Samstag, 21. Oktober 2017

Landsberg

16. September 2016 10:48 Uhr

Die mutige Vorgehensweise wird belohnt

Auszeichnung Bestandssicherung der Europäischen Holocaustgedenkstätte erhält Bayerischen Denkmalpflegepreis

i

Von Dieter Schöndorfer

Landsberg/Oberschleißheim Zum fünften Mal wurde am Donnerstagabend im Schloss Schleißheim der Bayerische Denkmalpflegepreis übergeben – zum ersten Mal gehört Landsberg zu den Preisträgern. So wurde unter 40 eingesandten Projekten die Bestandssicherung an den Tonröhrenunterkünften im ehemaligen KZ-Außenlager Kaufering VII in der Kategorie „Private Bauwerke“ mit Gold ausgezeichnet.

ANZEIGE

Für Manfred Deiler, Präsident der Europäischen Holocaustgedenkstätte Stiftung und Projektleiter der Erhaltungsmaßnahme an der Erpftinger Straße, war die auszeichnung nicht nur ein Lob für ausgezeichnete Ingenieurtätigkeit, sondern ein „Teampreis“, der die Gemeinsamkeit des Wirkens an der Maßnahme noch deutlicher herausstellt. Passend zum Motto des in der vergangenen Woche stattgefundenen Tag des offenen Denkmals „Gemeinsam Denkmale erhalten“ ist auch der Erhalt der Tonröhrenunterkünfte ein Beispiel des Zusammenwirkens von Eigentümern, Bauherren, Architekten, Ingenieuren und Handwerkern wie den denkmalschutzbehörden und dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege. Das betonte Bayerns Innen- und Baustaatssekretär Gerhard Eck bei der Preisverleihung im Prunksaal des Schlosses.

Dass in Landsberg ein mehr als nur hochwertiges und jederzeit funktionierendes Team mit der Bestandssicherung der Tonröhrenunterkünfte beschäftigt war, das verdeutlicht schon allein die Tatsache, dass das Büro Barthel & Maus, Beratende Ingenieure, an drei der insgesamt sechs mit einem Preis ausgezeichneten Projekten beteiligt waren. Sie entwickelten unter anderem zusammen mit dem Stuckrestaurator Thomas Salveter eine Spezialverdübelung, mit der die nicht nur bauhistorisch bedeutenden Tonröhrengewölbe gegen den Einsturz gesichert wurden.

Gerade diese auf das Projekt an der Erpftinger Straße exakt zugeschnittenen Techniken und Vorgehensweisen, die der Besonderheit der historischen Anlage und deren Einbettung in der Zeitgeschichte unbedingt Rechnung tragen mussten, sind es, die zu der Auszeichnung führten. Das Besondere an dem Denkmalpflegepreis, der vom Landesamt für Denkmalpflege und der Ingenierekammer-Bau alle zwei Jahre ausgelobt wird, ist nämlich, dass er den Fokus auf die Ingenieurleistung legt. Die Herausforderung war daher nicht, die Gebäude wiederherzustellen, sondern lag in der Bestandssicherung der Bausubstanz wie auch der noch vorhandenen Teile von bereits eingestürzten Gebäuden.

Das hatte zudem so zu geschehen, dass am Ende die notwendigen Eingriffe und Maßnahmen an der Bausubstanz nicht erkennbar und sichtbar waren. In der Begründung für die Auszeichnung ist unter anderem festgehalten, dass die gefundene Lösung, die zum Teil schadhaften Tonröhren nur von Außen zu sichern und damit auf eine Stützfunktion im Innenraum zu verzichten, besonderes hervorzuheben sei. Die Jury urteilte: „Die mutige Vorgehensweise bei der nur konservierenden Behandlung der Tonröhren und die Abstimmung aller Maßnahmen zwischen den Planern und dem Restaurator stellen eine herausragende Leistung dar.“

Damit es aber überhaupt soweit kommen konnte, war das Zusammenwirken vieler Personen und Institutionen unabdingbar, auch wenn sie nicht alle mit Ingenieurkunst zu tun haben, erklärt Manfred Deiler. Damit meint er die Stiftungsmitglieder Manfred Bechtel, Vincenzo Minutillo und seine Ehefrau Helga Deiler, die ihm als Projektleiter vor allem in der frühen Planungsphase den Rücken freihielten. Dazu komme das Landesamt für Denkmalpflege mit dem Landeskonservator Dr. Bernd Vollmar und dem Amts-Chef Generalkonservator Professor Mathias Pfeil sowie die Stiftung Bayerischer Gedenkstätten und die Deutsche Stiftung Denkmalschutz.

Wo so viele Parteien an einem Strang ziehen, muss ein „nicht ganz unkompliziertes“ Projekt wie das ehemalige KZ-Außenlager Dachaus zwangsläufig zu einem Erfolg werden. Oberbürgermeister Mathias Neuner, selbst Bau-Ingenieur und Mitglied der Bayerischen Kammer, war ebenfalls vor Ort: „Die Auszeichnung ist auch schön für die Stadt, weil sie dokumentiert, dass wir uns gerade zum Thema Denkmalschutz sehr engagieren und viele Gedanken machen.“ Er nutzte die Gelegenheit zum Gespräch mit dem Kammerpräsidenten Dr. Heinrich Schroeter, den er dann unmittelbar nach der Verleihung gestern in Landsberg begrüßen durfte. Schroeter ist nämlich Mitglied der Fachjury im Gestaltungswettbewerb zum neuen Lechsteg.

Nach Landsberg belegte Schloss Weißenstein im oberfränkischen Pommersfelden Rang zwei, das ehemalige Bürgerhaus in Freising kam auf Rang drei.

In der Kategorie „Öffentliche Bauwerke“ lautet die Reihenfolge Kloster Raitenhaslach (Burghausen), Pfarrkirche St. Maria Loreto (Ramsau) und die nördliche Karlsbrücke in Nürnberg.

i

Mehr zum Thema
Ihr Wetter in Landsberg
21.10.1721.10.1722.10.1723.10.17
Wetter Unwetter
                                                Wetter
                                                Regenschauer
	                                            Wetter
	                                            Regenschauer
                                                Wetter
                                                Regen
Unwetter8 C | 19 C
6 C | 12 C
6 C | 9 C
Das Wetter aus Ihrer Region
Nachrichten in Ihrer Region
Augsburger Allgemeine Aichacher Nachrichten Augsburger Allgemeine Donau Zeitung Donauwörther Zeitung Friedberger Allgemeine Günzburger Zeitung Illertisser Zeitung Landsberger Tagblatt Mindelheimer Zeitung Mittewlschwäbische Nachrichten Neu-Ulmer Zeitung Neuburger Rundschau Rieser Nachrichten Schwabmünchner Allgemeine Wertinger Zeitung
Ein Artikel von
Dieter Schöndorfer

Landsberger Tagblatt
Ressort: Lokalnachrichten Landsberg


Bauen + Wohnen

Alle Infos zum Messenger-Dienst
Unternehmen aus der Region

Partnersuche