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09. Oktober 2009 19:15 Uhr

Die Musiker reisen nach Landsberg

Landsberg (löbh) - Wie hat es der Landsberger doch bequem. Während anderswo der Kulturbeflissene stunden- und kilometerlange Anreisen in Kauf nimmt, um in den Genuss eines Luxuskonzerts mit Spitzenmusikern zu kommen, ist es in Landsberg umgekehrt. Hier reist der Musiker von Rang an und der Zuhörer hat keine Hektik, kann entspannt im betreffenden Konzertsaal Platz nehmen und das Ereignis genießen.

Das wissen viele zu schätzen, entsprechend gut besucht sind hochkarätige Veranstaltungen. Den jüngsten Beweis für Qualität und Interesse trat die neue, vom gebürtigen Landsberger Franz Lichtenstern initiierte Reihe "Kammermusik im Bibliothekssaal" an. Für das erste Konzert "Joseph Haydn in memoriam 1809" mussten alle verfügbaren Stühle hergeschafft werden, um den strömenden Konzertbesuchern Sitzplätze in der Alten Bibliothek des Agrarbildungszentrums bieten zu können.

Wunderbarer Raum, glasklare Akustik

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In diesem Raum mit dem wunderbaren Ambiente, der gleichbleibend glasklaren Akustik, brachte das Ensemble rund um Franz Lichtenstern in unterschiedlichen Besetzungen Kammermusikwerke von Haydn und, fast als wäre es zum Vergleich, ein Mozart-Quartett zur Aufführung. Die offensichtliche Spielfreude der fünf angereisten Musiker, allesamt Orchestermitglieder im Staatstheater am Gärtnerplatz, zog sich dabei wie ein roter Faden durch das ganze Konzert. Das Erlebnis für die Zuhörer beschränkte sich deshalb nicht allein auf das Hören.

Die strahlenden Gesichter der Aufführenden zu sehen, deren Körpersprache zu beobachten, war zusätzliches, visuelles Ereignis. Eine Besonderheit war der vom Gärtnerplatztheater kostenlos zur Verfügung gestellte Hammerflügel.

Er ist einer historischen Vorlage aus der Zeit Haydns nachgebaut und vermittelte mit seinem Klang, der wesentlich zurückhaltender ist als der Ton heutiger Klaviere und Flügel, ein der damaligen Zeit nachempfundenes, authentisches Musikhören. Eröffnet wurde der kammermusikalische Spätnachmittag mit dem Klaviertrio Nr. 43 in C-Dur, einem der späteren Werke Haydns. Den Violinpart spielte die ausgezeichnete Kumiko Yamauchi, die bereits bei den Landsberger Sommermusiken zu hören war. Butterweiche Einsätze in zartem Piano - Franz Lichtenstern konnte im Andante des zweiten Satzes seine und die Klasse seines Vuillaume-Violoncellos voll zur Geltung kommen lassen. Vor allem im furiosen Finale brillierte Anke Schwabe am Hammerflügel; technisch versiert und in atemberaubender Geschwindigkeit platzierte sie ihre Läufe zwischen die beiden Streicher.

Es folgte das Streichquartett in B-Dur aus dem sogenannten "Erdödy-Zyklus", dem auch das bekannte Kaiserquartett angehört. Seinen Beinamen "Sonnenaufgang" hat das Stück von den regelmäßig zu Beginn einer Phrase nach oben sich drehenden Läufen der ersten Geige, wunderbar gestrichen von Kumiko Yamauchi und Impuls gebend für Christian Schödl (Violine), Rainhard Lutter (Viola) und Franz Lichtenstern (Cello). Sehr schön und einfühlsam musizierte das Quartett die Übergänge von getragen nach leicht und luftig. Ansonsten: homogener Ensembleklang, aufmerksames aufeinander Eingehen, vom Publikum mit Jubelrufen honoriert. Ein wenig ruhiger ist das Klaviertrio Nr. 40 in fis-Moll, bei dem Christian Schödl den Violinpart übernahm. Alle drei Sätze sind melodiös, tänzerisch, lassen den Interpreten Platz zur eigenen Entfaltung. Verspielter, gleitender wirkte im Vergleich mit den Haydnwerken das Quartett in Es-Dur von Mozart, als Abschluss des Konzerts. Mozarts scheinbar leicht dahingeschriebenes, jugendliches Werk fordert von den Musikern allerdings einiges, vor allem perfektes Zusammenspiel, um die vielen Verzierungen und mozarttypischen Schnörkel zur Wirkung kommen zu lassen. Dieser letzte Leckerbissen des Konzerts wurde zur eindrucksvollen Demonstration musikalischer Übereinstimmung. In begeisternder Manier, mit lächelnder Miene und Freude, warfen sich Anke Schwabe, Kumiko Yamauchi, Rainhard Lutter und Franz Lichtenstern die Klangbälle zu.

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