Montag, 23. Oktober 2017

Landsberg

22. November 2010 18:45 Uhr

Ein Stück Heimatgefühl

Dießen Innerhalb von drei Jahren vom Versuch zum Event: "Das kleine Format", die von Annunciata Foresti initiierte und kuratierte Ausstellung, ließ am Freitagabend sogar Festival-Gefühl aufkommen, denn im Kulturzentrum "Blaues Haus" drängten sich über 300 Vernissagen-Gäste um die 26 Künstler und ihre Werke. Von Andreas Frey

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"Landschaft" heißt diesmal das Leitthema: "Nichts anderes kann mich so berühren", meinte die Dießenerin Foresti zur Begrüßung. Wie auch im Vorjahr hielt Sepp Dürr die Einführung, in der sich der Stimmkreis-Abgeordnete der Grünen, Biobauer und Literaturwissenschaftler mit der bedingten Wahrnehmung von Landschaft auseinandersetzte: "Landschaftsdarstellung ist eine mehrfach geschichtete Form der Aneignung von Natur", sagte Dürr. Der "kulturelle Stempel" des Menschen gehöre ebenso zum Gefühl von Landschaft wie der Abgleich mit den bereits abgespeicherten Eindrücken. "Der Blick in die Landschaft gibt uns ein Stück Heimatgefühl."

Wie aus einem fahrenden Auto

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Eins-zu-eins-Abbildungen gibt es in Dießen nicht, eher das Hinterfragen stereotyper Landschaftsbilder. So etwa sind die Fotoarbeiten von Danny Mayland verwischt wie aus einem fahrenden Auto. Ähnlich verunsichert "gabriele" mit doppelt belichteten, verschwommenen und aus der Perspektive gezogenen Ufer-Eindrücken.

Wolf Schindler lässt Berge und Bäume in Acryltechnik im Wind verwehen. Vielleicht schwingt die Frage mit, was von den gewohnten Wahrnehmungen wohl Bestand haben wird.

Julia Albrechts Abbildungen - die kleinsten der Ausstellung - sind mehrfach überlagert und dazu auf winzige Holzkästchen aufgezogen. Natur als Puzzle von Gedanken, als Elemente eines Traumes - die kleine Dimension macht sie aber auch zu zerbrechlichen Miniaturen, die man als Kostbarkeit sammeln und bewahren möchte.

Landschafts-Kleinodien finden sich ebenso in den sturmumbrausten Uferstreifen von Ernst Heckelmann oder in den klar linierten Gouachen des Uttingers Hans Dumler. "Kleine Werke gehen bei mir meist der großformatigen Umsetzung voran, und dennoch sehe ich sie nicht als untergeordnet." Neben dem Charakter von Vorstudien hätten die Gouachen einen ganz eigenen, nicht von der Größe abgeleiteten Wert.

Klassisch sind die Holzschnitt-Drucke von Bernd Zimmer, der in verschiedener Farbigkeit Bäume und Gräser überlagert. Die Blätter werden jedoch nicht seriell dargestellt, sondern variieren zwischen grafisch bunt oder japanisch streng.

Sparsame Formen nutzt auch Mica Knorr-Barrocco, in deren orangeroter Stimmung sich Segel ballen oder allenfalls Schemen von Schiffen. Gänzlich gegenstandsfrei wird Anemone Rapp, die in ungewöhnlich schmalen Hochformaten Farbwelten zwischen Spätherbst und erstem Schnee zusammenführt. Eine fast schon provokante Reduktion auf skizzenhafte Bleistiftstriche wagt Carmen Jäckel.

Menschen mit im Bild

Der 2001 verstorbene Wahl-Hamburger Erich Grandeit holt als einziger Menschen ins Bild. Seine Hafenmauern tragen nicht die Verheißung der Weite, sondern das Frösteln der Leere. In Dießen vertrat ihn seine Tochter, die in Landsberg wirkende Fotografin Saskia Pavek.

Zusätzlichen Reiz gewinnt die Schau durch die Mischung mit Plastiken, darunter Gipswürfel, die oben scheinbar mit knallig gefärbtem Moos ausblühen (Bert Praxenthaler), Korallenformen (Christoph Moeller) oder Bronzearbeiten vom strandenden Schiff und streunenden Hund (Egon Stoeckle).

Größere Installationen gibt es auch. Nue Ammann hängt flüsternde Blumen als "Blütengewitter" von der Decke und Franz Hartmann baut mit der "Bagdad-Uhr" der geringen Logik des Irak-Kriegs ein marmornes Denkmal im karikierenden Empire-Stil. "Die Uhr hat eine vollwertige Luftalarm-Sirene, die sich jede Stunde anschaltet." Zusätzlich bietet der Issinger "Gedenkmünzen" zur Finanzkrise an. Endlich gebe es etwas Zuverlässigeres als staatliche Versprechungen: "Der Wert der Münze reduziert sich nach dem Kauf garantiert sofort auf Null."

Der klare Gewinner der Publikumswahl waren die kinetischen - also bewegten - Steine von Christian Tobin. Der Riederauer bereichert den Ausstellungsraum um einen scheinbar schwimmenden Felsbrocken. Andere seiner großen Kiesel - "sie kommen aus Vietnam" - können Töne von sich geben, warm werden oder wie von Geisterhand bewegt schwanken. "Wie's geht, verrate ich aber nicht", sagte der Künstler dem LT.

Öffnungszeiten Geöffnet bis Sonntag, 5. Dezember, jeweils donnerstags bis sonntags von 14 bis 19 Uhr; am 25. November Nachtöffnung bis 22 Uhr. Parallel zeigt das benachbarte "kult.café" als Sonderausstellung die großen Abbildungen träumender Kühe von Cornelia Rapp.

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Dießen | Sepp Dürr | Landsberg | Vietnam

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