Einem Porschefahrer wurde auf der Überholspur der Autobahn das Handy geklaut. Von Jörg Heinzle

Es ist am späten Nachmittag des 27. Augusts 2007, einem Montag, als ein modisch gekleideter Mann bei der Landsberger Polizei auftaucht. Auf die Geschichte, die der Mann erzählt, reagieren die Beamten erst einmal mit Stirnrunzeln und fragenden Blicken. Auf der Autobahn sei ihm das Handy gestohlen worden, erzählt der Mann. Aber nicht etwa auf einem Parkplatz, sondern auf der Überholspur.
Sein Mobiltelefon hat der 41-jährige Produktmanager, der aus der Nähe von Regensburg stammt und im Raum Zürich arbeitet, noch am selben Tag wieder bekommen. Das kuriose Geschehen auf der Autobahn ist nun, ein gutes halbes Jahr später, vor dem Amtsgericht in Landsberg aufgerollt worden. Ihren Lauf nehmen die Geschehnisse auf der A 96 kurz hinter München. "Schon dort im Tempo-80-Bereich ist mir ein Fahrzeug aufgefallen, das rechts überholt hat", erzählt der 41-Jährige vor Gericht. Der Fahrer des offenen Transporters sei dicht auf andere Autos aufgefahren und habe so rasant auf die linke Seite gewechselt, dass es um ein Haar einen Unfall gegeben habe.
Der Geschäftsmann, der mit einem Porsche Boxster unterwegs ist, greift deshalb zu seiner Digitalkamera, die auf dem Beifahrersitz liegt. Er schaltet sie ein und filmt im Fahren den Transporter und zwei weitere Kleinlaster, die sich seiner Meinung nach ein Rennen liefern. Kurz vor der Ausfahrt Landsberg-Nord befindet sich der 41-Jährige direkt hinter dem Transporter auf der Überholspur.
Mit einem Mal, so schildert es der Betroffene, schaltet der Fahrer des Transporters das Warnblinklicht ein, bremst scharf ab, steigt aus und läuft zum Porsche, der auch anhalten musste. Er greift durch das halb geöffnete Fenster des Porsches und nimmt dem 41-Jährigen das Handy weg, das er gerade in die Hand genommen hat. "Ich war perplex", erzählt der 41-Jährige. "Ich bin dann an der Raststätte raus, um dort erst mal tief durchzuschnaufen." Der Fahrer des Transporters, ein 31-jähriger Gärtner aus dem Ostallgäu, hat inzwischen, nachdem er zuerst auf die Standspur wechselte, die A 96 verlassen.
Vor dem Amtsgericht zeigt sich der 31-Jährige, nachdem er am Anfang noch etwas zögerlich aussagt, schließlich reuig. Als Richter Wolfgang Daum ihm nach der Beweisaufnahme noch das letzte Wort ermöglicht, entschuldigt er sich persönlich beim Porsche-Fahrer - eine Entschuldigung allerdings, der das Gericht keine große Bedeutung zumisst. Sie sei "nicht mehr als Wortgeklingel".
Mit seinem Urteil folgt das Gericht in vollem Umfang der Forderung der Staatsanwaltschaft. Der Transporterfahrer wird unter anderem wegen Nötigung und gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr zu zehn Monaten Haft auf Bewährung verurteilt und muss 120 Stunden soziale Arbeit leisten. Seinen Führerschein darf er frühestens in 20 Monaten wieder bekommen. Was der Angeklagte getan habe, sei "abenteuerlich, wirklich abenteuerlich", begründet Richter Daum das Urteil. "Es war brandgefährlich. Man kann von Glück reden, dass nicht mehr passiert ist."
Sein Handy bekam der Geschäftsmann so schnell wieder, weil der 31-Jährige das Telefon noch am selben Tag bei der Polizei in Kaufbeuren abgegeben hatte. Ein Beamter, der bei der Autobahnpolizei seinen Dienst erfüllt, kommentiert das Geschehen so: "Ich bin schon seit 30 Jahren auf der Autobahn. Aber so etwas habe ich noch nie erlebt."
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