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17. August 2009 18:05 Uhr

Die versteckte Botschaft in der Sonnenuhr

Landsberg Für die einen sind sie Wandschmuck, für die anderen eine schöne Spielerei und wieder andere messen ihr Faszination und Geheimnisvolles bei. Es geht um Sonnenuhren, die fast immer wahrgenommen, aber nur selten verstanden werden.

Ein Rätsel dürfte auch die neue Sonnenuhr im Giebelfeld der Marienkapelle über dem Hauptportal der Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt für viele Betrachter sein, denn sie zeigt sowohl arabische als auch römische Ziffern und der Schattenstrich des Gnomon, des Stabes, der aus der Mauer ragt, zeigt unterschiedliche Zeiten auf den beiden Zahlenskalen an.

Dazwischen steht - auch das ist ungewöhnlich bei einer Sonnenuhr - ein Text, und der ist auch noch in lateinischer Sprache verfasst. Also gleich mehrere Rätsel, die zu lösen einer der Initiatoren der Sonnenuhr von Mariä Himmelfahrt, Professor Bernhard Weißhaar, gerne bereit ist.

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Zunächst einige erklärende Sätze zur Entstehungsgeschichte der Sonnenuhr an diesem exponierten Ort. Eine Fotografie aus dem Zeitraum zwischen 1900 und 1910 zeigt Reste einer Sonnenuhr an der Landsberger Stadtpfarrkirche, auf die der ehemalige Stadtheimatpfleger Anton Lichtenstern von Hans Werner Brambach aus Penzing aufmerksam gemacht wurde.

Lichtenstern gab diesen Hinweis gleich an die Kirchenverwaltung weiter und dort wurde die Angelegenheit in die Hände von Professor Bernhard Weißhaar gelegt. Stadtpfarrer Dekan Thomas Rauch jedenfalls musste nicht zwei Mal gefragt werden, er war sofort von der Idee begeistert, im Rahmen der Kirchensanierung auch wieder eine Sonnenuhr im Giebelfeld der Marienkapelle anzubringen.

Auch die Referentin des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege, Dr. Christine Fischer, hatte keine Einwände und somit ging Weißhaar ans Werk.

Er entwarf nach dem historischen Vorbild eine Vorlage, ausgeführt wurde die Arbeit vom Kleinaitinger Maler Franz Kugelmann, der auch an den Fresken in der Stadtpfarrkirche gearbeitet hat. Die Basis der Uhr bildet ein Band mit römischen Ziffern in Form eines nach oben offenen "U" .

Darüber befindet sich in Hufeisenform, ebenfalls nach oben geöffnet, ein Band mit arabischen Ziffern. Professor Weißhaar löst das erste Rätsel. Warum zeigt der Schatten des Gnomons einmal auf die eine Zahl, auf dem zweiten Band aber eine andere? "Das Band mit den arabischen Ziffern zeigt die Sommerzeit an und das mit den römischen Ziffern die Winterzeit, also die Normalzeit." Als nächstes kommt der dreizeilige, lateinische Text ins Spiel. "HORA ISTA NOS PIE FIRMA VIRGO MARIA" steht dort zu lesen. Bei dem Text handelt es sich um ein von Professor Weißhaar erdachtes Chronogramm - und damit wird er umso geheimnisvoller.

Viele werden sofort an den "Da Vinci Code" (Sakrileg) denken, den Roman und Film von Dan Brown. Dort müssen zwar vorwiegend Anagramme (durch Buchstabenumstellung neu gebildete Sätze) gelöst werden, doch auch das Chronogramm von Professor Weißhaar hat es in sich.

Der in klassischem Latein verfasste Text lautet zu Deutsch: "In dieser Stunde gütig uns stärke, Jungfrau Maria." Damit, so Bernhard Weißhaar, kann die gegenwärtig aktuelle Stunde gemeint sein, aber auch die Todesstunde des Betrachters.

Wer genauer hinsieht, kann aber auch eine Jahreszahl aus dem Text herauslesen. Die in Chronogrammen enthaltenen Buchstaben, die zugleich römische Zahlensymbole sind (I, V, X, L, C, D, M), weisen addiert eigentlich auf die Jahreszahl des Ereignisses hin, auf das sich der Text des Chronogramms bezieht (siehe auch Infoteil).

Im Fall Mariä Himmelfahrt ergeben die Zahlen das Jahr 2010 (MMVIIIII), also das Jahr der Wiedereröffnung der Stadtpfarrkirche. Dekan Thomas Rauch ist auf alle Fälle begeistert: "Das ist ein richtiger Hingucker und das Chronogramm war eine tolle Idee von Professor Weißhaar."

Gestiftet wurde die Sonnenuhr von der Landsberger Studentenschaft aus Anlass ihres 100. Geburtstages.

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