Dießen Es hätte ein besonderes Seefest mit Jubiläumscharakter werden können, denn im nächsten Jahr sind es 100 Jahre, dass ein solches Fest in Dießen erstmals gefeiert wurde. Doch 2011 wird es überhaupt kein Seefest geben. Die Festwirtsfamilie Krämmer aus Landshut hat ihren mit der Marktgemeinde Dießen geschlossenen Vertrag gekündigt. Das Angebot eines anderen Festwirts fand in der nichtöffentlichen Sitzung des Gemeinderates kurz vor Weihnachten keine Zustimmung. Von Gerald Modlinger
Das Seefest - veranstaltet von der Marktgemeinde - stand schon länger auf der Kippe. Das Programm im Zelt wurde zunehmend ausgedünnt. Selbst der Besuchermagnet Miss-Wahl (früher vom Verschönerungsverein mitveranstaltet) wurde vor einigen Jahren an auswärtige Agenturen vergeben, was das Besucherinteresse nicht gerade förderte.
Vor zwei Jahren sollte noch einmal das Ruder herumgerissen werden. Dazu wurde eine Gruppe von Gemeinderatsmitgliedern (Antoinette Bagusat, Volker Bippus und Jürgen Zirch) zusammen mit der Journalistin Beate Bentele aktiv, um das Seefest wieder ansprechender und als Marke im Dießener Jahreslauf wieder populärer zu machen. Die Umstände blieben freilich ungünstig: Das Fischerstechen wurde heuer wegen schlechten Wetters abgeblasen. Der Festwirt konzentrierte sich inzwischen mehr auf seinen Betrieb bei der Jakoberkirchweih in Augsburg. Bald darauf folgte dann die Kündigung. Überlegungen, das Seefest in Dießen auf sechs Tage zu verkürzen, führten zu keinem Ergebnis.
Wieder mehr Besucher anlocken
Daraufhin nahm die Vierergruppe Kontakt zu einem anderen Festwirt auf. "Es ging uns darum, das Seefest nicht sterben zu lassen", sagt Jürgen Zirch, "in den letzten Jahren ist es ja schon wieder aufwärts gegangen." Zugleich entwickelte das Quartett ein Konzept, wie auf das Seefest wieder mehr Besucher gelockt werden könnten. Gedacht war unter anderem an den Auftritt eines hochrangigen Bundespolitikers, das Fischerstechen in den Festablauf einzubeziehen, eventuell auch die frühere Boxveranstaltung wieder aufleben zu lassen. Auch der zuletzt geschrumpfte Vergnügungspark sollte aufgemöbelt werden.
Daneben sollte an die Ursprünge des Seefests erinnert werden. Erstmals fand ein solches nämlich 1911 statt. Veranstalter war damals der MTV Dießen, der Gewinn floss in die Sportanlagen an der Jahnstraße. Entsprechend war für nächstes Jahr an ein Turnwochenende mit Turnergala, Sommernachtsball und Spiele ohne Grenzen gedacht, erzählt MTV-Chef Volker Bippus. Daneben schlug die Gruppe auch zwei Veranstaltungen mit Eintritt vor. Dazu sollten bekannte Musikgruppen engagiert werden - nach dem Vorbild der Echinger Festwoche.
Gemeinderat nicht überzeugt
Im Gemeinderat vermochte das neue Seefest-Konzept nicht zu überzeugen. Wie Bürgermeister Herbert Kirsch berichtete, gefiel der Mehrheit im Gemeinderat vor allem der von der Kommune erwartete Beitrag für das neue Seefest nicht: Zum einen hatte sich der Festwirt angesichts der Umsätze der vergangenen Jahre ausbedungen, beim ersten Versuch keine Platzmiete zu bezahlen. Zu diesem Entgegenkommen war der Gemeinderat nicht bereit. Schließlich werde auch bei anderen Veranstaltungen auf dem Festplatz (zum Beispiel Flohmärkte) ebenfalls Platzmiete verlangt, hieß es. Bedenken gab es auch wegen der gewünschten Ausfallbürgschaft durch die Gemeinde für die Veranstaltungen, zu denen Eintritt verlangt werden sollte.
Für 2011 ist damit das Seefest gestorben. Ob die Veranstaltung in den nächsten Jahren wieder aufleben soll, müsse noch diskutiert werden, so Kirsch weiter. Alternativ hat sich der MTV Dießen bereits Gedanken für "ein Dießener Seefest im Kleinen" gemacht. Dieses könnte sich auf den dem MTV für das große Seefest zugedachten Beitrag mit Tanz, Turnen, Sport und Spiel beschränken.
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