Die Katastrophe in Fernost wirkt sich auch auf das Leben in der Region aus. Die Stadtwerke melden das Vier- bis Fünffache an Abschlüssen für Strom aus Wasserkraft. Von Dieter Schöndorfer

Landkreis Mit einer Mahnwache wollen die Landsberger Grünen, die SPD, die ÖdP und der Bund Naturschutz heute Abend (17 Uhr) auf dem Hellmairplatz mit möglichst vielen Menschen der Opfer der Katastrophen in Japan gedenken. Damit soll aber auch an die sich anbahnende dritte Katastrophe erinnert werden, den atomaren GAU im Kernkraftwerk Fukushima.
Auch wenn die Katastrophen Tausende von Kilometer entfernt sind, beschäftigt das Schicksal der dortigen Bevölkerung auch die Region. Täglich in Kontakt mit der japanischen Niederlassung in Tokyo ist zum Beispiel der Vorstandsvorsitzende der Rational AG, Dr. Günter Blaschke. So ließ Blaschke mitteilen, dass der dortige Rational-Geschäftsführer tatsächlich alle Hände voll zu tun habe, den Betrieb aufrechtzuerhalten, vor allem, da in Tokio täglich der Strom für mehrere Stunden abgeschaltet werde.
Keinen Handlungsbedarf hat derzeit der Kreisverband des Bayerischen Roten Kreuzes. Geschäftsführer Anton Huber berichtet aber von zunehmenden Spendenanfragen aus der Bevölkerung: „Die verweisen wir auf das Spendenkonto 41 41 41 des Deutschen Roten Kreuzes.“ Allerdings geht Huber davon aus, dass die Lage in Japan so schnell nicht beherrschbar sein wird. Sobald ein Hilfeersuchen aus Fernost kommt, wird sich wohl auch Personal aus Landsberg auf den Weg machen.
Über Interesse und Aufklärungsbedarf in der Bevölkerung berichtet der Landsberger Apotheker Marc Schmid. Täglich kämen Anfragen, vor allem nach Jodtabletten – auch aus der Ärzteschaft, die sich aber um hochdosierte Jodtabletten drehen. Marc Schmid: „Doch die sind von der Regierung eingelagert und werden nur im Bedarfsfall verteilt.“ Dennoch nehme er die Ängste ernst und berät die Kunden: „Die Leute wollen was hören.“
Eine steigende Nachfrage ganz anderer Art erfährt derzeit Stadtwerke-Chef Norbert Köhler. Der Energieladen am Hauptplatz sei gut besucht. Der Grund: Die Stadtwerke bieten Strom aus 100 Prozent Wasserkraft an: „Wir haben derzeit das Vier- bis Fünffache an Abschlüssen.“ Konsequenzen aus den Ereignissen fordert der Grünen-Abgeordnete Ludwig Hartmann: „Wir sollten schnellstmöglich wieder die Debatte über Windkrafterzeugung und deren Ausbau im Landkreis führen.“ Auch Stadtpfarrer Reiner Hartmann hofft, dass aus dieser Katastrophe Lehren gezogen werden: „Die Menschen entwickeln sich nun mal nicht durch Vernunft.“
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