Samstag, 16. Dezember 2017

Landsberg

03. März 2015 00:31 Uhr

Interview

Ein Zeichen für Dießen

Matthias Rodach, der Mann mit dem goldenen Fisch und warum es sich dabei ausgerechnet um einen Karpfen handelt

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Matthias Rodach ist der Schöpfer des „Manns mit dem goldenen Fisch“, der voraussichtlich ab dem Sommer ein neues Wahrzeichen in Dießen sein wird.
Foto: Katharina Ranftl

Die Baustelle in der Mühlstraße ruht zwar seit Dezember, für Gesprächsstoff sorgt sie aber trotzdem. Die „Kunst am Bau“ macht es möglich. Denn während der Winterpause haben Jury und Gemeinderat entschieden: „Der Mann mit dem goldenen Fisch“ soll einen künstlerischen Akzent in dem neu gestalteten Straßen- und Bachraum setzen. Das LT sprach mit dem Bildhauer Matthias Rodach, der mit der künstlerischen Gestaltung beauftragt wurde – am Tag, nachdem er mit Freunden seine Beauftragung gefeiert hatte. Und dabei gab es? Na was wohl – eine Bouillabaisse mit Karpfen vom Ammersee.

Herr Rodach, erzählen Sie uns bitte, wie Sie auf den Mann und den Fisch gekommen sind.

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Rodach Meine Überlegung war zuerst einmal etwas Bewegliches in den Mühlbach hineinzustellen. Ich wollte irgendwas mit dem Bach machen, der ist ja die Energiequelle von Dießen. Beim Kolloquium wurde mir aber klar, dass das nicht funktionieren würde, weil im Wasser so viel Kalk ist und dann würde nach einem Jahr alles stehen.

Und dann?

Rodach Dann bin ich die Baustelle rauf- und runtergegangen und habe gemerkt, dass es auf dem Untermüllerplatz einen Schwerpunkt gibt, den man betonen muss. Und ich habe auch über Dießen gelesen, über die Armut früher und dass jemand, der Fischer war, etwas besser überleben konnte. Ich habe mir überlegt, ob ich einen Fischbrunnen machen soll, mit einem Mann, der einen Fisch herauszieht. Und ich habe weitergelesen und erfahren, dass zum Beispiel der Bahnhof auf Eichenpfählen steht, und irgendwann kam mir dann die Idee, einen Mann mit einem goldenen Fisch in den Armen zu modellieren, den ich auf einen ebensolchen Eichenpfahl stellen könnte. Der Pfahl würde dabei wie eine Nadel im Stadtplan die Stelle markieren, an der sich alle Sichtachsen treffen und wäre dadurch von allen Seiten weithin sichtbar. Die Art und Weise wie der Mann den Fisch hält, war inspiriert durch ein altes Foto, das den Fischer Schwarz zeigt, der einen Karpfen trägt und dabei zwei Finger in dessen Maul hat.

Trotzdem wurden Sie im Gemeinderat in die Nähe eines Nachahmers gerückt, indem auf angebliche Ähnlichkeiten mit Werken des Bildhauers Stephan Balkenhol verwiesen wurde.

Rodach Ich habe Bildhauerei studiert und da kenne ich natürlich Stephan Balkenhol. Es ist aber falsch, mich mit ihm zu vergleichen. Balkenhols Figuren sind Skulpturen, die aus einem Holzstamm herausgearbeitet werden. Meine Arbeit dagegen ist eine Plastik, die aus Ton aufgebaut und von daher schon ganz anders gedacht ist. Auch die Formensprache ist eine ganz andere. Eine Figur auf eine Säule zu stellen, ist eine alte Tradition und Symbol statisch fester Ordnung zwischen Himmel und Erde und nicht ein von Stefan Balkenhol entwickeltes Symbol.

Ihr Fisch hat ja durchaus auch etwas Munteres an sich.

Rodach Ja, warum hält der Mann den Fisch so? Es soll die Achtung und die Verbindung gegenüber dem Leben durchschimmern – der Mensch trägt die Natur auf Händen! Es war mein Plan, dass es kein toter Fisch ist, sondern ein freier Fisch.

Eine Figur auf eine Säule zu setzen, ist ja eine jahrtausendealte Idee, ein Klassiker, man denke nur an die Mariensäulen. Wollten Sie bewusst einen solchen Bezug herstellen?

Rodach Oben ist die Kirche mit einer Mariensäule, unten der Fisch, der könnte eigentlich ein weltliches Pendant sein. Aber mir ging es darum, mit der Säule eine größere Fernwirkung zu erzielen. Der Mann mit dem goldenen Fisch soll ein Begleiter sein, für jemand, der in die Fischerei kommt, eine Orientierung, er wird nachts von den umliegenden Hausdächern aus angestrahlt und bleibt so auch in der Dunkelheit ein treuer Bezugspunkt, der leuchtend über dem Untermüllerplatz schwebt.

Ein Kritikpunkt ist, dass das Kunstwerk so hoch werden soll – immerhin fast acht Meter.

Rodach Der Eichenpfahl stellt auch einen Bezug zu Dießen her. Dadurch wird sichtbar gemacht, dass viele Gebäude am See auf solchen Pfählen stehen. Und ich habe mir gedacht, wenn eine Gemeinde wie Dießen so viel Geld für ein Kunstwerk in die Hand nehmen will, dann will sie etwas Markantes, dann muss ich ein Wahrzeichen erschaffen.

Und warum eigentlich ein Karpfen und nicht der Brotfisch am Ammersee, die Renke?

Rodach Im Karpfen steckt viel von Dießen drin, den gibt es nur auf der Dießener Seeseite, weil hierher die Feinstoffe aus der Ammer geschwemmt werden, das sind genau die Futterpartikel, die sich der Karpfen holt. Außerdem ist der Karpfen ein Symbol für Wohlstand und Reichtum.

Wann wird die Eichensäule mit dem Mann und dem Fisch zu sehen sein?

Rodach Vorgesehen war laut Ausschreibung, dass das Kunstwerk zur Fertigstellung der Baustelle Ende Juni aufgestellt werden soll. Der Zeitablauf bis zur Vergabe hat sich etwas verzögert und es bedeutet sehr viel Arbeit so einen großen Auftrag zu realisieren, sodass es schon knapp werden könnte, den Termin einzuhalten.

Interview: Gerald Modlinger

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Schlagworte

Dießen | Ammersee | Mühlbach

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