Donnerstag, 18. Januar 2018

Landsberg

13. Januar 2018 15:00 Uhr

Landsberg

Ein Mann, der wilde Mischungen liebt

Auf den Spuren von Peter Wilsons Landsberger Leuten. Heute: Charlie Fischer. Er ist Gastronom, Coach und Raumausstatter. Von Silke Feltes

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Charlie Fischer hat jede Menge Jobs hinter sich: doch bei allem blieb er sich stets treu. Er lässt sich Zeit, denkt nach und macht dann wieder was Neues.
Foto: Peter Wilson

Der erste Eindruck ist prägend. Binnen Millisekunden fällt das Gehirn ein Urteil über einen Unbekannten. Körpersprache, Mimik, Gestik, Geruch, alles wichtiger als die inneren Werte und der Charakter. Oberflächlich? Nein, so funktioniert unser Unbewusstes seit Jahrmillionen.

Was uns zu prähistorischen Zeiten das Überleben gesichert hat, entscheidet heute über Sympathie oder Antipathie. Doch wie ist das bei einem Porträt, sei es ein künstlerisches, ein journalistisches oder eine fotografisches? Wie viel Inszenierung, wie viel Subjektivität, wie viel Verstellung ist dabei?

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Auf den Spuren von Peter Wilsons Porträtserie „Landsberger Leute“ kann ich mittlerweile behaupten: Die Fotos sind bis ins kleinste Detail durchdacht und inszeniert, und treffen doch das Wesen der jeweiligen Person perfekt. Sagt auch einer, der es wissen muss: Charlie Fischer, einer der Porträtierten und selber fotografisch und psychologisch ausgebildet: „Der Peter macht das verdammt gut und ich bin eher sparsam mit Lob.“

Dabei ist „sein“ Bild gar nicht so einfach zu interpretieren. Ein stark tätowierter Mann mittleren Alters, den schon grauen Bart mit Perlen geflochten, wilde Haare, Denkerpose.

Ein cooler Typ

Cooler Typ, mag man denken. Aber was macht dieser uralte, dunkle, reich verzierte Schrank im Hintergrund, auf dem unpassenderweise ein Totenschädel, eine Dali-Uhr, ein Kerzenständer und eine Vase stehen? Kommen wir zur Auflösung.

Charlie Fischer prägt seit 1990 die Landsberger Gastronomieszene. Er ist ein Mann mit vielfältigen Interessen, der bis heute nach dem Motto lebt: Ich mache nur das, was mir Spaß macht, aber das hundertprozentig. Das ist die Kurzversion. Die lange geht so: 1966 als Nesthäkchen in den Malerei-, Raumausstattungs-, Farben- und Tapetenbetrieb Fischer hineingeboren. Wo heute die Shishabar logiert, führte schon der Großvater seinen Laden, wo heute die „Sonderbar“ residiert, war im Kellergewölbe die Malerwerkstatt. Der Vater, als Grafiker und Vergolder eher künstlerisch ambitioniert, führte den Betrieb fort.

Immer wieder jobben

Sein Jüngster, Karl-Heinz, besser bekannt als Charlie, begann nach der Realschule zunächst eine kaufmännische Ausbildung. Irgendwas musste er ja machen. Mal hier jobben, mal eine Fotografenlehre beginnen und wieder abbrechen. Wieder jobben. Wieder arbeitslos. Dann sagte das Arbeitsamt: Mach doch noch eine Ausbildung zum Industriekaufmann. Die Dinge, so scheint es, „passieren“ in Charlie Fischers Leben einfach so. In einer erneuten Arbeitslosenphase baute er mit seinem Freund Christian Greinwald den ehemaligen „Kratzerkeller“ (später „Libre“) zur Speisegaststätte mit Diskothek um und übernahm den Barjob.

Das war sein Einstieg in die Gastronomie. Es fing an, ihm „riesig Spaß“ zu machen. So sehr, dass die beiden Freunde ein Ladenlokal in der Münchner Straße kauften und „die erste richtige Bar Landsbergs, den ersten Laden, in dem es einen Caipirinha gab“ aufmachten: „Cafe Galerie Kontrast“. 1991 war das. Nach eineinhalb Jahren mussten sie wegen Lärmbelästigung schließen. Dann hatte „der Papa“ die Idee: Den betriebseigenen Gewölbekeller als Lokal umbauen. Ein dreiviertel Jahr arbeiteten Vater, Sohn und Freund Greinwald, dann stand die „Sonderbar“, „von Anfang an ein Erfolg“, so Fischer.

Sonderbar und Villa Rosa

Acht Jahre schmissen die Freunde den Laden gemeinsam, übernahmen dazu die „Villa Rosa“ im Vorderen Anger. Dann ging man in aller Freundschaft getrennte Wege. Charlie Fischer blieb weitere acht Jahre in der „Sonderbar“, bevor er den Laden weiterverpachtete. 2010 kauften Fischer und seine Lebensgefährtin Doris Dömel den ehemaligen „Kratzer-Garten“ an der Lechbrücke und bauten die historischen Gewölbe zum „Wirtshaus am Lech“ um (heute „Burgerbar 73“). Nach einem langen Rechtsstreit um die Außenbestuhlung verkaufte Fischer den Laden wieder, „jetzt mog i nimma“.

Schon die ganzen Jahre hatte sich Fischer nebenbei in einem völlig anderen Gebiet fortgebildet: NLP, Psychologie, Traumabewältigung, Hypnose, Regressionstherapie und „artverwandte Techniken“. Er hat vielfältige Ausbildungen absolviert und einige Zeit auch als „Life-Coach und Mentaltrainer“ gearbeitet und Fortbildungen gegeben. Es hat ihn einfach interessiert. Und wenn ihn was interessiert, so sagt er, dann richtig. Ein „Agnostiker mit Hang zum Buddhismus“, das sei er, psychologisch vielfältig interessiert. Doch auch das Thema war irgendwann – vor zwei, drei Jahren – durch. Nun ist er erstmal zuhause, kümmert sich um seine Mutter, seine zwei kleinen Hundedamen und widmet sich der Einrichtung seiner Wohnung über der „Sonderbar“. In einem wilden Stil-Mix von wuchtigen Möbeln und alten Ölgemälden von vor der Jahrhundertwende über Artdeco bis zur Moderne, von Originalen über Nachbildungen bis hin zur Leopardenmustergardine, überall gibt es Verblüffendes, Wildes und Kurioses zu entdecken. Gerade gestaltet er das Gästezimmer im 70er-Jahre-Design.

„Ich habe in meinen Leben schon mehr gearbeitet als ein normal Angestellter bis zum Rentenalter“, sagt er. Mit der ihm eigenen grundrelaxten Einstellung sieht er es so: „Es ist gut so wie es ist. Müssen tue ich gar nichts. Ich habe mein Auskommen. Ich habe viele Ideen, und wenn die Zeit reif ist, mache ich wieder was Neues. Aber nur wenn‘s Spaß macht. Denn wenn‘s Spaß macht, ist‘s keine Arbeit.“

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