Freitag, 24. März 2017

Landsberg

01. Februar 2017 12:02 Uhr

St. Ottilien

Ein Benediktiner im Gottesstaat

Bruder Josef Götz pflegt nicht erst seit der weitgehenden Aufhebung der Sanktionen Kontakte in den Iran. Bald will man sich wieder treffen. Von Hedwig Spies

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Bruder Josef Götz (Zweiter von rechts) pflegt den Kontakt zu den anderen Weltreligionen, hier sieht man ihn unter anderem mit schiitischen Vertretern beim islamisch-christlichen Dialog im April 2016 in St. Ottilien.
Foto: Cassian Jakobs

Früher von westlicher, US-amerikanischer Seite als „Schurkenstaaten“ oder als „Achse des Bösen“ eingestufte Länder wie der Iran sind für die katholische Kirche längst keine „No-go-area“ mehr. Dafür steht der Cellerar der Erzabtei St. Ottilien, Bruder Josef Götz, als leidenschaftlicher Brückenbauer zwischen den Religionen mit dem Interreligiösen Dialog, den das Zweite Vatikanische Konzil mit seinem Dokument „Nostra aetate“ – „in unserer Zeit“ zum Umgang mit anderen Religionen einläutete.

„Religion ist eine Brücke zwischen den Kulturen“, betonte Bruder Josef bei einem Gespräch mit dem LT. Der Theologe will zusammen mit anderen Ordensleuten eine Schneise schlagen. 1983 nahm er am ersten Austausch zwischen Zen-Mönchen und Benediktinern in Japan teil. Gegenbesuche folgten. Und 2014 bereiste Bruder Josef erstmals den „Gottesstaat“ Iran.

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Mit dem früheren Abtprimas Notker Wolf plant Bruder Josef einen weiteren Besuch im Iran, der Termin stehe noch nicht fest. Die Iraner seien nach seinem Eindruck „totfroh“, dass sie nach dem Ende des Atomstreits aus ihrer Isolation herausgekommen seien. „Das war ein Befreiungsschlag für sie“, glaubt Bruder Josef. Die Menschen im Iran seien ihm bei seinem Aufenthalt mehrheitlich „tolerant“ erschienen.

Anerkennung verdiene, dass der Iran rund eine Million Flüchtlinge aus den Nachbarländern aufgenommen hat. Die Situation der Bevölkerung sei allerdings weiterhin geprägt durch eine hohe Arbeitslosigkeit und damit einhergehender Perspektivlosigkeit und Unzufriedenheit vor allem in der jungen Akademikerschicht.

Bruder Josef, der sich in seinem benediktinischen Habit in Ghom (persisch Qom) akzeptierter fühlte als in München, betont: „Religion und religiöse Symbole haben einen hohen Stellenwert im Iran. Es besteht eine Einheit zwischen Religion und Staat.“ Und: „Eine Religionsfreiheit nach unserem Verständnis existiert nicht.“ Das erkläre die prekäre Situation christlicher Kirchen im Iran, in dessen Parlament neben den Schiiten auch eine winzige Minderheit von jüdischen, sunnitischen, christlichen und anderen Religionen vertreten ist. Im Iran bilden die Schiiten mit rund 92 Prozent die Mehrheit, in der weltweiten islamischen Religionsgemeinschaft sind die Sunniten mit 90 Prozent aller Muslime die größte Gruppe.

Ein Gang auf rohen Eiern

„Es ist ein Gang auf rohen Eiern“, so beschreibt Bruder Josef die Situation. Dass die christliche Kirche im Iran durch die Polizei bespitzelt werde, sei ihm bei seinem letzten Besuch durch einen Europäer bestätigt worden. Themen wie Frauenrechte würden nicht angesprochen, wohl aber die Unterschiede zwischen Arm und Reich, Umweltschutz oder der richtige Umgang mit dem Internet für Kinder. „Stolze Patrioten“ seien die Iraner, aber es träten auch viele Missverständnisse auf, man müsse lernen, damit umzugehen, wenn man mit Vertretern des Islam den Dialog zwischen den Religionen pflege. Bruder Josef drückt es diplomatisch aus: „Drei Schritte vor, einer zurück. Aber das ist auch ein Weg zum Ziel.“

Papst Franziskus hat in Sorge um das weltweite Haus 2015 die Enzyklika „Laudato si“ vorgelegt. Darin geht es um Umweltschutz, Ernährung und Stadtentwicklung. Die iranische Geistlichkeit fühle sich sehr davon angesprochen, hat Bruder Josef bei Gesprächen über die Religionen erlebt.

Der Benediktinermönch und weitere deutsche Ordensleute besuchten 2014 Ghom (das LT berichtete). 2013 war Sheikh Taher Amini Golestani, der in München seine Deutschkenntnisse vertiefte, Gast in St. Ottilien. Das Logo „Pax“ – Friede – auf den Servietten im Speisezimmer erfreute den iranischen Geistlichen sehr, und er interpretierte dies als eine besondere Geste der Gastfreundschaft, zumal die Benediktiner jeden Gast „wie Christus“ aufnehmen wollen. Der Kontakt mit iranischen geistlichen Würdenträgern wird regelmäßig aufgefrischt: Noch im Frühjahr erwartet das Kloster erneut Sheikh Taher Amini Golestani und seine Familie ist. Dr. Golestani, Sohn eines Ayatollahs, unterrichtet Theologie in der Heiligen Stadt Ghom.

Diese gilt nicht nur als das wichtigste Ausbildungszentrum der Schiiten, sondern auch wegen der Grabmoschee und dem Schrein von Fatima Masuma, der Schwester des achten Imams der Zwölferschiiten Reza, als der zweitwichtigste schiitische Wallfahrtsort Irans. 50 Hochschulen sind in Ghom angesiedelt, darunter die Islamisch-Theologische Hochschule.

Dem „Himmel“ war Bruder Josef Götz übrigens schon immer verbunden: Zuerst bei seinem Studium der Luft- und Raumfahrt in Stuttgart und nach dem Studium der Mathematik und Physik für das Lehrfach durch sein späteres theologisches Studium in Straßburg, als er sich entschloss, dem Konvent der Benediktiner beizutreten. Seine Kindheit verbrachte der Sohn einer Diplomatenfamilie in Amsterdam, Algier und Brazzaville/Kongo.

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