Erzabtei selber gebraucht

St. Ottilien „Als Ministrant hab’ ich mir das schon überlegt, und mit 14 hab’ ich gewusst, dass ich ins Kloster gehen will.“ Das war in den 1930er-Jahren. Am morgigen Samstag kann Bruder Karl, von dem dieser Ausspruch stammt, in der Klosterkirche St. Ottilien sein 70-jähriges Professjubiläum feiern. „Ich wollte Missionar werden, das war mein Traum“, erklärt der Benediktinermönch. Doch auch wenn sich dieser nicht erfüllte, sei er doch immer glücklich gewesen über seine Entscheidung, weiß er heute.

Geboren wurde Bruder Karl am 28. Juni 1923 als Franz Käßmair in Zusamzell, einem Ort auf halbem Weg zwischen Augsburg und Dillingen. Gleich nach dem Volksschulabschluss siedelte der 14-Jährige über ins Lehrlingsheim St. Gabriel in St. Ottilien. „Meine Eltern haben die Entscheidung, dass ich ins Kloster gehe, akzeptiert“, erinnert sich Bruder Karl, „obwohl es ihnen schon schwergefallen ist und ich meinen Vater beim Abschied das erste Mal weinen sah.“

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Was er genau werden sollte, das war dem Buben egal, „Hauptsache, es ist etwas, das man in der Mission brauchen kann“. Zunächst habe es geheißen, dass in der Erzabtei ein Buchdrucker fehle. Nach einem halben Jahr Arbeit in der Landwirtschaft, das für alle Lehrlinge vor Beginn der eigentlichen Lehrzeit obligatorisch war, sei ein Metzger vonnöten gewesen. Also hat Bruder Karl diesen Beruf erlernt und die Gesellenprüfung in Landsberg mit der Note 1 abgelegt, wie er stolz erzählt. Später kam noch eine Zimmererlehre mit Gesellenprüfung dazu – „weil halt ein Zimmerer gebraucht wurde“. Den Metzgerberuf hat Bruder Karl mit der Meisterprüfung vervollständigt. Zwischenzeitlich diente er der Klostergemeinschaft als Hausmeister, war für die Prokura im Außendienst und ist dabei „viel herumgekommen“, wie er erzählt. „Dafür hab ich aber erst den Führerschein machen müssen.“

Bruder Karls Weg in die Gemeinschaft der Benediktiner in St. Ottilien war trotz oder vielleicht gerade wegen schwieriger Zeit nicht allzu lang. Am 21. März 1942 legte der damals 18-Jährige nach einem Jahr Postulat und einem weiteren Jahr als Novize als Einziger die feierliche Profess ab. „Die Gestapo war da und hatte alles beschlagnahmt“, erinnert sich der Mönch. „Unser Erzabt war in Schäftlarn, von den Patres haben nur zwei dableiben dürfen.“ Lediglich die für den Fortgang der Klosterbetriebe notwendigen Arbeiter hätten sich im Kloster aufgehalten. Weil die Kirche zugesperrt war, habe er seine Eltern über die Klostergebäude zur Feier in die Kirche geführt. Kurz danach habe auch ihn der Stellungsbefehl erreicht. Den Zweiten Weltkrieg erlebte Bruder Karl in Südfrankreich und der Normandie, in Russland war er an der Front, holte sich erfrorene Zehen und stieg zum Unteroffizier auf. Zurück im Kloster, diente er der Gemeinschaft mit seinen Talenten, „bis es nicht mehr gegangen ist“.

Sein erstes Gedicht kann er noch immer auswendig

Das waren neben seinen Berufen die Feuerwehr, Fußball und Frühsport mit den Lehrlingen, Tenorhorn in der Blaskapelle. Heute verbringt Bruder Karl seine Tage mit Spaziergängen, Radiohören und lesen.

Gedichte schreiben für Geburts- und Namenstage geht aber nicht mehr, und das bedauert er schon sehr. „Wissen Sie“, sagt Bruder Karl, „körperlich geht’s mir ja noch ganz gut. Aber die Schaltung im Oberstübchen will nimmer so richtig.“ Das allererste Gedicht „Die Schwalbe“, das er noch in Schulzeiten verfasst hat, das kann Bruder Karl aber heute noch auswendig aufsagen. (löbh)

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